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Panda-Update : Google räumt seinen Suchalgorithmus auf

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

„Panda“ ist Googles Versuch, in seinem Suchalgorithmus Seiten mit guten Inhalten besser zu platzieren. Wer Inhalte nur schlecht aggregiert oder den Nutzern nicht das Gewünschte liefert, ist jetzt kaum noch sichtbar.

          Google schraubt eigentlich ständig an seinem Suchalgorithmus herum, um bessere Suchergebnisse anzuzeigen und Spam auszusortieren. Doch kaum eine Änderung hat für so viel Aufregung gesorgt wie das Panda-Update, das dieser Tage auch in Deutschland eingeführt wurde. Mit Panda will Google Seiten mit guten, originären Inhalten belohnen, im Gegenzug aber Angebote bestrafen, die nur Inhalte anderer Seiten zusammentragen oder Nutzern nicht das Gesuchte bieten. „Die Richtung ist sehr klar: Artikelverzeichnisse, Contentaggregatoren, Pseudoinfo-Seiten und magere Personen- oder Preis-Suchmaschinen raus und redaktionelle Inhalte rein“, beschreibt Eric Kubitz vom Suchmaschinenoptimierer Contentmanufaktur die Absicht der Suchmaschine.

          Die ersten Tests der Suchmaschinenoptimierer Searchmetrics zeigen, dass Google Panda sein Ziel weitgehend erreicht hat. In der Liste der Panda-Gewinner stehen Verlagsangebote wie Golem.de, Focus.de und Stern.de weit oben, werden also häufiger als früher angezeigt, auch wenn der Zuwachs an Sichtbarkeit eher gering ausfällt. Auch die Seiten großer Unternehmen wie Facebook, Twitter oder Apple landen nun häufiger auf den ersten Plätzen in den Suchergebnissen. Weniger sichtbar sind nun Seiten wie die Ratgeber-Community Gutefrage.net oder Personensuchmaschinen wie Yasni und 123People. Oft kommen Gewinner und Verlierer sogar aus dem gleichen Haus, denn zum Beispiel gehören Hauptverlierer wie Gutefrage.net, Cosmiq.de oder Gesundheitsfrage.net zur Verlagsgruppe Holtzbrinck oder die Contentfarm Suite101 zu Burda.

          Auch die Verweildauer ist ausschlaggebend

          Die meisten Internetseiten werden Panda gar nicht bemerken. „Für die meisten Sprachen wird diese Änderung typischerweise 6 bis 9 Prozent der Suchanfragen in einem Umfang betreffen, den die Nutzer bemerken können. Dies ist deutlich niedriger als bei unserem ersten Panda Rollout, der fast 12 Prozent aller englischen Suchanfragen in einem sichtbaren Umfang beeinflusste“, schreibt Google in seinem Unternehmensblog. „Für Betreiber klassischer Unternehmensauftritte wird das Update eher eine Verbesserung bringen“, sagt Christian Mauer vom Kölner Suchmaschinenspezialisten Sumo. „Auch Online-Shops brauchen keine Angst vor dem Update zu haben. Eng wird es allerdings für Websites, die Content ausschließlich deshalb veröffentlichen, um in den Suchergebnissen mit ihrem Angebot oben zu stehen.“ Solchen Seiten werde jetzt die Geschäftsgrundlage entzogen. „Zusammengeklaubte Inhalte funktionieren nicht mehr. Die Betreiber haben mit diesem Modell in der Vergangenheit mitunter gut verdient. Aber das scheint jetzt vorbei“, sagt Mauer. Allerdings bedeutet Panda nicht zwingend, dass die Seiten künftig weniger Besucher haben, denn andere Quellen wie soziale Medien oder Links bleiben unberührt.

          Panda war ursprünglich die Antwort von Google auf sogenannte Content-Farmen wie Demand Media, die viele Inhalte möglichst billig erstellen, um von Google viele Besucher zu bekommen. Sie sollten mit dem Panda-Update bestraft werden. Auch viele Preisvergleiche oder Gutscheinportale finden sich wie erwartet auf der Verliererliste wieder. Allerdings werden nicht alle Seiten einer Kategorie gleichermaßen abgestraft, denn schließlich können sie den Nutzern auch wertvolle Informationen liefern. Zu diesem Zweck hat Google die Seiten von Testern anschauen lassen, die Fragen wie „Würden Sie dort Ihre Kreditkartendaten eingeben?“ beantworten sollten.

          In den Algorithmus sind auch Faktoren wie die Verweildauer eingeflossen: Findet der Nutzer die gewünschte Information, klickt er dort mehrere Seiten an, oder kehrt er sofort wieder zu Google zurück, um auf ein anderes Suchergebnis zu klicken? Das Ergebnis: Vergleichsseiten wie Ciao (das dem Wettbewerber Microsoft gehört), Kelkoo (das zu Yahoo gehört) oder Dooyoo verlieren kräftig, während Idealo weitgehend ungeschoren davonkommt. Kubitz vermutet, dass die längere Verweildauer der Nutzer auf Idealo den Ausschlag gab, die Seite nicht abzuwerten.

          „Soziale“ Suche

          Eine sehr starke Präsenz von kommerziellen Angeboten direkt auf der Startseite könnte auch ein Faktor sein, Seiten abzuwerten – muss es aber nicht. „Google hat überhaupt kein Problem mit stark kommerzialisierten Seiten. Die Frage ist nur, wie die Kommerzialisierung umgesetzt wird. Potentiell ,dünnen‘ Content haben ja etwa auch die Kleinanzeigenportale, doch die haben sogar recht breit gewonnen“, sagt Kubitz.

          Google schraubt aber gleich an mehreren Stellen an seinem Algorithmus herum. Nicht weniger wichtig ist die Anreicherung der Suchergebnisse um Beiträge aus dem neuen sozialen Netzwerk Google+. Wer einen Nutzer zu seinen Kreisen auf Google+ zugefügt hat, kann dessen öffentlichen Beitrag auf Google+ in seinen Suchergebnissen wiederfinden. Dahinter steht der Gedanke, dass Informationen von Freunden und Bekannten aus sozialen Netzwerken einen höheren Stellenwert haben als Inhalte von fremden Quellen. Google+ soll die Suchmaschine auch mit Echtzeitergebnissen füttern. Diese „soziale Suche“ wird auch vom Konkurrenten Microsoft stark forciert, dessen Suchmaschine Bing Ergebnisse von Facebook und Twitter anzeigt. Google hat seine Partnerschaft mit Twitter jüngst beendet und setzt für die Echtzeitsuche künftig auf die Ergebnisse von Google+.

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