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Outsourcing : "Beim Outsourcing geht es nicht nur um Kostensenkung"

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Geht es nach der Marktforschungsagentur Gartner, müssen sich die Verantwortlichen für die Informationstechnologie (IT) in Unternehmen sehr bald auf völlig neue Herausforderungen einstellen.

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          Geht es nach der Marktforschungsagentur Gartner, müssen sich die Verantwortlichen für die Informationstechnologie (IT) in Unternehmen sehr bald auf völlig neue Herausforderungen einstellen. "Bis zum Jahr 2008 wird ein typischer ,Chief Information Officer' (CIO) mehr als 50 Prozent seiner Arbeitszeit darauf verwenden, Beziehungen mit externen Partnern zu managen", sagt John Mahoney, Managing Vice President bei Gartner. Damit gehen nicht nur für die Chefs, sondern auch für die normalen Mitarbeiter große Verwerfungen einher: "Bis 2008 werden im Vergleich zum Jahr 2000 mindestens 60 Prozent der IT-Abteilungen ihre eigene Mitarbeiterzahl um die Hälfte verringert haben."

          Das bedeute aber nicht, daß diese Arbeitsplätze völlig verlorengingen. Vielmehr werden sich die Mitarbeiter bei jenen Dienstleistern wiederfinden, zu denen die CIOs künftig möglichst fruchtbare Beziehungen pflegen müssen. "Bei diesen Verlagerungen geht es auch nicht um das reine Senken von Kosten, vielmehr sollten neue Möglichkeiten zum Umsatzwachstum erschlossen werden", sagt Mahoney. Genauso argumentiert Stephan Scholtissek, der Sprecher der deutschen Geschäftsführung von Accenture, und damit eines Unternehmens, das diese sogenannten Outsourcing-Dienstleistungen anbietet, Kunden aber auch bei der entsprechenden Transformation ihrer Geschäftsprozesse berät. "Das neue Outsourcing ist kein Kostensenkungsthema, sondern eine strategische Waffe", sagt Scholtissek. Kernstück einer solchen Zusammenarbeit zwischen einem Kunden und dem Outsourcing-Anbieter muß nach seiner Meinung eine Innovationspartnerschaft sein. Die Zusammenarbeit auf diesem Niveau sei dann allerdings auch nicht billig zu haben.

          "Wenn Sie einfach den günstigsten Anbieter für den Betrieb ihrer zwölf Rechenzentren suchen, werden sie den bekommen. Es wird aber nicht der Anbieter sein, der Ihnen die modernste IT-Infrastruktur verkauft oder danach fragt, wie die Arbeit dieser zwölf Rechenzentren künftig effizienter zu organisieren wäre", sagt Scholtissek. "Wenn Outsourcing richtig gemacht wird, sollte der Preis bei den Diskussionen vielleicht 1 Prozent der Zeit in Anspruch nehmen, nicht aber 80 Prozent." Viel länger als derzeit müsse hingegen darüber gesprochen werden, welche Prozesse im Rahmen des Outsourcing verbessert werden könnten. Der deutschen Autoindustrie habe es zum Beispiel sehr genützt, die Beziehung zu ihren Zulieferern schließlich als eine solche Innovationspartnerschaft verstanden zu haben. "Eine Vielzahl bekannter Produktinnovationen war die Folge einer Intensivierung der Unternehmenskooperationen", sagt Scholtissek und zählt die Einspritzanlage und das Antiblockiersystem von Bosch, die mitlenkende Hinterachse von ZF Lenksysteme in Kooperation mit BMW und die Scheinwerfer, die bei Lenkradeinschlag um die Kurve leuchten, von Hella auf. Davon habe trotz aller Verlagerungen letztlich auch der Standort Deutschland profitiert, denn hier seien wegen des durch die Innovationen generierten Umsatzwachstums immer noch mehr Mitarbeiter tätig als vorher. Ähnliche Umwälzungen stehen nach Ansicht von Scholtissek nun dem Dienstleistungssektor bevor. Das Umsatzvolumen, das dabei verteilt wird, beziffert Scholtissek für das Jahr 2010 auf gewaltige 250 Milliarden Euro. Damit könnte dieser Markt viermal größer werden als der der Automobilzulieferung mit seinen 60 Milliarden Euro: "Da ist noch Platz für viele Anbieter, und deswegen gehe ich davon aus, daß nicht nur wir und unsere Wettbewerber diesen Markt unter sich aufteilen werden." Scholtissek denkt dabei an Unternehmen wie die Datev, eine genossenschaftliche Vereinigung freiberuflicher Steuerberater, die über die Datev ihre zentralen Datenverarbeitungsbedürfnisse abdecken. Heute wird für jeden vierten sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer die Gehaltsabrechnung mit der Datev-Software erstellt. Das Beispiel Datev zeige, daß in Deutschland eine ganze Dienstleistungsindustrie mit Innovationspartnern entstehen könne. In diesem Zusammenhang stehen auch die von Mahoney und Gartner beschriebenen Herausforderungen an den CIO der Zukunft. "In dieser Rolle muß man künftig fest in die gesamte strategische Geschäftsentwicklung zwischen dem eigenen Unternehmen und seinen Zulieferern eingebunden sein", sagt Mahoney. Die Zeiten, in denen ein CIO nur verliebt auf seine Computer schauen konnte, seien vorbei. (Kno.)

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