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Organische Elektronik : Gerollt, gebogen oder geknickt

Ein aufgedrucktes Funketikett Bild: PolyIC

Die Vision wird Wirklichkeit. Elektronische Spiele, so flach wie ein dünner Prospekt und zum Ausschneiden. Elektronische Schaltungen von der Plastikrolle: kostengünstig, flexibel - ganz anders als die herkömmliche, starre Siliziumelektronik. Eine Zukunftstechnologie.

          3 Min.

          Die Vision wird nur langsam Wirklichkeit. Ein elektronisches Spiel, so flach wie ein dünner Prospekt, liegt als Beilage einer Zeitung bei. Hauchdünne Sensoren in Verpackungen kontrollieren den Zustand von begrenzt haltbaren Nahrungsmitteln und zeigen an, wenn das Verfallsdatum erreicht ist. Schachteln, die in den Regalen von Supermärkten liegen, kommunizieren mit einem zentralen Logistiksystem und geben Aufschluß über den aktuellen Lagerbestand. Räume können mit Lichttapeten ausgeleuchtet werden. Zeitungen, bestehend aus einrollbaren Folien, werden per Funk täglich neu aufgeladen. Kinder können sich aus Cornflakes-Verpackungen elektronische Spiele ausschneiden. Solarzellen sind aufrollbar und finden dadurch einen vielfältigeren Einsatz.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Visionen? Nicht unbedingt. Auf der Messe Organic Electronics Conference & Exhibition (OEC-06) in Frankfurt haben Firmen erstmals den Prototyp eines flachen Spiels vorgestellt, das in der Tat einmal statt der Flut von beiliegenden Prospekten aus einer Zeitung herausfallen könnte. Die Firma Poly IC - ein Gemeinschaftsunternehmen der Leonhard Kurz GmbH & Co. KG (51 Prozent) und der Siemens AG (49 Prozent) - hat angekündigt, im nächsten Jahr elektronische Schaltungen auf den Markt zu bringen, die als Funketiketten (RFID - Radio Frequency Identification) in großen Mengen von der Rolle kommen. Diese bestehen aus gedruckten polymerelektronischen Komponenten, die auf einer folienbasierten Antenne angebracht werden.

          Plastikelektronik - gerollt, gebogen oder geknickt

          Schon heute bietet das Chemnitzer Unternehmen Printed Systems in Kooperation mit einem Spielkartenhersteller das Sammelkartenspiel "Hurra Fußball" an. In diesen Sammelkarten befindet sich Elektronik, die von einem Lesegerät gelesen werden kann und mit denen nicht nur händisch, sondern auch über das Internet ein Fußballspiel simuliert werden kann.

          Die Beispiele haben eines gemeinsam: Sie basieren auf organischer Elektronik. Diese - banal ausgedrückt - Plastikelektronik ermöglicht die Herstellung kostengünstiger, flexibler und großflächiger Elektronikbauelemente. Sie können gebogen, gerollt oder geknickt werden und unterscheiden sich damit wesentlich von der seit Jahrzehnten etablierten Siliziumelektronik, die im Gegensatz zu den formbaren Kunststoffen von kristalliner Struktur und daher starr sind.

          Neue Anwendungsfelder für Elektronik

          Mit der organischen Elektronik können völlig neue Anwendungsfelder erschlossen werden, die mit der Siliziumtechnik entweder gar nicht machbar oder viel zu teuer sind. Intelligente Verpackungen, RFID, flexible - also biegsame - Displays oder Tastaturen, Einweg-Diagnosegeräte, aufrollbare Solarzellen oder Sensoren etwa als Hautpflaster zur Messung der Oberflächenfeuchtigkeit sind nur einige Beispiele einer Technik, die auf elektrisch leitfähigen und halbleitenden Kunststoffen aufbauen. Anwendung kann sie nicht nur in der Nahrungsmittelindustrie finden, sondern auch in der Medizin oder in der Sicherheit - etwa für Zugangskontrollen oder für Ausweise.

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