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Oliver Samwer im Interview : „Wir sind nicht in einer Internet-Blase“

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Private Equity im Pulli: Oliver Samwer Bild: Christina Pahnke - F.A.Z.

Investor Oliver Samwer erzählt im Interview über die Blüte des Web 2.0, über junge Millionäre und warum sich das Desaster der New Economy nicht wiederholen wird.

          5 Min.

          Investor Oliver Samwer erzählt im Interview über die Blüte des Web 2.0, über junge Millionäre und warum sich das Desaster der New Economy nicht wiederholen wird.

          Herr Samwer, Sie sind gemeinsam mit Ihren beiden Brüdern an mindestens 15 jungen Internetfirmen beteiligt. Woher haben Sie das Geld?

          Wir haben 1999 die Auktionsseite Alando gegründet, die Ebay gekauft und daraus seine Deutschland-Tochter gemacht hat. Später haben wir Jamba gegründet, eine Firma, die Unterhaltung auf dem Handy anbietet, zum Beispiel Klingeltöne und Spiele. Auch sie haben wir verkauft. Jetzt helfen wir anderen Gründern. Nicht nur mit Geld, sondern vor allem auch, indem wir sie beim Aufbau ihres Unternehmens beraten. Darauf kommt es nämlich am meisten an.

          Beraten Sie mich: Wie werde ich im Web 2.0 reich?

          Das ist die falsche Frage. Erst mal müssen Sie klären: Wollen Sie Unternehmer werden? Sind Sie bereit, erst mal kein Geld zu verdienen und sich um alles selbst zu kümmern? Und worauf haben Sie am meisten Lust? Ist es wirklich das Internet oder vielleicht doch eine eigene Fluggesellschaft?

          Ich will eine Internetfirma gründen. Mit welcher Geschäftsidee habe ich da die größten Chancen?

          Meine Brüder und ich glauben, dass bei Online-Spielen viel passieren wird. Denn die Kunden sind bereit, dafür zu zahlen. Man könnte auch mit Werbung Geld verdienen, aber das ist schwieriger: Dafür braucht man eine sehr klare Zielgruppe. Wir glauben auch weiter an Netzwerkseiten . . .

          . . . obwohl es davon schon Hunderte gibt?

          Es bringt nichts, noch ein neues Netzwerk für Studenten wie das StudiVZ aufzubauen. Wir glauben an Netzwerke in Nischen, zum Beispiel für Privatinvestoren: Da zeigt man sein Depot öffentlich, auf anonymer Basis. Andere Leute können hineinschauen und sich an den besten Depots orientieren.

          Wenn ich so eine gute Geschäftsidee habe, wie komme ich an Geld aus Ihrem Gründerfonds?

          Per E-Mail, da muss gar keine große Powerpoint-Präsentation rein. Wir sind nicht so businessplanorientiert. Aber wir nehmen die Leute nur, wenn wir glauben, dass sie auf Dauer im Internet bleiben - auch wenn das wieder aus der Mode ist.

          Aber ich will aussteigen, bevor die Blase platzt.

          Wir sind nicht in einer Blase, sondern in einer aggressiven Wachstumsphase. Das ist anders als 1999/2000: Damals war es beliebter, ein Internet-Start-up zu gründen, als ins Investmentbanking zu gehen. Die Leute, die heute Web 2.0 machen, wollen primär ein Internetunternehmen gründen.

          Das hilft nichts, wenn das Internet aus der Mode ist und meine Firma nur noch Verluste schreibt.

          Meine Brüder und ich investieren nur in Gründungen, die auch noch in zwei oder drei Jahren leben, wenn das Internet wieder schlechter bewertet wird. Und wir wollen mit möglichst wenig Geld auskommen. Dann muss nicht jede Firma für 250 Millionen verkauft werden. Sondern sie bringt uns auch Geld, wenn sie nur fünf Millionen wert ist. Und der Gründer wird trotzdem Millionär - so, wie Sie sich das wünschen.

          Wie viele von den Firmen, an denen Sie beteiligt sind, gibt es in fünf Jahren noch?

          Wir werden 95 Prozent unserer Firmen erfolgreich verkaufen oder an die Börse bringen. Das geht so: Wenn ein Geschäftsmodell schlecht läuft, dann schauen wir uns rechtzeitig nach anderen Geschäftsmodellen oder nach einem anderen Fokus für das Unternehmen um. Dieses Prinzip funktioniert aber nur, wenn wir bei den Start-ups früh genug dabei sind. So früh, dass wir mit am Geschäftsmodell feilen können.

          Schauen wir nicht auf Ihre Einnahmen aus dem Verkauf, sondern auf die Unternehmen. Wie viele davon gibt es in fünf Jahren noch?

          Das hängt davon ab, wie sie nach dem Verkauf gemanagt werden. Wichtig ist, dass der Käufer den Gründern ihre Freiheit lässt. Er darf nicht versuchen, sie in alle seine Reglementierungen und Reporting-Strukturen einzubauen. Dann glaube ich, dass 80 bis 90 Prozent der Firmen erfolgreich werden. Das Studenten-Netzwerk StudiVZ zum Beispiel, das wir gerade verkauft haben, wird es auch noch in fünf Jahren geben.

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