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Offene W-Lan-Netze : Freies Internet für alle

Wo ist jetzt das Netz? Zwei Touristinnen auf dem Römerberg in Frankfurt. Bild: dpa

In großen Städten können sich die Menschen bald über offene W-Lan-Netze überall ins Internet einwählen. Das klingt zu schön, um wahr zu sein.

          Für Frankfurt war es ein schöner Tag. Stadtrat Jan Schneider war extra gekommen, um den Fortschritt zu verkünden. Selbst das Hessische Wirtschaftsministerium schickte vergangene Woche einen Vertreter für den Startschuss des großen Projekts in die Bankenstadt: Denn jetzt endlich gibt es kostenloses W-Lan, die Kurzform für „Wireless Local Area Network“, in der Stadt. Seit Anfang August können sich die Menschen an mehreren Hotspots mit Smartphone oder Tabletcomputer ins Internet einwählen und stundenlang schnell (und möglichst sicher) surfen: E-Mails beantworten, Zeitung lesen, online Musik hören. Und das nicht nur in Frankfurt (da ist man nur besonders weit), sondern auch in vielen anderen Städten.

          Corinna Budras

          Redakteurin in der Wirtschaft und für Frankfurter Allgemeine Einspruch.

          Deutschland will nicht mehr W-Lan-Wüste sein, wie es sonst immer so unschmeichelhaft heißt, auch im Juli noch in dieser Zeitung. Das Land will bieten, was viele andere Industrienationen schon zu bieten haben, meist unter dem Namen Wifi. In Südkorea, Japan, den Vereinigten Staaten oder auch Skandinavien sind solche Netze fast schon flächendeckend zu finden: in Straßenbahnen und Bussen, auf den wichtigsten Plätzen der Stadt, in Cafés, am Flughafen und in Bahnhöfen sowieso.

          Allein: Die W-Lanisierung Deutschlands, wie das die Anbieter nennen, schreitet schleppend voran, sehr schleppend. Das kann man in Frankfurt besonders gut sehen. Immerhin hat man dort mit Jan Schneider (Jahrgang 1981) einen Stadtrat, der für die städtische IT und das E-Government eigens zuständig ist. Das klingt nach einem großen Anliegen. Und Schneider hat nun monatelang mit dem Kabelbetreiber Unitymedia verhandelt, um an verschiedenen öffentlichen Plätzen Frankfurtern und Touristen das kostenlose Surfen im Internet zu ermöglichen.

          Funktioniert bestens, allerdings ohne Verschlüsselung

          Zwanzig graue Kästen, genauer gesagt: „Zugangspunkte“, hat das Unternehmen in der Innenstadt installiert. Von dort aus kann sich jeder mit seinem Smartphone einwählen. Er muss nur seine Handynummer registrieren lassen, dann schickt ihm Unitymedia ein Passwort zu. Sobald dies eingegeben ist, steht dem grenzenlosen Surfvergnügen nichts mehr entgegen. Das funktioniert bestens, jedenfalls solange man keinen Wert darauf legt, die Verbindung zwischen Smartphone und Kasten verschlüsseln zu lassen (was allerdings ratsam wäre). Einen verschlüsselten Zugang bietet das Unternehmen jetzt zwar schon an, aber diese Nutzung ist wesentlich komplizierter. Dazu muss man zunächst mehrere Einstellungen in seinem Smartphone ändern, erst dann kann es losgehen. Hat man sich allerdings einmal angemeldet, ist die Nutzung denkbar einfach.

          Ein Hotspot-Schild am Flughafen Münster-Osnabrück

          Klingt zu schön, um wahr zu sein? Ist es auch. Jedenfalls wenn man es nach der Anmeldung wagt, sich außerhalb des 100-Meter-Radius zu bewegen, den diese grauen Kästen abdecken können. Vielleicht noch 150 Meter, aber mehr ist nicht drin. Dann wird die Internetverbindung schlagartig getrennt, und alles ist so, wie es schon immer war: Der Empfang ist schlecht, es dauert eine ganze Ewigkeit, bis sich Internetseiten aufbauen. Von Online-Streaming-Diensten sollte man lieber ganz die Finger lassen, das nervt nur.

          Deshalb darf es bei diesen zwanzig Hotspots nicht bleiben, es müssen unzählige werden. Am besten sollten sie alle im Abstand von maximal 100 Meter voneinander stehen, damit es eine Komplettabdeckung gibt. Die Lücken könnten zum Beispiel die umliegenden Läden und Cafés schließen. Auch dafür hat Unitymedia schon eine Lösung parat, die sich „Powerspot“ nennt. Anders als die Nutzer auf der Straße müssten diese Läden Unitymedia natürlich bezahlen. Dafür können diese dann ihren Kunden auch einen ganz besonderen Service bieten: offenes W-Lan eben. Ihre Zugangsseite dazu können Cafébesitzer ganz frei gestalten, zum Beispiel mit dem Angebot des Tages. So käme eins zum anderen, und bald könnte sich ein lückenloses Netz über die Stadt legen, das alle beglückt.

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