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Offene W-Lan-Netze : Freies Internet für alle

W-Lan kommt hierzulande nur langsam voran

So weit sind wir zwar noch lange nicht. Aber weder Stadtrat Schneider noch die fröhlichen Mitarbeiter von Unitymedia lassen sich bei ihrem Startschuss durch solche mühseligen Aussichten die Stimmung verhageln. Denn sie haben wahrhaft Großes vor. Frankfurt ist erst der Anfang, bis zum Ende des Jahres sollen noch hundert Städte hinzukommen, zumindest in den drei Bundesländern, die zum Herrschaftsbereich von Unitymedia gehören: Hessen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Für andere Städte sind andere Kabelbetreiber zuständig: In Bremen hat zum Beispiel Kabel Deutschland Ähnliches aufgezogen.

W-Lan kommt in Deutschland nur sehr langsam voran – ganz anders als in vielen Ländern. Das hat viele Gründe, vor allen Dingen rechtliche. Denn derzeit hat eigentlich keine Privatperson etwas davon, ihr W-Lan-Netz zu Hause oder über ihr Handy zu teilen – außer Ärger. Denn sie trägt die Verantwortung dafür, dass niemand über sein Netz illegal Videos oder Musik herunterlädt. Deshalb verschließt man sein Netz lieber mit einem Passwort und lässt niemanden rein. Dann steht auch nicht der Staatsanwalt vor der Tür, wenn Produktionsfirmen solche Verstöße melden.

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Das ist der Grund, warum man mit seinem Smartphone durch die Stadt laufen kann, unzählige W-Lan-Netze angezeigt bekommt und doch keins benutzen kann. Nur einige tausend Idealisten, auch Freifunker genannt, haben sich zu vielen kleinen Netzen zusammengeschlossen, um ihre Infrastruktur dem Gemeinwohl zur Verfügung zu stellen. Von den insgesamt nur etwa 15000 frei zugänglichen Netzen in Deutschland stammen zwei Drittel von der Freifunk-Initiative, dabei ist das kostenlose W-Lan nur ein Randprodukt ihrer Vernetzung.

Auch die Deutsche Telekom stellt einen beträchtlichen Teil, allerdings nicht gerade aus Nächstenliebe. Sie betreibt die Netze von Flughäfen, McDonald’s und der Deutschen Bahn, die ihren Kunden diese Dienste mal kostenlos, mal kostenpflichtig zur Verfügung stellen. Auch dort läuft es nicht rund. Gerade häufen sich die Beschwerden, dass das W-Lan-Netz in den ICE-Zügen überlastet ist. Inzwischen wollen einfach zu viele Menschen diesen Service nutzen. Dabei ist er nur in der ersten Klasse kostenlos. In der zweiten Klasse müssen die Kunden extra für ihren Zugang zahlen.

Deutschland sieht rückständig aus

Das ist das zerklüftete Bild, das sich derzeit ergibt und das Deutschland so rückständig aussehen lässt. In anderen Ländern ist das anders, deshalb ist dort das W-Lan-Netz viel dichter als bei uns. Und deshalb ist es ein solch mühseliges Geschäft, es hier auszurollen.

Stadtrat Schneider freut sich trotzdem, durch das neue offene W-Lan-Angebot die Attraktivität der „Messemetropole Frankfurt“ weiter steigern zu können. Sicherlich, in München gebe es auch schon offenes W-Lan, räumt er ein, aber auch das ist alles andere als flächendeckend zu nennen. Außerdem steckt dort die Stadt München über ihre Stadtwerke viel Geld in die Infrastruktur. Stadtrat Schneider hingegen ist stolz darauf, dass Frankfurt keinen Cent für diesen Dienst am Bürger lockermachen muss. Das überlässt er lieber dem freien Spiel der Märkte.

Dies scheint auch zu klappen, jedenfalls stellt Unitymedia seine Infrastruktur zur Verfügung. Die zwanzig Hotspots zu installieren kostet Geld, wie viel will Unitymedia nicht sagen. Nun ist ein privatwirtschaftlich handelndes Unternehmen kein sozialer Verein, weshalb die Vermutung naheliegt, dass die Kunden im Zweifel mit der wichtigsten Währung des Internetzeitalters bezahlen – ihren Daten.

Die beschränkten sich allerdings ohnehin nur auf die Handynummer, sagt Matthias Emmermann, bei Unitymedia verantwortlich für „Business Development Wifi“. Die dabei anfallenden Daten würden nicht ausgewertet und nur innerhalb der gesetzlichen Fristen gespeichert, versichert er. Das sei nun einmal nötig, damit bei möglichen illegalen Downloads die Staatsanwaltschaft auch weiß, an wen sie sich zu wenden hat. Außerdem lässt sich ja durch die Kooperation mit den Läden Geld verdienen.

Der Nutzer, so viel ist jedenfalls klar, muss keinen Cent für diesen Service ausgeben. Er kann mit einer Geschwindigkeit von 10 Megabit je Sekunde surfen, so lange, bis das Tageslimit von 100 Megabyte verbraucht ist. Danach geht es für den Rest des Tages wesentlich langsamer weiter. Aber das ist doch schon mal ein guter Anfang.

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