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Nokia mit Microsoft : Elop und Ballmer - ein Pakt der Verzweifelten

Nokia-Chef Stephen Elop (links) mit Microsoft-Chef Steve Ballmer Bild: AFP

„Nokia + Microsoft. Here we go!“ Das ist der Marketing-Schlachtruf zur neuen Kooperation des Handy-Weltmarktführers mit dem Betriebssystem-Weltmarktführer. Doch der demonstrative Händedruck der Firmenchefs ist noch kein Erfolgsgarant.

          3 Min.

          Sie wissen um die Symbolhaftigkeit dieses Augenblicks. Nach jeweils sechsminütigen Ausführungen auf Nokias „Strategy and Financial Briefing“ in London posieren Stephen Elop und Steve Ballmer händeschüttelnd vor den Fotografen, lassen sich gerne dirigieren. Hauptsache, der Eindruck setzt sich fest: Hier treffen sich zwei, die künftig sehr gut und sehr erfolgreich zusammenarbeiten. Und damit es auch keiner verpasst, jubelt die Homepage des Handy-Herstellers: „Nokia + Microsoft. Here we go!“ Frei übersetzt: Auf geht‘s.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Was die neue Kooperation tatsächlich bringt und vor allem wem, wird an diesem Tag kontrovers diskutiert. Von einem Pakt der Verzweiflung ist die Rede. Für den Microsoft-Vorstandsvorsitzenden Ballmer ist die Allianz mit Nokia ein Coup, auch wenn sie ein Stück weit den Anschein einer Verzweiflungstat hat. Unter Ballmers Führung ist Microsoft in den vergangenen Jahren im Handygeschäft auf dem Weg in die Irrelevanz gewesen, und das im Herbst eingeführte neue Betriebssystem Windows Phone 7 hat offenbar bislang nicht die erhoffte Resonanz gefunden, um dem Konzern ein Comeback aus eigener Kraft zu ermöglichen.

          Ballmer hat den Handlungsdruck gespürt: Der Verwaltungsrat von Microsoft hat ihm die Erfolglosigkeit im Handygeschäft angekreidet, als es um die Festlegung seines Bonus für das vergangene Geschäftsjahr ging. Microsoft gewährte Ballmer nur die Hälfte des erreichbaren Bonus, und hat dies unter anderem mit dem Verlust von Marktanteilen im Mobiltelefonmarkt sowie mit dem Debakel um das im vergangenen Jahr schon nach kurzer Zeit wieder eingestampfte Handymodell „Kin“ begründet.

          Bild: F.A.Z.

          Der durchschlagende Erfolg scheint auszubleiben

          Die Schwäche von Microsoft im Handygeschäft ist eine persönliche Blamage für den 54 Jahre alten Ballmer, denn er hat sich eine führende Position in dem Markt entgleiten lassen. Microsoft gehörte zu den frühen Anbietern von Software für internetfähige Mobiltelefone oder Smartphones, hat sich dann aber von einem Anbieter nach dem anderen überrunden lassen. Erst Research in Motion mit dem Blackberry, dann Apple mit dem iPhone und zuletzt der Internetkonzern Google mit seinem Handy-Betriebssystem Android. Während die Wettbewerber ein hohes Innovationstempo vorlegten, ließ Microsoft mit einer Rundumerneuerung seiner Software auf sich warten. Ballmer gab selbst in einem Interview zu: „Man könnte sagen, wir haben einen Zyklus verpasst.“

          Umso größer war der Druck, mit Windows Phone 7 einen großen Wurf zu landen. Die neue Software bekam in der Fachwelt durchaus freundliche Kritiken, und Microsoft gewann eine Reihe von Partnern unter Handyherstellern, die das System in ihre Geräte einbauten. Aber der durchschlagende Erfolg scheint bislang auszubleiben. Auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas im Januar klang Ballmer fast etwas resigniert, als er in einer Rede über Windows Phone 7 sprach. Er beschwor, wie zufrieden Nutzer von Handys mit Windows Phone 7 sind, wenn sie es erst einmal haben. Gleichzeitig ließ er aber durchblicken, dass es eine große Herausforderung ist, überhaupt das Interesse bei den Verbrauchern zu wecken und sie dazu zu bewegen, ein Smartphone mit Microsoft-Software in die Hand zu nehmen.

          Ein Manager des Handy-Herstellers und Microsoft-Partners LG deutete kürzlich an, dass die Geräte mit Windows Phone 7 sich nicht gut verkaufen. Microsoft selbst hat bislang nur gesagt, seit der Einführung seien zwei Millionen Handys mit der neuen Software in die Läden gekommen, was nichts darüber aussagt, wie viele tatsächlich von Verbrauchern gekauft worden sind.

          Der Handy-Weltmarktführer will gegensteuern

          Nun versucht es Ballmer also mit der Brechstange: Die Allianz mit Nokia wird Microsoft von seiner momentanen Statistenrolle in die erste Liga im Handygeschäft katapultieren. Ein ähnliches Manöver hat Ballmer vor eineinhalb Jahren schon einmal im Geschäft mit der Internetsuche gewagt, wo Microsoft ebenfalls aus eigener Kraft kaum voran kam. Ballmer schmiedete eine Allianz mit dem Wettbewerber Yahoo, der seither die Microsoft-Suchmaschine Bing auf seiner Seite einsetzt. Auch hier war ein Ziel, Boden gegenüber Google gutzumachen. Microsoft hat mit der Yahoo-Partnerschaft Marktanteile gewonnen, aber der finanzielle Erfolg muss sich noch einstellen. Die Internetsparte des Unternehmens bleibt bislang hochdefizitär.

          Was die vereinbarte Kooperation für Nokia bringt, daran lässt Konzernchef Stephen Elop keine Zweifel aufkommen. Der Handy-Weltmarktführer will gegensteuern, bevor er nicht mehr Handy-Weltmarktführer ist. Elop hätte auch eine Kooperation mit Google und dessen sehr erfolgreichem Betriebssystem Android eingehen können. Aber der gebürtige Kanadier fühlt sich dem Windows-Konzern näher als dem Suchmaschinenanbieter.

          Vor seinem Start bei Nokia im September 2010 war Elop gut zwei Jahre für die Geschäftskundensparte zuständig (und dabei unter anderem für das Bürosoftwarepaket „Office“). Als erster Ausländer an der Spitze Nokias versucht er jetzt den drastischen Schwenk – und muss erkennen, dass nicht nur die Konkurrenz Probleme macht, sondern auch die eigenen Leute: Kurz nach Bekanntgabe seiner neuen Strategie legten 1000 Mitarbeiter des finnischen Unternehmens die Arbeit nieder. Elop hatte unter anderem Stellenstreichungen angekündigt.

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