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Digitalkonferenz SXSW : Wird Peter Thiel in seiner neuen Rolle glücklich?

Nick Denton in Austin Bild: AFP

Nick Denton hat dem Investor und Berater von Donald Trump den Untergang seines Blog-Imperiums zu verdanken. Jetzt äußert er neue Zweifel an Thiel – und kritisiert ein prominentes Medium.

          Peter Thiel ist in jüngster Zeit vor allem als Berater von Donald Trump aufgefallen. Der deutschstämmige Investor, der mit seiner Beteiligung am sozialen Netzwerk Facebook viel Geld verdient hat, hat Trump schon im Wahlkampf öffentlich unterstützt und damit im Silicon Valley für einige Verwunderung gesorgt. Daneben hat er sich aber noch in anderer Weise in die Schlagzeilen manövriert. Er hat eine Klage gegen das Klatschportal Gawker finanziert, der mit ihm eigentlich gar nichts zu tun hatte. Den Rechtsstreit hat Gawker nicht überlebt. Thiel hat also seinen Reichtum mit Erfolg ausgespielt, und seine Nähe zu Trump gibt ihm nun auch noch politischen Einfluss. Gawker-Gründer Nick Denton sagte auf der „South by Southwest“: „Thiel ist jetzt einer der mächtigsten Menschen im ganzen Land. Es ist wahrscheinlich unklug, sich im Moment mit ihm anzulegen.“

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Das Festival in Austin war einer der ersten Auftritte Dentons seit seiner öffentlichkeitswirksamen Auseinandersetzung mit Thiel. Die Animositäten, die der Investor gegen Denton hegt, reichen lange zurück. Eine zu Gawker gehörende Publikation hatte ihn im Jahr 2007 als homosexuell geoutet, mit der reißerischen Überschrift: „Peter Thiel ist total schwul, Leute.“ Seither war Gawker Thiel ein Dorn im Auge, er hat das Portal sogar mit Al Qaida verglichen. Er sah eine Chance, es Gawker heimzuzahlen, als sich das Portal einen juristischen Streit mit dem Wrestler Hulk Hogan lieferte. Gawker hat 2012 ein Sex-Video von Hogan veröffentlicht und wurde von ihm verklagt. Hogan wollte Schadenersatz und bekam vor rund einem Jahr 140 Millionen Dollar zugesprochen. Wie sich später herausstellte, hat Thiel Hogans Klage finanziert. Der Investor gab das selbst zu und nannte es eine „wohltätige Sache“, weil Gawker das Leben von Menschen „ohne jeden Grund“ ruiniert habe. Denton ließ sich am Ende auf einen Vergleich zu einer niedrigeren Summe ein, aber er sah sich gezwungen, sein Unternehmen zu verkaufen, und die Publikation Gawker selbst stellte den Betrieb ein.

          Berüchtigt für krawallige Enthüllungsgeschichten

          Denton sagte in Austin, er habe erst recht spät erfahren, dass Hogan einen Multimilliardär im Rücken hat, der seinen Rechtsstreit finanziert. Ihm sei die Auseinandersetzung aber schon vorher verdächtig vorgekommen, zum Beispiel weil sich Hogan beharrlich weigerte, einen Vergleich auszuhandeln. Die Auseinandersetzung habe sich daher immer weiter in die Länge gezogen, und sie habe Gawker eine Million Dollar im Monat gekostet. Hogan selbst musste sich derweil wegen seines reichen Gönners keine Sorgen um die Kosten des Streits machen.

          Kritiker sahen in Thiels Aktion einen rachsüchtigen Eingriff in die Pressefreiheit. Freilich weinte auch jenseits von Thiel bei weitem nicht jeder Gawker hinterher. Die Seite war berüchtigt für krawallige Enthüllungsgeschichten aus dem Privatleben Prominenter. Denton gab in Austin zu, die Veröffentlichung des Hogan-Videos sei „nahe an der Grenze“ und „gewiss nicht die großartigste Geschichte“ gewesen. Seine Politik bei Gawker sei es eigentlich immer gewesen, niemanden ohne jeden Sinn der Lächerlichkeit preiszugeben. Zwar sehe er in gewisser Weise sogar eine Botschaft in der Publikation des Videos, nämlich dass sie die Besessenheit der Öffentlichkeit mit dem Privatleben Prominenter reflektiere. Aber um dies herüberzubringen, wäre es wohl besser gewesen, den Lesern „etwas mehr Text und etwas weniger Video“ zu präsentieren.

          Thiel jetzt eine „nationale Figur“

          Thiels Geldspritzen für Hogan unterstreichen nach Dentons Darstellung ein Ungleichgewicht. Früher seien Medien dank glänzender Werbeeinnahmen in ihrer Finanzkraft oft mit den Objekten ihrer Berichterstattung auf Augenhöhe gewesen. Das sei aber heute nicht mehr der Fall, weshalb es schwieriger für sie geworden sei, Rechtsstreitigkeiten zu bezahlen. Umso dringlicher sei es für sie, wieder ein Geschäftsmodell zu finden, das solide Gewinne abwirft. Er sieht es auch nicht als Lösung, nach einem finanzkräftigen Käufer zu suchen, wie es zum Beispiel die „Washington Post“ getan hat, die vor einigen Jahren vom Jeff Bezos übernommen wurde, dem Gründer und Vorstandschef des Online-Händlers Amazon. Das bringe neue Abhängigkeiten mit sich, die sich auf die Berichterstattung auswirken könnten. Etwa im Fall der „Washington Post“, wenn es unschmeichelhafte Dinge über Amazon zu sagen gebe.

          Denton hat seinen persönlichen Kampf gegen Thiel verloren. Aber er meldete in Austin Zweifel an, ob der Investor mit seiner neuen Rolle im Dunstkreis von Trump am Ende glücklich wird. Mit seinem Engagement für Trump habe er sich zu einer „nationalen Figur“ gemacht. Deshalb sei er sehr verwundbar, wenn es einmal zu einer politischen Gegenreaktion auf die gegenwärtigen Verhältnisse komme.

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