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Neues AMD-Werk : Von Dresden aus gegen Intel

  • Aktualisiert am

Made in Germany Bild: dpa/dpaweb

Der amerikanische Konzern Advanced Micro Devices hat in Dresden seine zweite Chipfabrik eröffnet - mit 2,5 Milliarden Dollar eine der größten ausländischen Investitionen in den neuen Ländern.

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          Im Beisein des scheidenden Bundeskanzlers Gerhard Schröder ist an diesem Freitag das zweite Dresdner Werk des amerikanischen Halbleiterherstellers Advanced Micro Devices (AMD) eingeweiht worden. Das Unternehmen hat für den Betrieb in der sächsischen Landeshauptstadt rund 2,4 Milliarden Dollar investiert. Für die Fabrik erhielt AMD eine halbe Milliarde Dollar Subventionen.

          Schröder sagte bei seiner Rede während der Einweihungsfeier, die Investition zeige, daß Deutschland „ein attraktiver Standort für Spitzeninvestitionen aus aller Welt“ sei. Außerdem beweise der Neubau die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft in Ostdeutschland gerade im Bereich der modernen Technologien. Schröder hob hervor, daß die Bundesregierung und das Land Sachsen mit einer Bürgschaft in Höhe von über einer halbe Milliarde Euro die AMD-Investition mit ermöglicht hätten.

          Schröder hat Investoren aus dem Ausland auch nach dem Regierungswechsel in Berlin die volle Unterstützung der Bundesregierung zugesagt. „Sie können sich darauf verlassen, daß die neue Bundesregierung mit dem gleichen Engagement dafür sorgen wird, daß in Deutschland Investitionen stattfinden können.“

          Mit der Inbetriebnahme kann Dresden seinen Ruf als wichtiges Zentrum der europäischen Chip-Industrie festigen. In der neuen Fabrik sollen Prozessoren der neuesten Generation entwickelt und auf Basis von 300-Millimeter-Siliziumscheiben (Wafern) hergestellt werden. AMD betreibt in Dresden bereits ein Chipwerk und beschäftigt dort rund 2700 Mitarbeiter. In Deutschland ist der Konzern damit einer der größten internationalen Investoren überhaupt.

          Rennen um die leistungsstärksten Chips

          AMD-Konzernchef Hector Ruiz hatte erklärt, daß mit dem zweiten Werk die Kapazitäten bei der Fertigung von Mikroprozessoren stark ausgebaut werden sollten. Tatsächlich will der Konzern mit Sitz im kalifornischen Sunnyvale dem Rivalen Intel von Sachsen aus weitere Marktanteile abjagen. Beide Konzerne liefern sich seit Jahren ein Rennen um die leistungsstärkeren Chips. Andererseits geht der Konzern aus Kalifornien auch juristisch gegen Intel vor. AMD behauptet, Intel binde die Kunden durch Drohungen und Rabatte an sich (siehe: AMD attackiert Intel mit Kartellklage).

          AMD ist als Prozessorhersteller für die Computertechnik der einzige große Konkurrent von Intel und hat nach eigenen Angaben bei Microsoft-kompatiblen Prozessoren seinen weltweiten Marktanteil auf zuletzt knapp 20 Prozent gesteigert.

          Die Region rund um Dresden gilt mittlerweile als der führende Mikroelektronikstandort Europas. Allein die fünf größten Unternehmen Infineon, AMD, ZMD, AMTC und Photronics beschäftigen hier knapp 8000 Mitarbeiter, in ganz Sachsen sind in der IT-Branche offiziellen Angaben zufolge mehr als 22.000 Menschen in Lohn und Brot. Angesichts der enorm hohen Entwicklungskosten setzen die Firmen zunehmend auf Kooperation. Erst Mitte des Jahres hatte AMD gemeinsam mit dem Speicherchiphersteller Infineon und der Fraunhofer-Gesellschaft ein Forschungszentrum für Nanoelektronik gegründet, in dem Grundlagen für künftige Chipgenerationen ermittelt werden sollen.

          Dresden im Rennen um drittes Werk

          Am Rande der Eröffnung wurde bereits über ein drittes AMD-Werk in Dresden spekuliert. Nach Angaben von Konzernchef Ruiz ist noch keine Entscheidung gefallen. Dresden werde aber „mit ins Rennen gehen“. Ruiz zufolge wächst der Chipmarkt weltweit jährlich um 10 bis 15 Prozent. Derzeit habe AMD einen Marktanteil von zehn Prozent. „Wir haben die Möglichkeit, mehr Anteil zu bekommen. Das bedeutet für die Produktion sehr viel.“ Vor diesem Hintergrund werde die Entscheidung zur Ausweitung der Kapazität nach 2008 fallen.

          Daß sich Dresden nochmals gegen konkurrierende Standorte durchsetzen könnte, ist nicht abwegig. Ruiz hat den Standort mehrfach in höchsten Tönen gelobt. Bislang habe die Fertigung die Ziele immer übertroffen, das Engagement der Mitarbeiter, deren Ausbildung und die Nähe zu Forschungseinrichtungen seien vortrefflich, sagte er.

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