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Google-Roboter Atlas : Ein Stehaufmännchen für die neue Arbeitswelt

  • Aktualisiert am

Ist fleißig und meckert nicht: Google-Roboter „Atlas“ Bild: Youtube/ Boston Dynamics

Er räumt Pakete ein und steht auf, wenn er umgestoßen wird: Der neue Google-Roboter Atlas ist uns Menschen sehr ähnlich. Nimmt er uns bald die Arbeitsplätze weg? Und müssen wir Angst vor ihm haben?

          Er kann Türen öffnen, über Hügel spazieren und durch den Schnee stapfen. Er kann Gegenstände finden, hochheben und wegräumen. Er strauchelt nicht, er stolpert nicht und er ist nicht zu stoppen, noch nicht einmal mit Gewalt: Wer ihn umstößt und zu Fall bringt, muss damit rechnen, dass er in aller Seelenruhe wieder aufsteht - und einfach weitermacht mit seiner Arbeit.

          „Atlas“ heißt der genügsame Kerl und er ist kein Mensch, sondern ein humanoider Roboter, also ein Roboter mit zwei Armen und zwei Beinen, dessen Art, sich durch den Raum zu bewegen dem Menschen nachempfunden ist. Die Fachwelt spricht auch von einer „Laufdrohne“. An diesem Donnerstag ist Atlas der Hit in den sozialen Medien, denn seine Schöpfer aus dem Unternehmen „Boston Dynamics“, einer Tochtergesellschaft von Google, haben ein Video über die neueste Version von „Atlas“ online gestellt. Darin ist zu sehen, was der Roboter so alles kann. Und das ist deutlich mehr, als seine Vorgänger drauf hatten!

          Das Filmchen zeigt, wie Atlas aus einer Halle hinausgeht ins Freie, dabei selbständig eine Tür öffnet und sich fortan durch die verschneite Landschaft bewegt. In einer anderen Einstellung räumt der Roboter 10 Pfund schwere Pakete in ein Regal ein. Ein Mensch macht ihm diese Aufgabe zunehmend schwerer, indem er die Pakete mit einem Hockeyschläger in andere Ecken des Raumes verschiebt und zeigt, dass Atlas sie dennoch mühelos finden kann. Am Ende des Videos stößt der Mensch den Roboter mit dem Hockeyschläger gewaltsam um, so dass er der Länge nach hinfällt. Kein Problem für Atlas: Langsam und gemächlich richtet er sich aus dem Liegen auf, geht zunächst auf die Knie und kommt anschließend zurück in den Stand.

          Nimmt er uns unsere Arbeitsplätze weg?

          Die Demonstration ist deshalb so beeindruckend, weil sie zeigt, dass der Roboter selbständig auf sich verändernde Umweltbedingungen reagieren kann. Und weil sie illustriert, wie Laufdrohnen künftig die Arbeitswelt verändern könnten. Denn Atlas bewegt sich drinnen wie draußen, er überwindet Hindernisse, er passt sich Veränderungen an. So zeigt er ganz plastisch, dass er nicht länger für standardisierte Abläufe, etwa am Fließband eingesetzt werden muss, sondern dass Roboter auch ganz andere Aufgaben übernehmen können. Zum Beispiel eben Pakete in Regale einräumen. Die Frage, ob Atlas und seine Kollegen künftig Menschen die Arbeitsplätze wegnehmen werden, ist akademisch schon viel diskutiert worden. Doch so bildlich präsent, wie in dem Boston-Dynamics-Video ist sie selten zuvor geworden.

          Entsprechend überschlagen sich die Reaktionen auf Twitter unter dem Hashtag #Bostondynamics. „Gruselig oder genial?“, fragt dort etwa ein Nutzer. „Regale einräumen bei Edeka als Job hat sich damit dann auch erledigt“, stellt ein anderer fest. Manche Reaktionen sind auch skeptisch: „Wo führt das hin“, twittert ein Nutzer. „Etwas sträubt sich in mir...“ Ein anderer macht es noch plastischer. „I felt bad, when it was pushed over“, schreibt er. „One day, it will hit back.“ - „Ich fühlte mich schlecht, als er umgestoßen wurde. Eines Tages wird er zurückschlagen.“

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