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Neue Strategie : Obermann krempelt Telekom um

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Proteste: Die Mitarbeiter wehren sich gegen Obermanns Pläne Bild: dpa

Unter ihrem neuen Vorstandschef stehen der Telekom größere Umbrüche bevor. Für die Kunden arbeitet der Konzern an einer Billigmarke. Den Mitarbeitern drohen längere Arbeitszeiten und womöglich weniger Geld. Zehntausende werden ausgelagert.

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          Vor allem Fragen zur zukünftigen Strategie und Personalpolitik standen an diesem Donnerstag im Mittelpunkt, als die Deutsche Telekom ihre Jahreszahlen bekannt gab: Der Vorstandsvorsitzende René Obermann will den Konzern kräftig umkrempeln. Sowohl mit einer neuen Markenstrategie als auch durch eine Neustrukturierung des Unternehmens. Für die Mitarbeiter bedeutet das längere Arbeitszeiten und womöglich weniger Geld. Zehntausende werden ausgelagert. Für die Kunden arbeitet der Konzern unter anderem an einer Billigmarke.

          Dass Mitarbeiter in separate Service-Töchter ausgegliedert werden sollen, war bereits bekannt; der Umfang allerdings ist größer als bislang erwartet. Von der Ausgliederung betroffen seien rund 49.000 bis 50.000 Beschäftigte, sagte Obermann am Donnerstag. Bislang hatte die Telekom angekündigt, mindestens 45.000 inländische Beschäftigte der unter Kunden- und Umsatzverlust leidenden Festnetzsparte T-Com sowie eventuell von T-Mobile in drei eigenständige Gesellschaften für Kundenservice und Technik überführen.

          Für die Betroffenen sind damit Einschnitte verbunden. Mit der Initiative unter der Bezeichnung „T-Service“ will der Vorstand die Arbeitsbedingungen an das „marktübliche Niveau“ anpassen, um die Effizienz zu erhöhen und Kosten zu sparen. Unter anderem soll die Arbeitszeit von derzeit 34,5 auf 38 Stunden pro Woche erhöht werden. Medienberichten zufolge soll zudem die Bezahlung sinken. Der Aufsichtsrat hatte die Pläne bereits am Mittwoch abgesegnet. Zuvor hatten rund 13.000 Mitarbeiter in Bonn dagegen demonstriert.

          Billigmarke geplant

          Auch auf die Kunden kommen Neuerungen zu: Mit einer radikalen Vereinfachung des Markenangebots will die Telekom sie künftig besser ansprechen. Im Privatkundengeschäft würden Produkte künftig nur noch unter den Marken „T-Mobile“ und „T-Home“ angeboten, sagte Obermann bei der Bilanzpressekonferenz. Damit seien auch erhebliche Einsparungen im Marketingetat verbunden, der sich derzeit auf rund zwei Milliarden Euro weltweit beläuft. Die bisherige Mobilfunkmarke „T-Mobile“ stehe künftig für alle Angebote für unterwegs, „T-Home“ stehe für Produkte, die zu Hause genutzt werden, sagte der Konzernchef. Die kaum überschaubare Markenvielfalt stifte bisher oft Verwirrung. „Wir haben eine Markensituation, die etwas diffus ist“, räumte Obermann ein. „Das ist angesichts der hohen Werbeausgaben unbefriedigend.“

          Noch vor dem Sommer will die Telekom mit einer eigenen Billigmarke für Breitbandanschlüsse und Mobilfunk auf den Markt gehen. Die „unabhängige Zweitmarke“ solle „mit einem eigenen Auftritt, einfachen Angeboten beziehungsweise Festnetz- und Mobilfunk-Bündeln zu äußerst wettbewerbsfähigen Preisen sehr preisbewusste Kundengruppen ansprechen“.

          Expansion im internationalen Mobilfunkgeschäft

          Obermann kündigte ferner ein neues Angebot zum Internetfernsehen (IPTV) an. Zusätzlich zu dem zunächst für 50 Städte vorgesehenen VDSL-Netz-Ausbau soll IPTV auch per ADSL+ in rund 750 Städten angeboten werden. Unterschied ist im Wesentlichen, dass bei ADSL+ wegen der geringeren Übertragungsbandbreite kein hochauflösendes Fernsehen möglich ist.

          Angesichts des schwachen Inlandsgeschäfts setzt die Deutsche Telekom weiterhin im Rahmen ihrer neuen Strategie auf Expansion im internationalen Mobilfunkgeschäft. Der Konzern erwäge Übernahmen im Mobilfunk auch in Regionen, in denen er noch nicht vertreten sei, sagte Obermann. Parallel will sich der bislang auf Europa und die Vereinigten Staaten beschränkte Konzern von einer Reihe von Beteiligungen trennen.

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