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Neue Datenschutzbestimmungen : Spotify-Chef entschuldigt sich bei seinen Kunden

Musik hören - aber zu welchem Preis? Bild: dpa

Erst verkündete der Musikstreamingdienst Spotify neue Datenschutzbestimmungen, dann wendeten sich die Kunden ab - und machten ihrem Ärger im Netz Luft. Jetzt entschuldigt sich der Spotify-Chef - und versucht sich an Erklärungen.

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          Die neuen Nutzungs- und Datenschutzbestimmungen des Musikstreaming-Dienstes Spotify schlagen hohe Wellen. Viele Kunden sind empört: Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter wetterten Nutzer über die „Datengier“ des Unternehmens. „Schade Spotify. Dank eurer Datenschutz-Überarbeitung trennen sich unsere Wege wohl. Mach´s gut. Schön war´s“, schrieb ein enttäuschter Abonnent. „Okay, Spotify Germany. Ich hab euch immer gemocht. Und gerne monatlich 10 Euro gezahlt. Aber ernsthaft: Meine Fotos?! Nein“, schrieb eine anderere Nutzerin.

          Marcus Theurer
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der Ärger der Kunden entzündet sich daran, dass Spotify künftig für die Nutzung seines Dienstes nicht nur Geld sehen möchte, sondern eine Vielzahl von Kundendaten einfordert: Zugriff auf Fotos etwa oder auf Kontakte, aber auch auf Informationen aus Ortungsdiensten oder auf Sensordaten.

          Spotify versucht die Wogen zu glätten: Spotify-Gründer Daniel Ek entschuldigte sich am Freitag in seinem Blog für die „Verwirrung“, die durch die geänderten Regeln entstanden sei: „Wir hätten besser kommunizieren sollen, was diese neuen Regeln bedeuten“, schreibt er in dem Beitrag mit dem Titel “Sorry“. Man sei „hundertprozentig darauf verpflichtet, die Privatsphäre unserer Nutzer zu schützen“, versicherte Ek. Wer seine Daten nicht mit Spotify teilen wolle, brauche dies nicht zu tun. Der Anbieter will nach eigenen Angaben mit den Daten und Informationen der Kunden „neue personalisierte Angebote“ entwickeln. Ziel von Spotify sei es, seinen Kunden in möglichst vielen Alltagssituationen die jeweils passenden Musikvorschläge zu unterbreiten. So bietet der Musikdienst an, beim Joggen den Rhythmus der Musik an das Lauftempo anzupassen. Dafür braucht der Anbieter Daten darüber, wie sich der Nutzer bewegt.

          Viele Kunden hegen Misstrauen

          „Die Privatheit und die Sicherheit der Kundendaten hat für Spotify höchste Priorität und das wird auch so bleiben“, versichert das Unternehmen. Doch, die Reaktionen zeigen, dass viele  Kunden der neuen Geschäftspolitik von Spotify mit Misstrauen begegnen. Auch andere populäre Internetdienste wie Facebook, Google,  Twitter und Whatsapp stehen wegen ihres Datenhungers in der Kritik. Mit Facebook hat Spotify schon vor einigen Jahren eine Kooperation vereinbart. 

          Für Spotify kommt die Datenschutz-Debatte zu einem heiklen Zeitpunkt. Gerade hat der amerikanische Technologieriese Apple eine Offensive gegen das sehr viel kleinere Unternehmen aus Stockholm gestartet: Apple ist Weltmarktführer im digitalen Musikgeschäft und bietet neuerdings seinen eigenen Streamingdienst an. Das wissen auch die empörten Nutzer. So lassen sich auf Twitter auch Posts wie dieser lesen: „Was ist die beste Werbung für Apple Music? Die neuen Privatsphäre-Regeln von Spotify!“

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