https://www.faz.net/-gqe-rxmz

Netzwirtschaft : Computer mit Augen und Ohren

Mit RFID können Waren „sprechen” Bild: AP

Ein Datenchip steht vor dem Siegeszug: Hinter RFID versteckt sich ein Chip mit Antenne, der in einem Funkumfeld seine Daten preisgibt und ermöglicht, Objekte automatisch zu verfolgen und aufzuspüren. Metro bringt den Chip auf die Cebit.

          3 Min.

          Transportpaletten und Verpackungen, Eintrittskarten und Skipässe werden intelligent, ein bißchen jedenfalls. Sie können künftig zwar nicht selbst denken. Sie werden aber auf einem winzigen Chip Daten transportieren, die von Computern intelligent verarbeitet werden können.

          Dahinter verbirgt sich die sogenannte Radiofrequenz-Identifikation, die abgekürzt RFID-Technik genannt wird. „Mit der RFID-Technik bekommen Computer Augen und Ohren“, sagte Edgar Fleisch, Wirtschaftswissenschaftler an der Universität St. Gallen und der ETH Zürich, auf einer Informationsveranstaltung des Handelskonzerns Metro in Düsseldorf.

          Hinter RFID versteckt sich nicht nur der winzige Datenchip mit Antenne, der in einem Funkumfeld seine Daten preisgibt. Der kleine Chip ist vielmehr Bestandteil einer ganzen Computer-Systemlösung, die es ermöglicht, Objekte automatisch zu verfolgen und aufzuspüren.

          Die Waren „sprechen“ selbst

          Der große Unterschied zu früher: Informationen über bestimmte Objekte müssen im Rahmen der RFID-Technik nicht mehr manuell eingegeben oder eingescannt werden. Vielmehr „sprechen“ die Waren selbst, sie vernetzen sich mit den Systemen der Informationstechnologie sowie geben Informationen über den Preis und in welchem Zustand sie sich gerade in welcher Menge und wo befinden.

          Fleisch hat vor diesem Hintergrund die Vision eines „Internet der Dinge“, bei dem sich jedes Produkt im Internet verfolgen läßt, was zum Beispiel bei einem Produktrückruf immense Vorteile hätte.

          RFID ist trotz des futuristisch anmutenden Kürzels längst keine Zukunftsmusik mehr: Metro-Mitarbeiter brauchen dank der Nutzung der Technik für den Wareneingang pro Palette nur noch 70 statt bisher 90 Sekunden. Ein weiteres großes Einsatzfeld ist das Gesundheitswesen. Der Chiphersteller Intel, Siemens Business Services und der Computerhersteller Fujitsu Siemens haben am Klinikum Saarbrücken schon im Juli 2005 das erste RFID-Pilotprojekt in deutschen Krankenhäusern begonnen. Ziel ist es, komfortabler auf Patientendaten zuzugreifen und die Medikamenten- und Dosierungssicherheit zu erhöhen.

          Kontrolle für Skilifte, Hotelzimmer oder Discotheken

          In das Projekt werden tausend Patienten eingebunden. Die Patienten erhalten bei der Aufnahme ein Armband mit RFID-Chip, das die Patientennummer enthält. Über eigene tragbare Computer können Ärzte und Pflegepersonal diese Nummer lesen und die Patienten identifizieren. Über ein drahtloses Funknetz haben sie Zugriff auf eine Datenbank mit Details zu den Patientendaten einschließlich der verabreichten Arzneimittel.

          Das Projekt basiert auf einer RFID-Lösung, die schon im Jacobi Medical Center in New York im Einsatz ist. RFID wird außerdem schon heute in der Gepäckbeförderung im Flughafen, in Bibliotheken oder in der Paketabfertigung eingesetzt. Bei der Zugangskontrolle für Skilifte, Hotelzimmer oder Discotheken werden ebenfalls RFID-Chips verwendet - und auch die Fußballfans, die während der Weltmeisterschaft im Sommer die Stadien besuchen, werden sich am Eingang mit einer RFID-Eintrittskarte ausweisen.

          Angesichts dieser Dynamik erstaunt es nicht mehr, daß RFID im März auch ein großes Thema auf der Computermesse Cebit in Hannover werden wird. Die von zahlreichen Absagen geplagte Cebit kann sich deshalb über einen prominenten wie ungewohnten Neuzugang unter den Ausstellern freuen: Die Metro Future Store Initiative wird in Halle 6 zum ersten Mal Anwendungen rund um die RFID-Technik zeigen.

          Logistik und Lagermanagement optimieren

          Die Präsentation dreht sich zum einen um technische Lösungen für verschiedene Stationen entlang der Prozeßkette im Handel, aber auch um andere Lebensbereiche, zum Beispiel im Sport, in Bibliotheken oder im Transportwesen. „Wir werden auf der Cebit mit insgesamt 25 Partnern vertreten sein und eine Standfläche von 2.800 Quadratmetern belegen“, sagt Gerd Wolfram, der zuständige Metro-Geschäftsführer.

          Zu den Metro-Partnern zählen der Softwarekonzern SAP, Intel, der Computerkonzern IBM und der IT-Dienstleister T-Systems. Bei der Metro und anderen Handelsunternehmen soll RFID zunächst die Logistik und das Lagermanagement optimieren - und dadurch natürlich auch Geld sparen.

          Ab September dieses Jahres wird Metro die zweite Generation der RFID-Chips einsetzen. Die Chips zeichnen sich durch eine höhere Speicherkapazität als die zur Zeit verwendeten Vorgängermodelle aus, zudem ermöglicht der neue Standard eine größere Schreib- und Lesegeschwindigkeit.

          Aspekt des Datenschutzes

          Damit sind nach den Worten von Wolfram die Voraussetzungen geschaffen, RFID-Chips zum ersten Mal auch auf den Versandkartons der Hersteller zu verwenden. Bis zum Einsatz der Chips auf einzelnen Produkten sei es hingegen noch ein weiter Weg von vielleicht zehn bis fünfzehn Jahren.

          Das wesentliche Hindernis für einen solchen umfassenden Einsatz ist der zu hohe Preis der Funketiketten von derzeit noch immer 14 bis 15 Cent. Für die Verwendung auf einzelnen Produkten müßte dieser Preis nach den Worten von Wolfram auf weniger als 1 Cent sinken.

          Bei der Metro wird aber auch eingeräumt, daß neben der reinen Kostenbetrachtung auch der Aspekt des Datenschutzes beim RFID-Einsatz eine große Bedeutung bekommen wird. Letztlich müsse aber allein der Verbraucher darüber entscheiden, ob er die Vorteile, die der RFID-Einsatz irgendwann bei der Kontrolle der eigenen Vorräte oder bei etwaigen Rückrufaktionen bieten könnte, nutzen wolle oder nicht.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Corona-Lockerungen : Merkel nennt Ramelows Äußerungen „zweideutig“

          Die Kanzlerin fordert: Es müsse in grundsätzlichen Fragen Übereinstimmung geben. Kritisch äußert sie sich zu den jüngsten Äußerungen von Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow. Der verkündet ein Treffen der Länderchefs.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.