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Netflix : Das große Fernsehspiel

Diese Urlaubspolitik beschreibt Netflix als Teil einer umfassenderen Kultur der „Freiheit und Verantwortlichkeit“. Dazu gehöre zum Beispiel auch ein Verzicht auf detaillierte „Compliance“-Regeln, etwa über den Umgang mit Geschenken von Geschäftspartnern. Vielmehr bestehe die Compliance-Politik des Unternehmens nur aus ganz wenigen, übersichtlichen Worten: „Handelt im besten Interesse von Netflix.“

All das bedeutet nicht, dass Netflix einen gemütlichen Arbeitsplatz bietet. „Wir sind ein Team, keine Familie“, ist in der Präsentation zu lesen. Wer nur „adäquate Leistung“ bringe, für den sei im Unternehmen kein Platz. Netflix rühmt sich dabei aber, etwaige nicht als gut genug empfundene Mitarbeiter mit „großzügigen Abfindungen“ zu verabschieden. Das Unternehmen reklamiert auch, seine Belegschaft allgemein überdurchschnittlich gut zu bezahlen.

Jeder fünfte Deutsche nutzt Streaming-Dienste

Netflix hat schon schwierige Zeiten durchlebt. Vor rund drei Jahren gab es einen Aufschrei, als das Unternehmen mit einem radikal veränderten Gebührenmodell sein Angebot für viele Kunden deutlich teurer machte. Hunderttausende von Abonnenten kündigten, und der Aktienkurs stürzte ab. Reed Hastings sah sich zu einer öffentlichen Entschuldigung gezwungen und gab zu: „Der Erfolg hat mich arrogant werden lassen.“

Aber die Wogen haben sich längst geglättet, und heute ist Netflix wieder obenauf. Seit Anfang 2013 hat sich der Aktienkurs verfünffacht. Dabei gibt es Herausforderungen genug. So wird die Konkurrenz immer größer. Der Online-Händler Amazon.com zum Beispiel forciert seinen Streaming-Dienst und setzt dabei auch verstärkt auf eigene Inhalte. Und im Kampf um gute Serien muss es Netflix mit den großen Mediengiganten aufnehmen. Hastings sagt, finanzstarke Konkurrenz sei für ihn kein Grund zur Besorgnis. „Microsoft war vor zehn Jahren auch viel finanzstärker als Apple oder Google. Aber man hat ja gesehen, wie viel mehr Innovation seither von Apple und Google gekommen ist.“

7,99 Euro Monatsgebühr?

Anders als in Amerika, wo Netflix Streaming-Pionier war, wird das Unternehmen bei seinem Start in Deutschland auf einige Wettbewerber treffen. Hiesige Anbieter wie Watchever, Maxdome, Snap oder auch Amazon werden sich von Netflix nicht so leicht die Butter vom Brot nehmen lassen wollen. Hastings zeigt sich unbekümmert und sagt, Netflix habe es auch schon in anderen Auslandsmärkten erfolgreich mit existierender Konkurrenz aufgenommen.

Interesse an Streaming-Diensten gibt es jedenfalls in Deutschland. Der Branchenverband Bitkom meldete kürzlich, dass immerhin schon jeder fünfte Deutsche bestehende Angebote wie Watchever oder Maxdome nutzt.

Netflix plant zum Start dem Vernehmen nach eine Monatsgebühr von 7,99 Euro. Ansonsten macht das Unternehmen aber um Details zu seinem Deutschland-Start noch ein großes Geheimnis. So gibt es noch keine Angaben zu den verfügbaren Inhalten. Sicher ist aber eines: Ausgerechnet auf die Vorzeigeshow „House of Cards“ werden deutsche Netflix-Kunden nicht den ersten Zugriff haben. Denn die Rechte für die Erstausstrahlung liegen in Deutschland beim Bezahlsender Sky, und Netflix darf die Serie erst sechs Monate später zeigen. Netflix hat die Rechte ursprünglich mangels Präsenz in Deutschland an Sky verkauft, um die Produktionskosten nicht allein schultern zu müssen. Hastings sagt, das sei verschmerzbar, zumal künftige Eigenproduktionen in Deutschland zuerst bei Netflix laufen werden. „Wir sind viel mehr als ,House of Cards‘.“

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