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Netflix-Gründer Reed Hastings : „ARD und ZDF braucht kein Mensch“

Sie haben verschiedene Dinge ausprobiert, waren unter anderem Lehrer in Swasiland. Wollten Sie wirklich Lehrer werden?

Nein, ich bin damals zum Friedenscorps gegangen, das machen viele junge Amerikaner. Die schicken einen irgendwohin. Swasiland war ein großes Abenteuer. Wenn du mit zehn Dollar in der Tasche durch Afrika getrampt bist, hast du keine Angst mehr davor, ein Unternehmen zu gründen. Außer ein paar Briefen hatte ich zweieinhalb Jahre keinen Kontakt nach Hause. Das Unterrichten hat mir Spaß gemacht, aber auf Dauer fehlte die intellektuelle Herausforderung. Ich dachte, etwas mit Computern könnte spannender sein.

Vor allem lukrativer: Ihr erstes Start-up Pure Software haben Sie für 750 Millionen Dollar verkauft.

Wir wurden übernommen.

Zuvor hatten Sie den Aufsichtsrat gebeten, Sie zu feuern.

Das stimmt, wobei feuern das falsche Wort ist. Ich wollte, dass sie mich vom Vorstandsvorsitz befreien, in den Vertrieb oder ins Marketing stecken – Bereiche, von denen ich keine Ahnung hatte. Ich war so jung, Pure ist so schnell gewachsen, irgendwann war ich schlicht überfordert. Der Aufsichtsrat aber hat gesagt: „Stimmt, du hast Mist gebaut, aber das wäre anderen auch passiert.“ Also musste ich weitermachen, bis zur Übernahme.

Netflix propagiert eine außergewöhnliche Firmenphilosophie. Haben Sie wirklich kein eigenes Büro?

Ja, ich brauche keinen festen Arbeitsplatz. Die meiste Zeit bin ich unterwegs oder in Meetings. Wenn nicht, setze ich mich mit dem Laptop in die Kantine. Da kann ich auch unauffällig früh gehen.

Jeder Mitarbeiter kann arbeiten wann und wo er will?

Stimmt. Wir haben viele junge Eltern, die nachmittags erst mal ihre Kinder abholen und sich dann abends noch mal hinsetzen. Oder morgens, wie es passt. Das Ergebnis zählt, nicht die Arbeitszeit.

Jeder darf auch Urlaub machen, solange er will?

So ist es. Ich glaube, dass Urlaub für die Kreativität wichtig ist. Wir kennen das doch alle: Die besten Ideen kommen, wenn man ganz woanders ist, Neues sieht und erlebt. Ich selbst fahre jedes Jahr mit meiner Frau mindestens fünf, sechs Wochen weg. Letzten Sommer waren wir Rad fahren in Dänemark, im Winter fahren wir Ski.

Das klingt alles nach flauschiger Start-up-Philosophie. Kann man so einen Konzern führen?

Davon bin ich überzeugt. Ich war früher ein absoluter Kontroll-Freak. Bei Pure Software wollte ich alles wissen, konnte nichts abgeben – wie Chefs halt meistens so sind. Den Fehler will ich bei Netflix nicht wiederholen.

Haben Sie eigentlich Ideen für weitere Firmen?

Ja, ständig. Aber ich verfolge sie nicht weiter, aus gutem Grund.

Wieso?

Als Student hat mich die Maus am Computer gestört. Ich konnte nie so schnell tippen, wie ich wollte, weil ich zwischendurch zur Maus greifen musste. Da dachte ich, eine Maus, die man mit dem Fuß bedient, wäre viel praktischer. Also haben wir Prototypen gebaut und getestet. Dabei zeigte sich: Der Fuß ist für Feinmotorik ungeeignet. Außerdem zerstört der Dreck am Boden die Elektronik. Sie sehen: Nicht jede meiner Ideen ist gut.

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