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Netflix-Gründer Reed Hastings : „ARD und ZDF braucht kein Mensch“

Hat Ihnen das den Start in Deutschland verhagelt?

Nein, wir sind sehr zufrieden mit der Entwicklung hier.

Etwas konkreter, bitte!

Wir geben keine Zahlen für die einzelnen Länder heraus. Aber weltweit wachsen wir beachtlich. Im Jahr 2014 lag der Umsatz bei 5,5 Milliarden Dollar. Seither konnten wir weiter zulegen. Und wir haben in nur drei Monaten 4,8 Millionen Neukunden hinzugewonnen. Daran hat auch Deutschland seinen Anteil.

Liegt Ihr Fokus jetzt auf Europa?

Auf jeden Fall. Europa ist ein riesiger Markt. Darüber hinaus ist es unser Ziel, Ende 2016 in allen Ländern der Welt zu sein.

Auch in so instabilen Ländern wie Nigeria oder Afghanistan?

Überall. Es wird spannend sein, zu sehen, ob die Kunden dort unser Programm annehmen und welche Serien sie schauen.

In Deutschland wollen Sie mit Netflix in fünf bis sieben Jahren in jedem dritten Haushalt vertreten sein. Davon sind Sie meilenweit entfernt.

Bislang liegen wir voll im Zeitplan. So lange hat die Entwicklung in Amerika gedauert, und das schaffen wir auch in Deutschland. Heute läuft in Amerika abends ein Drittel des gesamten Internet-Traffics über Netflix.

Kein Wunder, wegen Ihnen hocken Leute die halbe Nacht vor der Glotze und schauen sich 13 Folgen einer Serie am Stück an.

Ich finde es merkwürdig, dass es gesellschaftlich anerkannt ist, einen Roman am Stück zu lesen – „Wow, du hast die ganze Nacht gelesen?“, heißt es dann –, während das andere verdammt wird. Es schaut ja auch niemand wirklich 13 Folgen am Stück. Das Schöne ist doch, dass Sie endlich gucken können, wann, wo und wie lange Sie wollen.

Planen Sie speziell deutsche Serien?

Im Sommer startet die Science-Fiction-Serie „Sense 8“. Ein Teil davon spielt in Berlin, den hat Regisseur Tom Tykwer gedreht. Max Riemelt spielt eine der Hauptrollen.

Sie nehmen einen berühmten Schauspieler, einen Promi-Regisseur, einen massentaugliches Stoff – und fertig. Ist Filmemachen so einfach?

Die Kunst ist es, die Serien den richtigen Kunden zu zeigen. Es wird immer jemanden geben, der etwas auszusetzen hat, egal, wie gut eine Serie ist. Den müssen Sie umgehen.

Dazu sammeln Sie akribisch Daten von Ihren Kunden – was sie gucken, wie lange und wann sie wegschalten.

Kevin Spacey, Hauptdarsteller im Netflix-Hit „House of Cards“.
Kevin Spacey, Hauptdarsteller im Netflix-Hit „House of Cards“. : Bild: Netflix

Wir wollen dem Kunden genau das anbieten, was er mag. Wenn wir wissen, jemand schaut gerne Horrorfilme an, dann schlagen wir ihm weitere Horrorfilme vor. Andere, die Romanzen schauen, belästigen wir damit erst gar nicht. Sonst schalten sie weg.

Und wechseln zur Konkurrenz.

Oder sie gehen joggen oder spielen Poker.

Das bedeutet auch, dass Sie alles aus Drehbüchern streichen, was beim Publikum nicht ankommt. Das ist das Ende der Kunst.

Falsch. Viele denken, wir schreiben die Plots um, je nachdem, welche Szenen oder Figuren am beliebtesten sind. Aber unsere Daten spielen beim Verfassen der Drehbücher überhaupt keine Rolle. Unsere Autoren und Schauspieler sind in ihrer Arbeit sehr frei.

Wo fühlen Sie sich wohler – im Silicon Valley zwischen all den Computer-Nerds oder in Hollywood bei den Stars?

Den Glamour brauche ich nicht. Es reicht mir, wenn ich einmal im Jahr mit Kevin Spacey essen gehe. Ich habe selbst Informatik und Mathe studiert, passe also ins Valley.

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