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Navigation : Nokia greift Tom Tom an

  • -Aktualisiert am

In Japan schon Wirklichkeit: 3D-Navigation auf dem Handy Bild: AFP

Mit einer Software für das Handy macht Nokia den Navigationssystemen Konkurrenz. Für den Chef des Marktführers Tom Tom, Alexander Ribbink, ist das Handy hingegen ein „Schweizer Taschenmesser“: Es hat viele Funktionen, ist aber auf kein Gebiet spezialisiert.

          Der Markt ist kaum 6 Jahre alt. Erst als der amerikanische Präsident Clinton im Jahr 2000 die Verschlüsselung des militärischen Global Positioning System (GPS) abschalten ließ, begann der große Aufstieg der privaten Satellitennavigation. Seither ist die Nachfrage nach den kleinen elektronischen Wegweisern ungebrochen. Entsprechend hoch sind die Wachstumsraten, die die Hersteller der integrierten Komplettlösungen wie Tom Tom, Garmin oder auch Mio Technology verzeichnen. Deren Absatz in Europa hat sich im zweiten Quartal des Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum fast verdoppelt. Rund 2,5 Millionen dieser Geräte wurden zu einem Durchschnittspreis von rund 400 Euro verkauft. Aber auch künftig werden dem Markt rosige Perspektiven bescheinigt.

          „Diese ganze GPS-Industrie steckt erst in den Kinderschuhen“, sagte Alexander Ribbink, der für das operative Geschäft zuständige Vorstand des europäischen Marktführers Tom Tom, während des Canalys-Navigations-Forums 2006 in Genf. Auch Chris Jones, Director und Analyst beim britischen Marktforschungsunternehmen Canalys, rechnet mit weiter hohen Wachstumsraten: „Wir sehen keine Abschwächung der Nachfrage in den kommenden Jahren.“ Ribbink erwartet einen durchschnittlichen Zuwachs beim Absatz von etwa 71 Prozent bis zum Jahr 2009 - allein für die mobilen Navigationslösungen, die einerseits als Komplettsysteme daherkommen, als Zusatzmodule in Kleinstcomputer (PDA) integriert werden oder - das ist der neueste Trend der Branche - auf dem Handy installiert werden.

          Branche erlebt Preisverfall

          International sollen nach Schätzungen von Canalys-Chef Steve Brazier im Jahr 2006 rund 13,6 Millionen Einheiten abgesetzt werden, mit denen ein Umsatz von rund 6 Milliarden Euro erzielt werden soll. Bis zum Jahr 2009 soll dieser Umsatz im Durchschnitt um 22 Prozent im Jahr auf 10,7 Milliarden Euro wachsen. Dann sollen rund 37,2 Millionen Einheiten verkauft werden, was einem durchschnittlichen Absatzplus von 40 Prozent jährlich entspricht.

          Schon an den unterschiedlichen Wachstumsgeschwindigkeiten von Umsatz und verkauften Einheiten ist abzulesen, daß die Branche derzeit einen Preisverfall erlebt. War zum Start der ersten Massenvermarktung in Europa durch die Aldi-Märkte im Jahr 2003 noch ein Preis von 500 Euro gefragt, rechnet Canalys-Analyst Jones bis zum Jahresende zum ersten Mal mit Preisen von weniger als 200 Euro für Komplettsysteme.

          Immer mehr Anbieter buhlen um die Kunden

          Der Preisverfall wird sich nach Ansicht der Beobachter noch weiter verschärfen, da die Attraktivität dieses Marktes immer mehr Anbieter auf den Plan ruft. „Im zweiten Quartal des Jahres 2005 hatten wir es mit 16 Anbietern zu tun, heute sind es 25“, betont Mark Moons vom internationalen Technologie-Großhändler Ingram Micro. Er rechnet aber auch damit, daß nicht alle diese Unternehmen auf Dauer überleben werden.

          Die Konkurrenz wächst aber nicht nur im Lager der Hersteller von Komplettsystemen, bei denen Landkarten und der GPS-Empfänger in einer Box integriert sind. Zunehmend kommen auch Lösungen auf den Markt, die das Mobiltelefon als Navigationshilfe nutzen. Diese Entwicklung wird die Branche nach Ansicht vieler Beobachter sehr stark verändern.

          Musik steht Navigation im Weg

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