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Musikindustrie : Spotify will Apple überrunden

In Schweden, wo Spotify seit fünf Jahren auf dem Markt ist, hat das Unternehmen mit seinem Streamingdienst 70 Prozent des Tonträgermarktes erobert. Weltweit hat sich in den 24 Monaten bis Ende März die Zahl der zahlenden Spotify-Abonnenten auf sechs Millionen Kunden versechsfacht. Hinzu kommen 18 Millionen Nutzer, die über eine kostenlose werbefinanzierte Spotify-Version hören. Trotzdem ist das Musikstreaming bisher klein: 2012 machte es nur 4 Prozent des globalen Tonträgergeschäfts aus.

Wann wird Spotify die Gewinnschwelle erreichen?

In den Vereinigten Staaten, dem größten Musikmarkt der Welt, liegt der Umsatzanteil des Streaming bisher nur bei 8 Prozent. Forster ficht das nicht an. Die Zeit spiele für Spotify: „Ich sehe keinen Grund, warum das Musikstreaming in Amerika nicht genauso groß werden kann wie hier in Schweden.“ Im vergangenen Jahr hat sich der Umsatz von Spotify auf 435 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Das solle erst der Anfang sein, sagt Forster: „Wir rechnen mit einem nachhaltigen und sehr starken Wachstum.“ 2012 ist der globale Tonträgermarkt zum ersten Mal seit 13 Jahren wieder leicht gewachsen - auch dank der wachsenden Popularität von Spotify.

Bei Spotify steigen allerdings nicht nur die Erlöse, sondern auch die Verluste: Die im August veröffentlichten Zahlen für das Geschäftsjahr 2012 zeigten, dass der Nettoverlust um 29 Prozent auf 59 Millionen Euro gewachsen ist. Wann wird Spotify die Gewinnschwelle erreichen? „Wenn die Erlöse höher als die Kosten sind“, sagt Forster lakonisch und grinst. Im November 2012 hat Spotify nach amerikanischen Medienberichten weitere 100 Millionen Dollar bei Investoren eingesammelt - unter anderem von Goldman Sachs und Coca-Cola. „Wir haben genügend Mittel, um alle Dinge anpacken zu können, die wir anpacken wollen“, sagt Forster dazu nur.

Zu den weiteren Miteigentümern von Spotify zählen neben den Gründern der Internetunternehmer Sean Parker, der chinesische Investor Li Ka-shing und eine Reihe von Plattenfirmen. Während die Investoren Spotify bereitwillig große Schecks ausstellen, gilt das Unternehmen vielen Musikern als Blutsauger. Regelmäßig muss sich Spotify gegen den Vorwurf der Ausbeuterei wehren. Zuletzt platzte Thom Yorke der Kragen: „Junge Musiker werden mit diesem Modell komplett verarscht“, wetterte der Sänger der britischen Kultband Radiohead gegen Spotify. Wenn ein Spotify-Kunde ein Lied anhört, dann bekommen Plattenlabel und Musiker dafür von dem Streamingdienst nur rund einen halben Cent.

Ein Download-Lied bei iTunes kostet dagegen typischerweise einen Euro, und Apple reicht davon 66 Cent weiter. Einige der kommerziell erfolgreichsten Bands der Welt wie AC/DC und die Beatles boykottieren Spotify bisher. Europa-Chef Forster hält die Kritik für unfair. Das Entgelt je Stream möge zwar winzig sein. Aber anders als beim Verkauf von Downloads verdienten die Musiker eben nicht nur einmal, sondern jedes Mal, wenn ein Fan ihre Lieder höre. „Mit manchen ihrer Musiker verdienen die Plattenfirmen auf Spotify Millionenbeträge“, sagt Forster. Namen könne er allerdings nicht nennen. „Das ist vertraulich.“

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