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Musik : Kreuzberger Lauschgift

  • -Aktualisiert am

Als alles begann: Die Fantastischen Vier 1993 Bild: picture-alliance / dpa

Die Fantastischen Vier sind auch als Plattenunternehmer erfolgreich. Ihr Rezept: Sie machen alles anders als die Branchengiganten und wollen Speerspitze, nicht Trittbrettfahrer sein.

          Hinter der breiten Fensterfront einer ehemaligen Fabriketage am Kreuzberger Spreeufer sitzt Fitz Braum. Lässig lehnt er in seinem schwarzen Ledersessel. Auf dem Schreibtisch vor ihm stapeln sich CDs, und an der weißen Wand hängen vier silberne Ziffern: 0711 - die Telefonvorwahl Stuttgarts. Darunter ein kleines Pappschild: "Music is okay".

          Braum, 48, kantiges Gesicht, eckige Brille, ist Geschäftsführer der Firma Four Music, des Plattenlabels der Fantastischen Vier. Er hat die vier schwäbischen Popstars, die deutschen Hip-Hop hitparadenfähig machten, einst zum Musikriesen Sony Music geholt. Sie haben ihn dafür später zum Chef ihres Plattenlabels gemacht. Dazwischen liegen 15 Jahre und jede Menge goldener Schallplatten.

          "Bei uns herrscht hitsinglefreie Zone", sagt Braum und verrät damit das Erfolgsgeheimnis des Mini-Labels. Four Music setzt nicht, wie sonst in der Branche üblich, auf schnelle Charthits und massentaugliche Superstars. Trotzdem verkaufte die Firma allein im vergangenen Jahr 800.000 Platten.

          2004: Die vier Musiker bei der Verleihung des „Comet”

          Die Berliner wachsen gegen den Trend

          Das ist außergewöhnlich viel für ein kleines Unternehmen, das keinen Plastik-Pop produziert, sondern vor allem Hip-Hop-, Reggae- und Soul-Künstler unter Vertrag hat. Innerhalb von drei Jahren hat Four Music seinen Umsatz verdoppelt. Während der Musikmarkt seit Jahren schrumpft, erwirtschafteten die Berliner 2004 ein Rekordergebnis in achtstelliger Höhe.

          Ein heißer Herbst liegt hinter dem Plattenlabel. Im September stieg das Album von Gentleman, einem weißen Pfarrerssohn aus Köln, der jamaikanische Reggae-Musik macht, auf Platz eins der deutschen Charts ein. Dort hielt es sich zwei Wochen und wurde von Max Herre abgelöst. Das machte aber nichts, denn auch Herre steht bei Four Music unter Vertrag. Zwei Wochen später stiegen die Fantastischen Vier, denen das Label zu 72 Prozent gehört, selbst in die Hitparade ein. Zwar "nur" auf Platz zwei - aber dafür hat ihr Album "Viel" bereits Platin-Status erreicht.

          Vor allem erinnerte er nicht an Grönemeyer

          "Was wir machen, trauen sich die anderen nicht - oder sie dürfen es einfach nicht", sagt Braum. Er ist stolz darauf, daß Four Music beweist, wie man mit deutschen Künstlern sehr erfolgreich sein kann.

          Es war 1997, als Max Herre Four Music den ersten Hit und die erste Gold-Auszeichnung bescherte. Freundeskreis hieß seine Band damals und "A.N.N.A." der Ohrwurm. Er klang nach Hip-Hop mit einem Touch Soul. Auf einmal gab es etwas, was Deutschlands Jugend bis dahin nicht kannte: Einer singt deutsch und hört sich trotzdem cool an. Und er erinnert vor allem nicht an Grönemeyer oder Westernhagen.

          "Der größte Feind des Künstlers ist seine Plattenfirma"

          Mit Freundeskreis spielte Herre in ausverkauften Hallen und Fußballstadien. Er verkaufte allein mit dem letzten Album weit über eine Viertelmillion Platten. Eine Karriere, die eigentlich nach bewährtem Muster weitergehen müßte. Regelmäßig ein neues Album, möglichst viele Tourneen und eines auf keinen Fall: den etablierten Stil ändern. Doch Herre setzte in die Tat um, was er "totale künstlerische Freiheit" nennt - und was Four Music "okay findet". Er hörte mit Freundeskreis auf, brachte fünf Jahre keine Platte heraus und kam dann mit einem anspruchsvollen Album unter eigenem Namen zurück. Wäre Herre bei einem der großen Musikkonzerne unter Vertrag gewesen, hätten ihn die Bosse angesichts solcher Attitüden wohl längst vor die Tür gesetzt.

          Nicht so Four Music. Thomas D. von den Fantastischen Vier, die von ihren Fans "Fantas" genannt werden, formulierte einst: "Der größte Feind des Künstlers ist seine Plattenfirma." Genau dieses unter Musikern weitverbreitete Klischee hatten die vier Pioniere des deutschen Sprechgesangs vor Augen, als sie 1996 Four Music in Stuttgart gründeten.

          Nur große Entscheidungen fällen alle vier gemeinsam

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