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Mobilfunk : Microsoft und Nokia wollen zusammenarbeiten

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Microsoft spielt seine Office-Anwendungen auf Nokias Handys Bild: AP

Microsoft bringt sein Office-Paket auf Nokia-Handys: Umfang und Details der Allianz wollen die Unternehmen am Nachmittag erläutern. Im Mobilfunkmarkt stehen beide Hersteller unter wachsendem Druck.

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          Microsoft wird eine mobile Version seiner Bürosoftware Office für Mobiltelefone von Nokia entwickeln. Die Vereinbarung umfasst auch den Einsatz des Chatprogramms Instant Messenger von Microsoft, teilten beide Firmen am Dienstag in Redmond (Bundesstaat Washington) und Espoo (Finnland) mit. Mit der Allianz wollen der Softwarekonzern und der Handyhersteller den Vormarsch von Wettbewerbern im Mobilfunkmarkt wie RIM („Blackberry“), Apple („iPhone“) und Google („Android“) eindämmen.

          „Mit mehr als 200 Millionen Smartphone-Kunden ist Nokia weltweit der größte Hersteller dieser Geräteklasse und damit ein natürlicher Partner für Microsoft“, sagte Stephen Elop, Präsident der Business-Abteilung bei Microsoft. Neben den Office-Anwendungen Word (Textverarbeitung), Excel (Tabellenkalkulation) und PowerPoint (Präsentation) werde auch die Produktivitätssoftware OneNote unterstützt.

          Die Lösung soll gemeinsam in Unternehmen, aber auch bei Mobilfunkprovidern und bei privaten Anwendern vermarktet werden. Firmenkunden kann Nokia künftig auch das Microsoft-Produkt Sharepoint anbieten, mit dem sich firmeninterne Webseiten erstellen lassen. Das Office-Paket für Nokia soll im kommenden Jahr auf den Markt kommen, zuerst für die Business-Mobiltelefon der E-Serie von Nokia.

          Nokia und Microsoft reichen einander die Hand

          Kampfansage an den „Blackberry“

          Dies sei eine Kampfansage an RIM und andere Rivalen, sagte Robert Andersson, Vize-Präsident der Geschäftsführung von Nokia. „Ich denke nicht, dass der Blackberry die Art von Wettbewerb gesehen hat, die wir ihm jetzt liefern können.“

          Microsoft hat seine neue Bürosoftware Office 2010 für Anfang kommenden Jahres angekündigt. Erstmals will das Unternehmen einzelne Anwendungen wie Textverarbeitung, E-Mail und Tabellenkalkulation mit eingeschränkten Funktionen auch kostenlos über das Internet anbieten. Damit reagiert der Konzern auf Konkurrenten wie Google, die bereits seit einiger Zeit Web-Applikationen kostenlos ins Netz stellen und damit in die Geschäftsfelder des Softwarekonzerns eindringen.

          Schon als Konkurrenten unter wachsendem Druck

          In vielen Bereichen konkurrieren Microsoft und Nokia im Mobilfunkmarkt direkt, wie zum Beispiel Nokias Symbian-Betriebssystem und Microsofts Windows Mobile. Mit einer künftigen Zusammenarbeit könnte sich Microsoft möglicherweise erhoffen, seinen Einfluss im Mobilfunkmarkt über das Windows-Mobile-Betriebssystem hinaus zu erweitern und zugleich das wichtige Geschäft mit den Office-Anwendungen zu stärken.

          Allerdings gibt es bereits heute schon Software auch anderer Hersteller, mit der sich Office-Dokumente nicht nur auf Windows-Mobile-Geräten, sondern zum Beispiel auch auf Blackberrys öffnen und lesen lassen. Auch eine Exchange-Anbindung für die Synchronisation von E-Mails, die vor allem für Unternehmens-Kunden von Bedeutung ist, gibt es auch für Nokia-Handys bereits seit langem.

          Im Mobilfunkmarkt stehen beide Unternehmen derzeit unter wachsendem Druck. Während der Erfolg des Handy-Betriebssystems Windows Mobile seit Jahren deutlich hinter den Erwartungen von Microsoft zurückbleibt, hat Handy-Marktführer Nokia derzeit massiv unter der Finanzflaute zu leiden.

          Nur die „Smartphones“ boomen

          Nach Angaben des Marktforschungsinstitut Gartner vom Mittwoch ging der weltweite Absatz von Handys im zweiten Quartal weiter zurück - um 6,1 Prozent auf 286 Millionen Stück. Der Rückgang hat sich somit im zweiten Quartal etwas abgeschwächt. Im ersten Quartal wurde mit 9,4 Prozent der stärkste Einbruch bislang registriert. Positiv habe sich der Verkauf von Smartphones entwickelt, die mit zahlreichen Zusatzfunktionen ausgestattet sind. Von diesen Geräten wurden 41 Millionen Stück verkauft. Das entsprach einem Plus von 27 Prozent. Marktführer beim Handy-Absatz war im zweiten Quartal Nokia mit einem Marktanteil von 36,8 Prozent. Es folgen Samsung mit einem Marktanteil von 19,3 Prozent und LG Electronics mit 10,7 Prozent. Hier allerdings steht Nokia unter massivem Druck von Konkurrenten wie Apple mit seinem iPhone, den Blackberrys von RIM und jüngst auch durch neue Geräte mit Googles Betriebssystem Android.

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