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Chinesischer Tech-Manager : „Mit künstlicher Intelligenz können wir dieses Land stärker machen“

Qi Lu (links) war im Juni bei der Kanzlerin gemeinsam mit Chinas Ministerpräsident Li Keqiang und Bosch-Manager Dirk Hoheisel. Bild: EPA

Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt setzt auf künstliche Intelligenz. Ein „nationaler KI-Plan“ macht die Runde. Der Chef eines chinesischen Technologiekonzerns erklärt, worum es geht.

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          China setzt zunehmend auf künstliche Intelligenz (KI). Als Technologieminister Wan Gang vor wenigen Tagen einen „nationalen KI-Plan“ in Aussicht stellte, verbreitete sich das nicht nur in chinesischen Medien in Windeseile. Die Initiative soll eine Reihe von Projekten umfassen mit dem Ziel, die Methoden der künstlichen Intelligenz theoretisch und praktisch weiterzuentwickeln. Teil des Plans sollen demnach auch internationale Kooperationen sein. Längst verfügt die Volksrepublik und zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt über ein großes Heer an Fachleuten, außerdem sind 750 Millionen der ungefähr 1,3 Milliarden Chinesen im Internet unterwegs - eine riesige Quelle beständig neuer Daten, die in Kombination mit schnelleren Rechnern die derzeitigen KI-Fortschritte ermöglichen.

          Alexander Armbruster
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Führend sind im Bereich der künstlichen Intelligenz auch in China - nicht unähnlich zu den Vereinigten Staaten - die großen Technologieunternehmen. Drei von ihnen sind mittlerweile große Konzerne, die an der Börse für wertvoller gehalten werden als beispielsweise die großen staatlichen Banken: Alibaba, Baidu und Tencent. Sie bieten Handelsplattformen an, Chat-Systeme, soziale Netzwerke, Suchmaschinen. Teilweise gelingt es diesen Unternehmen mittlerweile auch, internationale Spitzenleute zu engagieren. Der KI-Fachmann Andrew Ng beispielsweise, der erst Professor in Stanford war und dann das Forschungsprojekt „Google Brain“ innerhalb von Google mit aufbaute, war bis vor wenigen Monaten Forschungsdirektor von Baidu.

          Bosch und ZF sind dabei

          Mittlerweile für das operative Geschäfts zuständiger Vorstand des vor allem für seine Suchmaschine bekannten Unternehmens wiederum ist Qi Lu, der zuvor ein ranghoher Manager in Diensten des amerikanischen Technologieunternehmens Microsoft war. Als der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang im Juni in Berlin die Kanzlerin besuchte, war Qi Lu mit dabei.

          Mit künstlicher Intelligenz „können wir diese Nation stärker machen“, sagte Qi Lu nun während einer Entwicklerkonferenz seines Unternehmens, berichtet der Finanzsender „CNBC“. Der Volksrepublik biete sich gerade eine „historische Möglichkeit“, die Entwicklung künstlicher Intelligenz anzuführen auf der Welt. Sie solle sie nicht ungenutzt verstreichen lassen, warb der Manager.

          Damit dies gelingt, müsse China jedoch offen dafür bleiben, auch mit internationalen Partnern zusammen zu arbeiten, sagte der Baidu-Gründer und Vorstandsvorsitzende Robin Li: „Wir glauben, Offenheit wird Geschlossenheit schlagen.“ Dabei bezog er sich ausdrücklich auf die Zeit, in welcher der chinesische Markt abgeschottet war gegenüber dem Rest der Welt.

          Baidu ist in Sachen künstlicher Intelligenz in mehreren Bereichen engagiert: Es geht etwa um Bilderkennung, digitale Assistenten und autonomes Fahren. An der von Baidu für autonomes Fahren eingerichteten Plattform Apollo seien mittlerweile 50 Partner beteiligt, darunter die chinesischen Autohersteller Chery Auto, Great Wall Motors und Changan Automobile, aus Deutschland machen etwa Bosch, ZF Friedrichshafen und Continental mit, aus den Vereinigten Staaten die Technologieunternehmen Microsoft, Intel und Nvidia und außerdem der niederländische Navigationssysteme-Anbieter Tomtom.

          Baidu-Chef Robin Li will die Software für das selbstfahrende Auto offen entwickeln. Das eigene Betriebssystem namens DuerOS soll dabei für Autos angepasst werden und zum „Android der Automobile“ werden. Android heißt das von Google auf den Weg gebrachte Smartphone-Betriebssystem.

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