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Videotelefonie : Skype wird jetzt amerikanisch

  • Aktualisiert am

Verbindungsaufbau mit Skype. Bild: Microsoft

Der Telefondienst Skype gehört zu den erfolgreichsten Internet-Gründungen aus Europa. Jetzt aber gehört das Unternehmen Microsoft – und wird immer amerikanischer. Nun soll ein wichtiges europäisches Büro geschlossen werden.

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          Es war eines der europäischen Vorzeigeunternehmen im Internet: Die Videotelefon-Software Skype. So erfolgreich ist das Unternehmen, dass „skypen“ zum Wort fürs Videotelefonieren geworden ist. Doch Arbeit und Entscheidungen verlagern sich mehr und mehr in die Vereinigten Staaten. Nun soll offenbar das Londoner Skype-Büro geschlossen werden, wo einst die Köpfe von Skype arbeiteten. Die „Financial Times“ berichtet, 400 Stellen seien gefährdet.

          Dabei gehörte Skype einst zu den großen Erfolgen Europas im Internet. Der Däne Janus Friis und der Schwede Niklas Zennström gründeten das Unternehmen im Jahr 2003 in Luxemburg. In Europa blieben sie nicht zuletzt deshalb, weil sie zuvor zusammen mit anderen die Software Kazaa entwickelt hatten, auf der die Nutzer Musik tauschten, und deshalb in Amerika Schwierigkeiten mit dem Urheberrecht bekommen hatten. Schon 2005 kaufte das amerikanische Auktionshaus Ebay Skype für 2,6 Milliarden Dollar. Weil Skype Ebay nicht so viel Gewinn brachte wie erhofft, verließen die Gründer das Unternehmen, Ebay verkaufte Skype später großteils an ein Konsortium aus Finanzinvestoren.

          Microsoft zieht die Entscheidungen nach Amerika

          2011 kaufte der Softwarekonzern Microsoft Skype – jetzt für 8,5 Milliarden Dollar. Seitdem ändert sich die Standortpolitik deutlich. Die alten Büros in Tallinn (Estland), Prag und Stockholm wurden ergänzt um neue in Palo Alto im Silicon Valley, am Microsoft-Sitz in Redmond und nur 250 Kilometer weiter im kanadischen Vancouver.

          Die „Financial Times“ zitiert einen ungenannten Ex-Mitarbeiter von Skype mit dem Satz „Skype ist nur die Hülle des Unternehmens, das es einmal war.“ Die großen Entscheidungen seien früher in Europa getroffen worden. „Jetzt wird das Unternehmen von Microsoft aus Redmond geführt, nicht mehr als unabhängiges Skype.“ Auf dem Antwortdienst Quora schreibt ein ehemaliger Skype-Entwickler, in seinen zweieinhalb Jahren im Unternehmen sei jeder Skype-Manager durch einen Microsoft-Manager ersetzt worden.

          Microsoft sagte gegenüber mehreren Medien, alle Londoner Mitarbeiter würden ins Londoner Microsoft-Büro im Stadtteil Paddington versetzt. „Dabei überprüfte Microsoft einige Stellen in London und traf die Entscheidung, einige Entwicklungspositionen zusammenzulegen.“ Bei Skype und einem anderen Tochterunternehmen, Yammer, seien „Positionen mit globalem Fokus“ gefährdet.

          Der Schritt ist auch für London ungünstig, das sich während der Unsicherheit über die Folgen des EU-Austritts Großbritanniens als Technik- und Geschäftszentrum halten will.

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