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Messe Gamescom : Konsolenhersteller hoffen auf Weihnachten

Bild: DW

In Deutschland spielen immer mehr Menschen. Doch die Umsätze aus dem Stammgeschäft mit Computerspielen sinken. Die neue Generation Konsolen soll es richten.

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          Wer mit einem neu aufgehenden Stern am Computerspielehimmel sprechen will, muss Zeit mitbringen. Derzeit sei sein Unternehmen zu sehr mit Neuentwicklungen beschäftigt, teilt ein Sprecher des finnischen Spieleherstellers Supercell mit. Im Herbst gebe es dann aber vielleicht wieder eine Möglichkeit, mehr über die Gründe zu erfahren, aus denen das Unternehmen mit seinen Spielen „Clash of Clans“ und „Hay Day“ gerade auf dem besten Weg ist, sozusagen aus dem Stand heraus in diesem Jahr mehr als eine halbe Milliarde Euro Umsatz zu machen.

          Supercell sitzt in Helsinki und ist - noch - eine kleine Schmiede für mobile Spiele auf Smartphones oder Tablets. Auch deswegen lehrt das Unternehmen die Großen der Branche wie so viele andere Entwickler für mobile Spiele derzeit das Fürchten. Die Finnen sind zwar gerade einmal ein gutes Jahr auf dem Markt und haben nur zwei Spiele im Angebot, die obendrein auch noch kostenlos sind. Doch wohl auch aus diesem Grund rangieren sowohl das Strategiespiel „Clash of Clans“ sowie die Bauernhofsimulation „Hay Day“ unter den 100 auf der ganzen Welt am meisten heruntergeladenen Anwendungen im Appstore von Apple.

          8,99 Euro für einen Beutel virtueller Edelsteine

          Und obwohl die Spiele kostenlos sind, verdient Supercell damit Geld, indem es den meist jugendlichen Spielern Zusatzinhalte verkauft. So belasten auch deutsche Gymnasiasten immer häufiger die Kreditkarten ihrer Väter, indem sie sich für 8,99 Euro einen Beutel voller Edelsteine kaufen, um sich in Clash of Clans Vorteile zu erkaufen. Auch wenn Apple 30 Prozent der über seinen iTunes-Store erwirtschafteten Umsätze behält, bewegen sich die Vertriebskosten für Supercell in kalkulierbaren Grenzen. Ebenso kostet die Entwicklung der Spiele weitaus weniger als bei etablierten großen Spieleherstellern, die manchmal den Gegenwert eines Kinofilms in ihre neuen Spiele stecken.

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          Anbieter wie Supercell oder die finnische Konkurrenz Rovio, die ihre „Angry Birds“ inzwischen bis ins All fliegen lässt, stehen für eine neue Generation von Spieleentwicklern, zu denen auch das börsennotierte amerikanische Unternehmen Zynga zählt. Auch wenn Letzteres in der jüngeren Vergangenheit mit Nutzerschwund und Umsatzrückgang zu kämpfen hatte, haben die neuen Spielehersteller klassischen Spieleschmieden wie Electronic Arts oder Ubisoft einiges voraus: Die neuen sind agiler und bauen vor allem auf die wachsende Gruppe der Gelegenheitsspieler, die zu ihren Handys und Tabletrechnern greifen, statt auf Computern oder Konsolen zu spielen.

          Auf Smartphones und Tablets ruhen die Hoffnungen der Branche

          Das wirkt sich auch auf die Zahl der Spieler aus. Nach einer Erhebung des IT-Branchenverbands Bitkom hat sich die Zahl der Spieler in Deutschland im vergangenen Jahr um eine Million auf inzwischen 25 Millionen erhöht. Doch sind die Zuwächse vor allem den neuen Geräten zuzuschreiben. „Smartphones haben sich innerhalb weniger Jahre zu einer relevanten Spielplattform entwickelt“, sagt Christian Illek, Mitglied des Bitkom-Präsidiums. „Die Hauptgründe sind das wachsende Angebot an günstigen Gaming-Apps sowie die immer bessere Darstellung durch schnellere Grafikchips und hochauflösende Displays.“

          Dieser nun schon länger andauernde Trend macht sich im Vorfeld der Spielemesse Gamescom, die seit Mittwoch bis Sonntag in Köln läuft, auch in den Umsätzen der deutschen Spieleindustrie bemerkbar. Die Erlöse mit Spielen für Konsolen sanken im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4 Prozent. Der Umsatz mit PC-Spielen ging um sogar 5 Prozent zurück, und die Einnahmen mit Programmen für mobile Spielkonsolen fielen um 3 Prozent. Der Umsatz für Spiele auf den Plattformen Smartphone und Tablet wuchs dagegen um 20 Prozent.

          Neue Generation von Spielkonsolen zu Weihnachten

          Nicht nur der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) setzt deshalb seine Hoffnungen auf das zweite Halbjahr. Auch die Konsolenhersteller und die klassischen Spielentwickler blicken hoffnungsvoll auf das Weihnachtsgeschäft. Denn dann kommt eine neue Generation von Spielkonsolen in die Läden. Sowohl Microsoft mit seiner Xbox One als auch Sony mit seiner Playstation 4 stehen in den Startlöchern. Auf der Gamescom werden beide Hersteller ihre neuen Spieleplattformen präsentieren. „Der derzeitige Wandel von einer Konsolengeneration auf die folgende ist eine Herausforderung für alle Märkte der Computer- und Videospiele“, sagt BIU-Geschäftsführer Maximilian Schenk.

          Trotz dieses Wandels und trotz des schwächeren ersten Halbjahres geht der BIU davon aus, dass der Markt für Computer- und Videospiele in diesem Jahr insgesamt um 3,5 Prozent auf dann 1,92 Milliarden Euro wachsen wird. BIU-Geschäftsführer Schenk ist fest überzeugt: „2013 werden wir deutlich mehr digitale Spiele verkaufen.“

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