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Merkel bei Startups : Lasst uns Freunde werden

  • -Aktualisiert am

Angela Merkel auf Startuptournee Bild: dpa

Die Bundeskanzlerin besucht in Berlin junge Internetunternehmen und kommt mit Gründern zusammen. Aus den ersten Berührungen soll Größeres erwachsen.

          2 Min.

          Die Erwartungen sind groß bei den Internet-Gründern. Fast 200 Startup-Chefs und Investoren sind nach Berlin gekommen, um eine Rede der Bundeskanzlerin zu hören. Aber nicht nur die Erwartungen sind groß, sondern auch das Selbstbewusstsein.

          Kurz bevor der Ehrengast spricht, will der Gastgeber noch einmal deutlich machen, warum er ihn eingeladen hat. Lars Hinrichs, Internetunternehmer, Startupförderer und Gründer des beruflichen sozialen Netzwerks Xing, erklärt Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem ebenfalls anwesenden Wirtschaftsminister Philipp Rösler den Grund mit einer durchaus beeindruckenden Zahlenreihe: 175 Geschäftsführer von Startups und Internetunternehmen seien an diesem Abend in der Kulturbrauerei im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg versammelt. Ihre Unternehmen ständen zusammen für 21 Milliarden Euro Umsatz und beschäftigten 127.000 Menschen. „Und 95 Prozent von uns gehen davon aus, dass wir in diesem Jahr wieder Wachstum erleben werden“, sagt Hinrichs, und spontaner Applaus brandet unter den Wachstumstreibern auf.

          Merkel tourt durchs Internet

          Die Abendveranstaltung mit dem Titel „Internet & Startups in Deutschland“ ist das Ende einer Merkel-Tour durch die Berliner Internetszene. Am Nachmittag war die Kanzlerin bei zwei der vielen neuen Unternehmen zu Besuch: beim Wissenschaftsportal Researchgate und beim Spieleentwickler Wooga. Ähnlich wie Merkels Vizekanzler Philipp Rösler, der vor kurzem das Silicon Valley in Kalifornien besucht hatte, wollte sie damit deutlich machen, dass ihr die deutsche und die Berliner Gründerszene am Herzen liegt - nicht die schlechteste Idee, in einem Jahr, in dem sie sich zur Wiederwahl stellen muss.

          Und so redet Angela Merkel den Anwesenden passend zum Ort der Veranstaltung, einer ehemaligen Brauerei, aus dem Herzen. „Wir sind uns bewusst, dass Sie die Hefe sind, mit der sich die Szene entwickeln wird“, sagt Merkel zu den Unternehmern, die sie anders als Hinrichs nicht per Du begrüßt, „Ich will noch nicht ,liebe Freunde’ sagen“, sagt Merkel. „Man kann sich ja langsam annähern.“

          „Deutschland ist weit abgeschlagen“

          Genauso wie die deutsche Gründerszene an das Weltniveau. Dass sie zwar auf einem guten Weg sei, aber noch immer Nachholbedarf habe, hatte zuvor schon Lars Hinrichs gesagt. „Wir sind in Deutschland im Internet noch weit abgeschlagen und spielen noch nicht in der Weltliga mit.“

          Merkel will das ändern und dafür erst einmal den anwesenden Gründern zuhören. Die Richtschnur für diese Gespräch gibt sie selbst vor: Von einem freizügigen Arbeitsmarkt, damit deutsche Internetunternehmen auch die besten Talente bekommen, über die Frage, ein besseres Investitionsklima für Startups zu schaffen, bis hin zu einheitlichen europäischen Regeln für Gründungen, die Merkel in dieser Woche schon auf der Cebit gefordert hatte. Es sei noch ein weiter Weg bis dahin, und keiner wisse das besser als ihr Vizekanzler Rösler. „Der war ja im Silicon Valley und weiß, welcher Weg noch zurückzulegen ist. Aber wir können das schaffen.“ Mit seinem Beirat für „Junge Digitale Wirtschaft“ habe Rösler da schon einen ersten Schwerpunkt gesetzt. Die Verbindung zwischen der Kanzlerin und den Gründern soll weiter über den Wirtschaftsminister laufen, mindestens bis zur Bundestagswahl, aber vielleicht auch darüber hinaus.

          Eine gute halbe Stunde nimmt sich die Bundeskanzlerin nach ihrer Rede Zeit, bevor sie sich wieder von den jungen Unternehmern und Gastgeber Hinrichs per Handschlag verabschiedet. Ob sie ihn dabei schon Lars genannt hat, ist nicht bekannt. Aber da könnte man ja noch hinkommen.

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