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Medien : Walt Disney online

Schön und verzweifelt im Internet: „Desperate Housewives” Bild: AP

Walt Disney will beliebte Shows wie „Desperate Housewives“ oder „Lost“ im Internet anbieten. Kostenlos. Das ist eines von vielen Experimenten, mit denen sich Medienkonzerne auf das digitale Zeitalter einstellen.

          Bob Iger spielt gerne den Zerstörer. In seiner noch kurzen Zeit als Vorstandschef des Unterhaltungskonzerns Walt Disney hat er sich einen Namen damit gemacht, neue Vertriebsmodelle für die vielen Inhalte seines Unternehmens voranzutreiben, auch auf Kosten der traditionellen Umsatzströme. Der seit vergangenem Oktober amtierende Iger war der erste, der mit dem Computerkonzern Apple eine Allianz über den Verkauf von Fernsehshows auf der Videoversion des digitalen Musikspielers iPod geschlossen hat.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Jetzt hat Disney die Branche mit einer neuen Ankündigung verblüfft: Der unternehmenseigene Fernsehsender ABC wird bald einige seiner beliebtesten Shows wie „Desperate Housewives“ oder „Lost“ kostenlos und jederzeit abrufbar im Internet anbieten. Das macht bislang niemand sonst in Amerika. Finanziert wird das Ganze mit Werbung, die vom Computernutzer nicht ausgeblendet werden kann. Nicht alle Teile der Unterhaltungskonzerne probieren aber neue Geschäftsmodelle so aggressiv aus wie Disney. In der Musikbranche ist im Moment eine gegenteilige und rückwärtsgewandte Entwicklung zu beobachten. Einige Musikunternehmen halten bestimmte Titel bewußt aus Online-Plattformen wie iTunes von Apple heraus. Damit wollen sie ihr angestammtes Geschäft mit CDs retten.

          Viele Experimente

          Die Aktion von Disney ist eines von vielen Experimenten, mit denen sich Medienkonzerne auf das digitale Zeitalter einstellen. Die Industrie steht unter erheblichem Druck, sich neue Vermarktungsstrategien für ihre Filme, Fernsehsendungen und Musik zu überlegen. Die Umsätze auf den klassischen Vertriebswegen schmelzen dahin. Die Musikindustrie kämpft nun schon einige Jahre mit schrumpfenden CD-Verkäufen, nicht zuletzt wegen der bis heute ungebrochenen Popularität von Online-Tauschbörsen, deren Nutzer Titel kostenlos herunterladen.

          Mit Apple hat Disney schon eine Allianz

          Die Filmbranche hat ein katastrophales Jahr hinter sich, die Umsätze an den Kinokassen waren rückläufig, und selbst das zuvor so wachstumsstarke Geschäft mit DVDs hat sich abgeschwächt. Auch das Fernsehen verliert Zuschauer und wird damit für Werbekunden unattraktiver, außerdem haben viele Verbraucher digitale Videorekorder, mit denen sie Werbung überspringen können.

          Technik schreitet voran

          Der kostenpflichtige digitale Vertrieb von Inhalten ist maßgeblich mit iTunes angestoßen worden. iTunes war vom Start weg vor drei Jahren ein Erfolg, mittlerweile sind dort mehr als eine Milliarde Titel verkauft worden, und das Konzept hat viele Nachahmer gefunden. Das Geschäft hat sich lange Zeit weitgehend auf Musik beschränkt. Die immer stärkere Verbreitung von schnelleren Breitbandanschlüssen hat aber auch die Übertragung von Videoinhalten mit großen Datenmengen praktikabel gemacht.

          Im vergangenen Herbst gab abermals Apple mit der Einführung der Videoversion des iPod einen entscheidenden Impuls. Seither haben die großen amerikanischen Medienkonzerne eine Vielzahl von Konzepten vorgestellt, die darauf abzielen, die Inhalte für den Verbraucher jederzeit und auf verschiedenen Geräten abrufbar zu machen. Der Fernsehsender CBS verkauft zum Beispiel Episoden seiner erfolgreichen Reality-Fernsehserie „Survivor“ auf seiner Internetseite zum Herunterladen, der Preis je Sendung liegt zwischen 99 Cent und 1,99 Dollar.

          Neue Konzepte zum Internetvertrieb

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