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Medien : Verleger werfen Google Wildwestmethoden vor

„Es gibt da ein Muster bei Google: Erst einmal vorpreschen und später Fragen stellen” Bild: AP

Bücher, Zeitungen oder Videoclips: Der Internetkonzern Google legt sich mit allen an. In Amerika mit der Buchbranche, in Deutschland wegen Youtube mit der Gema. Juristische Auseinandersetzungen sind für das Unternehmen deshalb mittlerweile Alltag.

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          Lynn Chu kann die offizielle Unternehmensphilosophie von Google nicht mehr hören. Der amerikanische Internetkonzern strebt danach, „die auf der Welt vorhandenen Informationen zu organisieren und allgemein zugänglich und nutzbar zu machen“. Nach Meinung Chus, die eine Literaturagentur in New York betreibt, setzt Google dabei Wildwestmethoden ein. Vor allem stört sie sich an den Ambitionen im Buchgeschäft, in dem Google sich nach einem spektakulären Vergleich mit Verlagen und Autoren zu einem immer mächtigeren Akteur aufschwingt.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          „Google hat sich der Buchbranche mit vorgehaltener Pistole als neuer Verleger vor die Nase gesetzt“, schimpft Chu. Auch mit der ungefragten Verwertung von anderen urheberrechtlich geschützten Inhalten wie Zeitungsartikeln oder Musikvideos hat sich Google Zorn zugezogen: "Es gibt da ein Muster bei Google: Erst einmal vorpreschen und später Fragen stellen", sagt James Grimmelmann, Professor an der New York Law School, der auf Internetrecht spezialisiert ist.

          Medienkonzern Viacom fordert Schadensersatz von einer Milliarde Dollar

          Schon mehrfach ist auch die von Google im Jahr 2006 gekaufte Videoseite Youtube unter Beschuss geraten. Der Medienkonzern Viacom, zu dem Fernsehkanäle wie MTV und Nickelodeon gehören, verklagte Google vor zwei Jahren und forderte Schadensersatz von einer Milliarde Dollar. Viacom beschwerte sich, dass auf Youtube immer wieder Videoclips mit urheberrechtlich geschützten Inhalten aus Fernsehsendungen auftauchen. Der Rechtsstreit dauert noch an. Auf der deutschen Youtube-Seite sah sich Google erst vor wenigen Tagen wegen Streitigkeiten mit der Verwertungsgesellschaft Gema gezwungen, einen großen Teil der Musikvideos zu sperren. Der Vorstandsvorsitzende der Gema, Harald Heker, warf Youtube am Wochenende jedoch vor, bisher kaum Musikvideos zu sperren.

          Unter Beschuss: die Google-Gründer Sergey Brin (l) und Larry Page

          Juristische Auseinandersetzungen mit Inhabern von Urheberrechten sind für Google mittlerweile Alltag - was unterstreicht, wie bedeutend das erst im Jahr 1998 gegründete Unternehmen mittlerweile geworden ist. Zu den prominentesten Fällen zählt der mehrjährige Rechtsstreit mit der Buchbranche, der sich gerade in einer entscheidenden Phase befindet. Google hat 2004 begonnen, in großem Stil Bücher zu digitalisieren und auf seiner Seite verfügbar zu machen. Google machte Bücher, die unter Urheberrecht stehen, in Ausschnitten zugänglich.

          Bücher, bei denen kein Urheberschutz mehr besteht (in den Vereinigten Staaten alle vor 1923 veröffentlichten Werke), wurden vollständig zum Abruf freigegeben. Google behauptete, die Nutzung kleiner Passagen aus den jüngeren Büchern sei durch die sogenannte "Fair Use"-Klausel im amerikanischen Urheberrecht gedeckt. Das Projekt sorgte in der Buchbranche aber für einen Aufschrei, und 2005 verklagten der Verlegerverband und die Autorengewerkschaft in Amerika Google mit dem Vorwurf der Verletzung von Urheberrechten. Der Streit fand im Oktober vergangenen Jahres ein vorläufiges Ende mit einem Vergleich, der die Machtposition von Google im Buchgeschäft zementieren würde. Google könnte nach dem Vergleich, der noch von einem Richter abgesegnet werden muss, weiter Bücher einscannen und auf seiner Seite vermarkten.

          Je nach Art des Buches sind die Regeln unterschiedlich: Der größte Teil der von Google eingescannten Bücher ist nicht mehr lieferbar, steht aber noch unter Urheberrecht. Nach dem Vergleich darf Google diese Bücher komplett auf seiner Internetseite zum Verkauf anbieten und in Ausschnitten umsonst zeigen, es sei denn, der Inhaber der Urheberrechte lehnt dies mit einem sogenannten "Opt out" ausdrücklich ab.

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