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Medien : Leo Kirch meldet sich zurück

Spekulationen über seine Rückkehr gab es schon lange: Leo Kirch Bild: ddp

Vor fünf Jahren ging Leo Kirchs Medienimperium spektakulär pleite. Seither hat er vor allem mit seinem juristischen Feldzug gegen die Deutsche Bank Schlagzeilen gemacht. Jetzt steigt Kirch bei dem Medienunternehmen EM.Sport Media AG ein.

          Leo Kirch hätte es eigentlich nicht weit gehabt. Seine nach der Adresse - Kardinal-Faulhaber-Straße 15 - schlicht KF15 genannte Firma sitzt direkt neben dem Hotel in der Münchner Innenstadt, in dem der Mittelständler EM.Sport Media AG am Mittwoch zur Pressekonferenz geladen hatte. Doch der 80 Jahre alte Kirch, die schillerndste Gestalt im deutschen Mediengeschäft der vergangenen Jahrzehnte, hat zeitlebens die Öffentlichkeit gemieden, und so kam er auch am Mittwoch nicht. Und dies, obwohl sich an diesem nasskalten Vormittag alles um ihn drehte: Leo Kirch, der vor fünf Jahren sein Lebenswerk, den damals zweitgrößten deutschen Medienkonzern, in einer Milliardenpleite verloren hat, ist zurück im Geschäft. Er wird Großaktionär von EM.Sport, die aus wilden Börsenzeiten vielen Anlegern noch als EM.TV in schlechter Erinnerung ist und zu der unter anderem der Sportsender DSF gehört.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Anzeichen für einen bevorstehenden Coup des mit allen Wassern gewaschenen Seniors hatten sich schon zuletzt stark verdichtet (F.A.Z. vom 25. September). In den Jahren zuvor hat Kirch, der halb blind und schwer zuckerkrank ist, dagegen vor allem mit seiner Klageflut gegen die Deutsche Bank, die er für die Insolvenz seiner früheren Mediengruppe verantwortlich macht, für Schlagzeilen gesorgt. So richtig weg vom Fenster war Kirch, wie spätestens am Mittwoch klar wurde, allerdings zwischenzeitlich auch im Mediengeschäft nicht. Vielmehr hält er offenbar schon seit längerem 36,4 Prozent am Schweizer Medienunternehmen Highlight Communications, dem unter anderem die für die Champions League im Fußball zuständige Sportrechteagentur Team und der Münchner Filmproduzent Constantin ("Der Untergang") gehört. Das sind deutlich mehr Anteile als bisher vermutet.

          Kirch wird in der Branche fast alles zugetraut

          Kirch verkauft nun sein Highlight-Aktienpaket an EM.Sport. Zunächst erwerben die Münchner 25,1 Prozent. Über eine Option kann EM.Sport bis Mitte 2008 weitere 11,3 Prozent an Highlight kaufen. Kirch bekommt dafür Bares - 122 Millionen Euro - und zusätzlich 11,6 Prozent an EM.Sport im Wert von rund 40 Millionen Euro. Das Paket wird von der KF15 gehalten, als deren Eigentümer Kirchs Ehefrau Ruth und sein Vertrauter Dieter Hahn, 46 Jahre, im Handelsregister stehen. Highlight wiederum ist ebenfalls bereits an EM.Sport beteiligt. Die beiden Unternehmen bilden also ein Gespann, dessen Zügel Kirch mit in der Hand hält.

          Wenn auch im bescheideneren Rahmen: Es ist fast wieder so wie früher, als Schattenmann Kirch mit seinen Winkelzügen die Medienindustrie in Atem hielt. Schon kochen die Spekulationen um die weiteren Pläne des Alten hoch. Will Kirch mit EM.Sport die Fernsehrechte an der Fußball-Bundesliga kaufen? Will er etwa den Bezahlsender Premiere, der zu seinem früheren Medienreich gehörte, zurückerobern? Dem Mann wird jedenfalls in der phantasiebegabten Medienbrache noch immer fast alles zugetraut.

          Werner Klatten, der Vorstandschef von EM.Sport und Schwager der Quandt-Erbin Susanne Klatten, dämpfte am Mittwoch erst einmal die großen Erwartungen. Die Bezahlfernsehrechte an der Bundesliga wolle man nicht kaufen, und eine Beteiligung an Premiere sei auch kein Thema. An einem ließ Klatten aber auch keinen Zweifel: EM.Sport wolle die Mehrheit an Highlight, auch wenn keine Fusion beider Unternehmen geplant sei. Bis Jahresende seien zudem "weitere Wachstumsschritte" im Sportgeschäft zu erwarten, kündigte Klatten an. Fortsetzung folgt also.

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