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Medien : Holtzbrinck-Manager: „Das ist eine traurige Woche“

Der Verkauf des Berliner Verlags sorgt für Diskussionen Bild: dpa/dpaweb

Für den Verkauf des Berliner Verlags an Finanzinvestoren hat der Holtzbrinck-Verlag viel Kritik geerntet. Auf den Münchner Medientagen kamen versöhnlichere Töne: „Vielleicht können wir von denen sogar etwas lernen.“

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          Michael Grabner zog die Stirn in Falten und versank noch ein bißchen tiefer in seinem Sessel ganz rechts außen in der Diskussionsrunde auf den Münchner Medientagen.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Wie geht es ihnen?“, lautete mitfühlend die erste Frage des Moderators an den Geschäftsführer des Stuttgarter Zeitungsverlags Holtzbrinck. „Das ist eine traurige Woche“, antwortete Grabner - und im weichen Wiener Zungenschlag des Österreichers klang das noch leidender.

          Viel Verständnis für Grabner

          Grabner und sein Verlag haben herbe Kritik einstecken müssen in den vergangenen Wochen. Der Verkauf der traditionsreichen „Berliner Zeitung“ an ein als „Heuschrecken“ diffamiertes Konsortium von ausländischen Finanzinvestoren hat Holtzbrinck eine Welle der Empörung eingebracht. Solche Käufer kannte man im deutschen Zeitungsgeschäft bisher nicht. Gewerkschafter, der Journalistenverband DJV, Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass und selbst die FDP werfen den Stuttgartern vor, sie würden den Qualitätsjournalismus der Renditegier branchenfremder Finanzmanager zum Fraß vorwerfen.

          Doch nach allem öffentlichen Prügel, den Grabner bezogen hat, erntete er zumindest an diesem sonnigen Münchner Oktober-Donnerstag viel Verständnis. Die Ablehnung ausländischer Käufer im deutschen Zeitungsgeschäft setze international ein fatales Zeichen, sagte Martin Kall, Geschäftsführer des Schweizer Verlags Tamedia, der unter anderem den Zürcher „Tages-Anzeiger“ herausgibt. „Der Eindruck ist verheerend, das tut dem Land nicht gut“, klagte Kall.

          „Innovationen können wir hier brauchen“

          Auch aus dem Inland bekam Grabner Unterstützung. Er habe gar nicht gewußt, daß deutsche Großverlage solche „Engel der Zeitungen“ wären, spöttelte der Verleger Dirk Ippen („Münchner Merkur“), mit seiner Zeitungsgruppe die Nummer fünf in Deutschland.

          Gemeint war damit die breite öffentliche Empörung darüber, wie sich Holtzbrinck für die Finanz-„Heuschrecken“ als Käufer entscheiden könne, wo es doch auch honorige Interessenten aus der Branche gegeben habe, beispielsweise den Dumont-Verlag („Kölner Stadt-Anzeiger“). Ippen findet es „sehr, sehr positiv“, wenn Ausländer in deutsche Zeitungen investieren. „Vielleicht können wir von denen sogar ein bißchen etwas lernen, denn Innovationen können wir hier brauchen“, sagte Ippen.

          Schröder und Merkel wußten nicht Bescheid

          Skeptisch sieht dagegen Hans-Werner Kilz, Chefredakteur der „Süddeutschen Zeitung“ den Einstieg der ausländischen Medieninvestoren. Zwar findet auch Kilz „Haßtiraden unangemessen“. Doch kritisierte er zugleich, es ergebe „keinen Sinn, daß man deutschen Verlegern die Betätigung am Markt verbietet und die Ausländer reinläßt“.

          Kilz spielte damit auf die verzwickte Vorgeschichte des Verkaufs an: Holtzbrinck selbst hat die „Berliner Zeitung“ vor Jahren erworben, um einen wirtschaftlichen Schulterschluß mit seinem eigenen defizitären Hauptstadtblatt „Tagesspiegel“ zu schaffen. Das Bundeskartellamt untersagte dies jedoch. Und eine Sondergenehmigung von Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) hatte Grabner auch nicht bekommen. Mit der Politik hat der Verlagsmanager denn auch nichts mehr am Hut. Ob er denn Angela Merkel und Gerhard Schröder vorab über den Verkauf an die Finanzinvestoren informiert habe, wurde Grabner gefragt. Die Antwort war so knapp wie eindeutig: „Ich wüßte nicht, warum.“

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