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Medien : Berlusconi prüft Übernahme von Pro Sieben Sat.1

Pro Sieben Sat.1 könnte etwas sein für sein Medienimperium Bild: AFP

Das italienische Medienunternehmen Mediaset von Silvio Berlusconi ist an der Sendergruppe Pro Sieben Sat.1 interessiert. Der Verkaufsprozeß steht noch am Anfang. Und es gibt bereits weitere Interessenten.

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          Der italienische Politiker und Medienunternehmer Silvio Berlusconi erwägt eine Mehrheitsübernahme der größten deutschen Privatfernsehgruppe Pro Sieben Sat.1. Ein Sprecher des italienischen Fernsehkonzerns Mediaset, dessen größter Aktionär Berlusconi ist, bestätigte am Freitag, der Verwaltungsrat werde am Dienstag über ein Gebot für Pro Sieben Sat.1 entscheiden.

          Marcus Theurer
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
          Tobias Piller
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Verkaufsprozeß für die Sendergruppe, an der auch andere Investoren interessiert sind, steht allerdings noch ganz am Anfang. Die Interessenten sollen den bisherigen Eigentümern um den amerikanischen Medienunternehmer Haim Saban bis Dienstag erste, noch unverbindliche Gebote unterbreiten. Die Vorzugsaktie von Pro Sieben Sat.1 legte am Freitag an der Börse nur leicht um 0,9 Prozent auf 23,18 Euro zu.

          „Nicht unser Verständnis von Fernsehen“

          Bei deutschen Medienaufsehern stößt das Interesse von Berlusconis Mediaset auf Vorbehalte. „Berlusconi hat nie einen Hehl daraus gemacht, daß er die Medien für politische und persönliche Zwecke instrumentalisiert. Das entspricht nicht unserem Verständnis von Fernsehen“, sagte der Direktor der nordrhein-westfälischen Landesmedienanstalt, Norbert Schneider, dieser Zeitung.

          Der frühere italienische Ministerpräsident ist wegen der Verquickung von politischen und geschäftlichen Interessen auch in Italien umstritten. Rechtlich wäre gegen eine Übernahme von Pro Sieben Sat.1 durch Mediaset allerdings nichts einzuwenden, sagte Schneider: „Es gibt keine medienrechtlichen Instrumente, um einen Investor wie Berlusconi auszuschließen. Ob dieser Eigner erwünscht wäre, müßte die Politik diskutieren.“

          Politische Widerstände spielen auch eine Rolle

          Kartellrechtliche Schwierigkeiten wären nach Einschätzung von Wettbewerbsjuristen nicht zu erwarten, weil Mediaset in Deutschland bisher nicht tätig ist. Anfang des Jahres ist dagegen der Verkauf von Pro Sieben Sat.1 an den größten deutschen Zeitungsverlag Axel Springer am Veto des Bundeskartellamts und der Medienkonzentrationsaufsicht KEK gescheitert. Indirekt kritisierte Schneider am Freitag dieses Verbot für Springer: „Daß Berlusconi nicht behelligt werden könnte, Springer aber nicht kaufen durfte, wirkt medien- und kartellrechtlich eigentümlich“, sagte der Privatfernsehaufseher.

          Bei Mediaset versuchte man am Freitag die Wogen zu glätten. Im Unternehmen hieß es, daß bei der Entscheidung über ein Engagement in Deutschland nicht nur wirtschaftliche Kriterien, sondern auch mögliche politische Widerstände eine Rolle spielten. Mediaset hat sich schon vor vier Jahren um den Kauf von Pro Sieben Sat.1 bemüht. Damals machte jedoch der heutige Haupteigner Saban das Rennen.

          Bis zu zehn weitere vorläufige Interessenten

          Sollte Mediaset tatsächlich für die deutsche Fernsehgruppe bieten, müßten sich die Italiener voraussichtlich gegen mehrere andere Interessenten durchsetzen. Auf der Verkäuferseite hieß es am Freitag, in der kommenden Woche würden bis zu zehn vorläufige Offerten erwartet. Verbindliche Gebote müssen die Interessenten aber erst nach einer Unternehmensprüfung (Due Diligence) abgeben. Als mögliche weitere Bieter werden vor allem Finanzinvestoren gehandelt. Neben Apax und Goldman Sachs gelten auch die Beteiligungsgesellschaften Permira und KKR als potentielle Käufer.

          Apax ist schon an der osteuropäischen Sendergruppe CME beteiligt, Permira und KKR kontrollieren zusammen das skandinavische Fernsehunternehmen SBS. Am Freitag kursierten auch Spekulationen, Permira, KKR und Mediaset könnten sich zusammentun, um einen paneuropäischen Fernsehkonzern, der in Skandinavien, Deutschland und Südeuropa aktiv ist, zu formen.

          Deutlich höhere Forderungen als im Sommer 2005

          Saban und seine Partner führen schon seit Monaten Gespräche mit möglichen Kaufinteressenten, doch sind diese bisher an den Preisvorstellungen der Verkäufer gescheitert. Während mit Springer im Sommer 2005 noch ein Preis von bis zu 4,2 Milliarden Euro vereinbart worden war, sollen die Forderungen nun deutlich höher liegen. Angeblich sollen einige der Investoren aus dem Saban-Konsortium bis zu 30 Euro je Stück für die nicht börsennotierten Stammaktien von Pro Sieben Sat.1 verlangen und damit rund 7 Euro mehr als der Kurs der börsennotierten Vorzüge.

          Der potentielle Kaufinteressent Mediaset ist mit einem Börsenwert von 10,5 Milliarden Euro einer der großen europäischen Privatfernsehkonzerne. Das Unternehmen hat 2005 einen Umsatz von 3,7 Milliarden Euro und einen Nettogewinn von 600 Millionen Euro ausgewiesen. Pro Sieben Sat.1 verbuchte bei einem Umsatz von 2,0 Milliarden Euro einen Jahresüberschuß von 221 Millionen Euro.

          Weniger Angriffsfläche für die Politik

          Der Unternehmensgründer Silvio Berlusconi beteuert seit Jahren, daß er seit seinem Eintritt in die Politik im Jahr 1994 keine Rolle mehr in den von ihm gegründeten Unternehmen spiele. Seine Finanzholding Fininvest ist zu 35,5 Prozent an der börsennotierten Mediaset beteiligt.

          Fininvest hatte nach dem Börsengang von Mediaset 1996 zunächst die Hälfte der Anteile besessen, dann aber im Frühjahr 2005 die Beteiligung verringert, um der Politik weniger Angriffsfläche zu bieten. Gegen das Vorhaben eines vollständigen Verkaufs von Mediaset hatten sich jedoch Berlusconis 40 Jahre alte Tochter Marina und sein Sohn Piersilvio gesperrt.

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