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Medien : Amerikas Zeitungen suchen die zündende Geschäftsidee

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Website qualitativ ausgebaut, neue Leserschichten erreicht Bild: F.A.Z. - Foto Wolfgang Eilmes

Nur wenn Zeitungen ihr Bestes gäben, würden sie zu lebenswichtigen Bestandteilen ihrer Community, schreibt ein Silicon-Valley-Kolumnist in seinem Blog. Die Branche sucht Wachstumschancen im Internet. Es bleibt ihr nichts anderes übrig.

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          Er mache sich große Sorgen um die Zeitungsindustrie, sagte John S. Carroll, ehemaliger Chefredakteur der „Los Angeles Times“, als er sich im vergangenen Jahr aus dem Zeitungsgeschäft verabschiedete. In seiner Ansprache vor der Jahresversammlung amerikanischer Nachrichtenredakteure sagte er, es gebe eine Sinnkrise in der Branche. Das Goldene Zeitalter sei vorbei. Im Vergleich zum Internet muteten „unsere Druckmaschinen, jene massiven Maschinen, die ihren Besitzer vormalig ein Fast-Monopol beschafften, fast wie die letzte Dampfmaschine an“, sagte er. Die jüngeren Zeitungsleser gehen online und kommen nicht wieder. „Und die Wettbewerber stehlen uns im Netz die Anzeigenkunden.“

          Heute ist Carroll an der Harvard-Universität und betrachtet mit etwas Abstand die von ihm geliebte Industrie. Er vermisse den Redaktionsalltag, „das tägliche Wunder“ des Zeitungmachens, und er glaube an die wichtige, öffentliche Aufgabe, die Zeitungen erfüllen. Aber derzeit verwandele sich eben etliches. Die Zeitungsreporter buddeln heute die Nachrichten aus - andere würden sie lediglich verpacken, etwa Yahoo oder Google.

          Wachstumschancen vor allem im Internet

          Unterdessen stellt sich sein ehemaliger Arbeitgeber auf die neue Zeit ein. Die Los Angeles Times erreicht nicht mehr den einstigen Auflagenhöhepunkt von einer Million verkauften Exemplaren. Die jetzige Auflage liegt nach Angaben des Audit Bureau of Circulation bei rund 850.000 verkauften Exemplaren. Wachstumschancen sucht das Unternehmen, das jetzt zur Tribune Company gehört, vor allem im Internet. Im Mai erwarb die Tribune Company die Internetseite ForSaleByOwner, auf der Eigentumswohnungen und Hausverkäufe von Privat an Privat angeboten werden. Die Tribune Company besitzt insgesamt 50 Internetseiten, unter anderem Apartments.com und Cars.com, und ist nach eigenen Angaben auf der Suche nach weiteren Internetobjekten.

          Laut einer Studie von Outsell, einem kalifornischen Marktforschungsunternehmen, das sich auf die Informationsbranche spezialisiert hat, sind amerikanische Leser auch im Internet-Zeitalter ihrer Tageszeitung treu, wenn sie Lokalnachrichten erfahren wollen. Um den Informationsbedarf an internationalen und nationalen Nachrichten zu decken, liegen hingegen die Fernsehsender vorne. Danach folgen Portale wie Yahoo oder Google, und erst an dritter Stelle rangieren die Tageszeitungen. Traditionelle Zeitungsinhalte wie Gesundheitsinformation, Finanznachrichten und Reiseinformationen suchen sich die Leser inzwischen aus verschiedenen Quellen in der Online-Welt zusammen, haben die Marktforscher herausgefunden. Die Gründe: höhere Aktualität und die Möglichkeiten, Preise zu vergleichen und direkt online kaufen zu können.

          „My USA Today“

          Manche Zeitungen versuchen sich an diesen Bedürfnissen zu orientieren. „USA Today“, die auflagenstärkste Zeitung in den Vereinigten Staaten mit 2,27 Millionen täglich verkauften Exemplaren, stellt gerade My USA Today vor. Dieser Dienst gibt Lesern die Möglichkeit, die Zeitung online zu lesen und sie gleichzeitg zu personalisieren - mit gezielten Nachrichten aus den Quellen und Blogs, die sich die Leser jeweils wünschen.

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