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Christoph Krachten im Gespräch : „Klassisches Fernsehen gibt’s noch maximal fünf Jahre“

Hat genügend „street-credibility“: Christoph Krachten, 51, Youtube-Unternehmer der ersten Stunde. Bild: Picture-Alliance

Christoph Krachten ist Youtube-Unternehmer der ersten Stunde. Im Interview spricht er über Teenie-Stars im Netz, Product-Placement in Schminkvideos und öffentlich-rechtliches Oma-Fernsehen.

          Herr Krachten, Sie sind Youtube-Pionier. Erklären Sie uns, wieso Mädchen zu Stars werden, nur weil sie Schminktipps geben?

          Bettina Weiguny

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Weil sich vieles im Netz darum dreht, der Jugend die Welt zu erklären. Und Youtuberinnen wie Bibi und Daaruum zeigen Hunderttausenden von Mädchen witzig und charmant, wie sie sich richtig schminken.

          Warum himmeln Mädchen andere an, die ihnen zeigen, wie man einen Lidstrich zieht und welcher Lipgloss gerade angesagt ist?

          Jedes heranwachsende Mädchen hat Angst, etwas falsch zu machen, gerade beim Schminken. Aber sie weiß: Wenn sie es macht wie Bibi, deren Videos jeden Monat millionenfach geklickt werden, ist das im Zweifel nicht falsch. So lernt die Jugend heute zu leben - über ihre Vorbilder. Auf Youtube geht es nicht nur ums Schminken ...

          Sehr beliebt sind auch Modetipps.

          Youtube spiegelt all das wider, was in den alten Medien Erfolg hat. Ich habe gerade für Edeka eine Kochshow entwickelt. Andere Künstler machen Musik oder Comedy. Oder nehmen Sie Lefloid, einen der bekanntesten Youtuber, der erklärt der Jugend Politik und Wirtschaft. Diese Themen interessieren die junge Generation sehr.

          Mal ehrlich: All diese Namen sagen uns nichts. Haben wir etwas verpasst?

          Wenn Sie über 25 Jahre alt sind, brauchen Sie kein schlechtes Gewissen zu haben. In dem Alter verläuft ein Bruch zwischen den Generationen, eine „digital gap“.

          Was genau meinen Sie damit?

          Wer jünger ist als 25, kennt die Namen. Das sind seine Stars, das ist seine Welt. Fragen Sie dagegen einen 30-Jährigen, reagiert der wie Sie: Nie gehört. Es sei denn, die Kinder spielen den Eltern mal ein Video vor. Das sind zwei völlig getrennte Welten. Die Jugend hat sich in ihrer Mediennutzung völlig abgekoppelt von den Eltern.

          Deutschlands Youtube-Helden, millionenfach geklickt: Bibi, hier mit Youtube-Freund Julian, gibt Schminktipps.

          Jeder Youtuber träumt vermutlich von einer Karriere wie Justin Bieber, der durch Youtube zum Weltstar wurde. Davon ist in Deutschland nichts zu sehen.

          Auch in Deutschland füllen Youtuber mittlerweile Hallen mit jugendlichen Fans, viele Künstler-Touren sind komplett ausverkauft.

          Und zehnjährige Mädels kreischen vor Glück, wenn sie ein Selfie mit einem ihrer Helden machen können?

          Wie früher bei den Beatles, nur gab es da noch keine Selfies.

          Können Youtuber in Deutschland reich werden?

          Die Masse nicht. Aber es gibt einige, da funktioniert das schon ganz gut. Dazu gehören auch Bibi, Lefloid, Daaruum, Y-Titty. Die haben eine riesige Fangemeinde und Millionen Klicks im Monat.

          Ein Klick bringt noch kein Geld.

          Das stimmt. Aber wer viele Klicks hat, der wird interessant für Werbung und Product Placement ...

          ... also Schleichwerbung.

          Product Placement ist eben keine Schleichwerbung. Nur wenn ich transparent bin und das Produkt zu mir passt und ich es nicht bewerbe, funktionieren die Placements.

          Monologe über Mode und Schönheit: Daaruum, die mit bürgerlichen Namen Nilam Farooq heißt.

          Sie haben 2011 Mediakraft gegründet, einen Vermarkter von Youtubern. Werden Karrieren im Netz professionell gemacht?

          Nein, so ist es nicht. Netzwerke unterstützen die Youtuber zunächst und bieten ihnen eine Menge Know-how. Dann stellen sie den Newcomern Reichweite zur Verfügung und vermarkten sie zusätzlich. Die Professionalisierung kommt dann von selbst.

          Öffnet Youtube die Tür zum Fernsehen?

          Youtube ermöglicht jungen Menschen, ihr Publikum ohne TV-Sender zu erreichen. Manche von ihnen wären nie durch ein Casting gekommen, weil sie unglaublich schüchtern sind, erst vor der Kamera aufblühen. Nur wenige wollen ins Fernsehen, weil sie dort fremdbestimmt sind von Redakteuren. Aber es gibt Ausnahmen wie Daaruum, die eigentlich Nilam Farooq heißt. Die hat bereits ihre ersten Tatort-Auftritte und eine feste Rolle in „Soko Leipzig“.

          Wie kommt es zu diesem digitalen Bruch? Eltern sind doch auch auf Facebook oder twittern.

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