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Mecklenburg-Vorpommern : Auf Abstand zu Facebook und Twitter 

  • -Aktualisiert am

Bild: dpa

Die meisten Landesregierungen nutzen die sozialen Medien kaum. Es bringe nichts, heißt es aus Mecklenburg-Vorpommern. Stimmt das?

          Erwin Sellering kann man wirklich nicht als großen Nutzer der sozialen Medien bezeichnen. Bei Twitter gibt es zwar einen Account von ihm, dessen Echtheit ist aber nicht bestätigt. Angelegt wurde er im Dezember 2009, der erste und einzige Tweet im Mai 2010 wurde mit dem Worten „test test test“ abgesendet. Seine Facebookseite ist nach Angaben der Webseite pluragraph.de seit Mitte August inaktiv.

          Der Ministerpräsident Mecklenburg-Vorpommerns scheint mit gutem Vorbild die Strategie seiner Landesregierung umzusetzen. In Zukunft wolle man in den sozialen Medien „eher zurückhaltend bleiben“, sagte sein Regierungssprecher am Mittwoch.

          Erwin Sellering: Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern

          Aus Sicht des Datenschutzes gibt es zumindest Argumente dafür. Gabriel Schulz, stellvertretender Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit, sagt, die Plattformen stünden nicht im Einklang mit deutschen und europäischen Datenschutzstandards. Ein Gutachten der Technischen Universität, das am 21, Oktober vorgestellt werden soll, unterfüttere seine Sicht der Dinge.

          So berechtigt die Sorge um die Daten ist, so wenig Verständnis dürfte es vor allem bei den jüngeren Menschen dafür geben, sich den sozialen Medien ganz zu entziehen. Die Staatskanzlei in Baden-Württemberg ist daher auch ganz anderer Ansicht als die Kollegen aus dem Norden. „Eine Regierung, die es mit der direkten Kommunikation mit den Bürgerinnen und Bürgern ernst meint, kann diesen neuen Kommunikationsraum nicht ignorieren, sondern sollte dort präsent sein, wo die Bürgerinnen und Bürger sich austauschen“, sagt Tilo Berner, Leiter des Referats Online-Kommunikation der Staatskanzlei. Viele Menschen würden zudem von sich aus nie auf die Idee kommen, die Webseite einer Landesregierung zu besuchen. Wenn man also die Bürger überhaupt irgendwie über das Internet erreicht werden wolle, seien solche Netzwerke genau das Richtige.

          Für ihn bieten die sozialen Netzwerke wie Facebook oder Twitter außerdem die Chance für eine neue Qualität der politischen Kommunikation. Die Nutzer seien hier nicht mehr nur passive Konsumenten, die Informationen lediglich konsumierten, sondern könnten selbst aktiv werden, sich einbringen und Statements posten. „Die Chance ist also, dass wir wegkommen von der klassischen Einwegkommunikation von oben nach unten“, sagt er.

          Doch genau das ist momentan noch das Problem vieler politischer Accounts in den sozialen Medien. Zu diesem Fazit kommt zumindest Martin Fuchs, Politikberater aus Hamburg. Unter hamburger-wahlbeobachter.de hat er sich Anfang Oktober die Twitter-Accounts der Landesministerien und Staatskanzleien angeguckt und hat festgestellt, dass die meisten unter Ausschluss der Öffentlichkeit arbeiten. Seiner Meinung nach liegt das vor allen Dingen daran, dass viele Accounts schlecht betrieben werden.

          Ein Blick auf den Account der rheinlandpfälzischen Staatskanzlei zeigt etwa, welche Probleme Staatskanzleien und Ministerien haben. Einerseits werden dort viele Fotos und Bilder getweetet. Auch ist die Zahl der Follower mit knapp 6000 ist durchaus in Ordnung. Anderseits sind die Bilder sehr eintönig, meistens schaut Frau Dreyer sich irgendwelche Dinge an. Außerdem findet dort überhaupt keine Interaktion statt, was aber, folgt man der Argumentation Berners aus Baden-Württemberg, der eigentliche Vorteil der sozialen Medien ist.

          Den Account seiner Staatskanzlei aus Baden-Württemberg erhielt von Fuchs daher auch mit die beste Bewertung in der Auswertung, weil Berner und sein Team genau diese Interaktion betreiben: „Das Team hinter @RegierungBW macht in meinen Augen sehr vieles sehr richtig“, schreibt Fuchs als Zusammenfassung. Es gebe circa vier Tweets am Tag und 140 Tweets im Monat, was eine sehr ordentliche Quote sei. Erfrischend findet er auch die Lust an der Interaktion. Auf Fragen zu den verschiedensten Themengebieten, auch zu kritischen Themen, wird schnell und kompetent geantwortet - meist noch mit Verweis auf weitere Informationen auf den Webseiten der Landesregierung, schreibt er in seiner Analyse. Nur einen Kritikpunkt hat er: „Leider weiß man nicht, wer aus der Regierung beziehungsweise aus der Online-Redaktion twittert“. Weder in der Beschreibung noch anhand von Kürzeln in Tweets gebe es einen Verweis auf die Autoren hinter dem Account. Hier würde seiner Meinung nach ein mehr an Personalisierung die Wahrnehmung und Interaktion der Tweets noch erhöhen. Online-Leiter Berner denkt über diese Kritik nach, hat sich aber noch nicht entschieden, ob und was sie ändern wollen. Als diese Anregung auf der Facebookseite des Ministerpräsidenten Kretschmann aufkam, die das Team auch betreut, reagierte er aber. Dort geben sie sich mittlerweile zu erkennen.

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