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Mark Hurd, Hewlett-Packard-Chef : „Viele Leute waren zu optimistisch“

  • Aktualisiert am

Mark Hurd, Vorstandsvorsitzender von Hewlett-Packard Bild: AFP

Mit dem Smartphone-Hersteller Palm hat Mark Hurd große Pläne: Die Handy-Software von Hewlett-Packards jüngstem Neuzugang soll helfen, um in den Markt für Tablet-Computer vorzudringen. Das könnte Dynamik in die Branche bringen - und Microsoft betreffen.

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          Mark Hurd macht kein Geheimnis mehr daraus, was für ein Handy er benutzt. „Ich habe gerade ein Palm Pre bekommen“, erzählt der Vorstandsvorsitzende des amerikanischen Technologiekonzerns Hewlett-Packard (HP) begeistert im Gespräch mit dieser Zeitung. Dieses Smartphone gehört jetzt offiziell zur HP-Familie, denn Anfang des Monats hat das Unternehmen den Kauf des Mobiltelefonherstellers Palm für rund eine Milliarde Dollar vollzogen. Nicht verraten will Hurd indessen, welches Gerät er vor dem Palm Pre hatte. War es vielleicht kein Produkt aus eigenem Hause? Das Smartphone-Geschäft von HP mit der Modellreihe „iPaq“ war nämlich bislang alles andere als vorzeigbar. Anders als in seinen meisten anderen Geschäften von Personalcomputern über Drucker und Netzwerkrechner (Server) bis zu Computerdienstleistungen, wo HP zu den ersten Adressen gehört, spielt das Unternehmen im Handymarkt bislang keine Rolle. Die Umsätze sind vernachlässigbar und schrumpfen immer weiter.

          Nun soll die Akquisition einen Sprung nach vorne bringen, aber sosehr sich Hurd an seinem neuen Palm Pre erfreut: Es geht ihm bei dem Zukauf eigentlich gar nicht um die Geräte selbst. „Palm ist ein Software-Deal“, sagt er. Hurd gibt zu, dass er es vor allem auf das Betriebssystem Web OS abgesehen hat, das in den Palm-Handys zu finden ist. Diese Software soll künftig weit über Handys hinaus in vielen Produkten von HP zum Einsatz kommen. Sie soll HP zum Beispiel beim Vorstoß in den Markt für Tablet-Computer helfen, der seit dem Verkaufsstart des iPad von Apple im April ein geradezu explosionsartiges Wachstum erlebt. Aber auch in weniger offensichtlichen Produktkategorien sieht Hurd Verwendung für sein neues Betriebssystem. So setzt HP in seiner Druckersparte derzeit auf eine Serie neuer Geräte, die mit dem Internet verbunden sind und nicht mehr auf den Anschluss an einen Personalcomputer angewiesen sind. Diese Drucker brauchen eine leistungsfähigere Software, und hier könnte nach den Worten von Hurd Web OS zum Zuge kommen.

          Hurd will auch in die Hardwareseite im Handygeschäft investieren

          Dass HP nun ein Betriebssystem unter seinem Dach hat, bringt eine ganz neue Dynamik in das Ökosystem der Technologiebranche. Denn bislang hat sich HP bei Betriebssystemen vor allem auf den Softwarekonzern Microsoft verlassen. Dessen Betriebssystem Windows findet sich zum Beispiel auf den Personalcomputern von HP und wurde auch auf künftigen Tablets oder Slates erwartet. Microsoft-Vorstandsvorsitzender Steve Ballmer präsentierte sogar im Januar auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas den Prototyp eines Windows-betriebenen Slate-Computers von HP. Dieses Produkt lässt aber bis heute auf sich warten.

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          Mark Hurd versucht, mit Blick auf das Verhältnis zu Microsoft diplomatisch zu sein: „Wir haben eine sehr enge Partnerschaft mit Microsoft, und das wird auch in Zukunft so sein.“ Er gibt aber zu, dass sich nach der Palm-Akquisition die Ausgangslage etwas verändert hat: „Wir wollen Web OS voranbringen.“ Der Schwerpunkt auf der Software wirft die Frage auf, welche Zukunft die Handys von Palm und auch die Marke Palm unter dem Dach von HP haben werden. Hurd sagt, grundsätzlich wolle er die Marke HP forcieren. Die Marke Palm müsse deswegen zwar nicht untergehen, aber sie könne in den Hintergrund rücken, zum Beispiel als eine Art Submarke, ebenso wie es zum Beispiel HP Pavilion bei Personalcomputern sei. Allgemein gibt Hurd ein klares Bekenntnis ab, auch in die Hardwareseite im Handygeschäft investieren zu wollen.

          Hurd sieht HP hier so breit aufgestellt wie kein anderes Unternehmen

          Palm war nur die jüngste in einer ganzen Serie von Akquisitionen für HP. Erst vor wenigen Monaten hat das Unternehmen für 2,7 Milliarden Dollar den Netzwerkausrüster 3Com gekauft und nahm damit auf diesem Gebiet den Marktführer Cisco Systems ins Visier. 2008 übernahm HP für 13 Milliarden Dollar den Computerdienstleister EDS und verstärkte sich damit im Wettbewerb mit IBM. Allen drei Neuzugängen war gemeinsam, dass ihre besten Zeiten schon weiter in der Vergangenheit liegen. Hurd betont, HP habe bei diesen wie bei allen Übernahmen strenge Kriterien angelegt, und jede Akquisition sei aus strategischen, finanziellen und operativen Gesichtspunkten sinnvoll. Er weist auch von sich, dass er sich zu viele Baustellen aufgehalst haben könnte. „Wir würden nichts kaufen, das wir nicht stemmen können.“

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