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Lizard Squad : Wer sind die Hacker von Xbox und Playstation?

Am ersten Weihnachtsfeiertag gab es keinen Krieg auf der Playstation. Hier eine Szene aus dem Spiel „Call of Duty: Advanced Warfare“ Bild: AP

Am ersten Weihnachtsfeiertag sind die Netze von Xbox und Playstation ausgefallen. Dahinter steckt wahrscheinlich eine neue Hacker-Gruppe – und ein Kleinkrieg im Internet.

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          Wenn die Besitzer von Playstations und Xboxes nicht mehr im Internet gegeneinander spielen können, weil ein Hackerangriff die Netzwerke lahmgelegt hat - ist dann Nordkorea Schuld? Das Land, mit dem Playstation-Hersteller Sony in den vergangenen Wochen Streit um den Film „The Interview“ hatte?

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nicht unbedingt. Die Verantwortung hat jemand anderes übernommen: eine Hackertruppe namens „Lizard Squad“ („Eidechsen-Truppe“). Das ist ein Name, den man sich merken muss. Die Eidechsen-Leute scheinen hinter mehreren Angriffen auf Videospiel-Netzwerke in den vergangenen Monaten zu stecken. Und dann spielt in der Geschichte auch noch der umstrittene Internet-Unternehmer Kim Dotcom eine Rolle.

          Aber der Reihe nach. „Lizard Squad“ ist schon im August aufgefallen. Damals bekannte sich die Gruppe zu einem ähnlichen Angriff auf Sonys Playstation-Netzwerk. Es geht um so genannte „DDOS“-Attacken. Dabei schicken viele Computer rund um die Welt gleichzeitig Anfragen an Sony – Sonys Netz wird überlastet und fällt aus. Meistens schaffen das die Hacker, indem sie Tausende von Privatcomputern knacken und die verhängnisvollen Anfragen schicken lassen. Die Besitzer der Computer bekommen davon oft gar nichts mit.

          Kampf der Hacker-Gruppen

          Im August allerdings blieb es nicht bei einem Angriff auf Sonys Netzwerk. Auch der Chef von Sonys Onlinespiele-Sparte John Smedley musste in einem Flugzeug seine Route ändern, offenbar weil er eine Bombendrohung erhalten hatte. Falls überhaupt eine politische Motivation hinter den Angriffen steckt, kommt die eher von Islamisten als von Nordkorea. „Heute hissen wir die Isis-Fahne über den Sony-Servern“, twitterte „Lizard Squad“ im August.

          Anfang Dezember fielen wieder einige Spielenetzwerke aus – und „Lizard Squad“ drohte: An Weihnachten komme noch mal ein großer Angriff. Daraufhin formierte sich eine Gruppe von anderen Hackern, um „Lizard Squad“ zu bekämpfen. Sie nannte sich „Finest Squad“ („vornehmste Truppe“). Offenbar sorgte sie dafür, dass einige Twitter-Konten der „Lizards“ gesperrt wurden. Außerdem brüstete sie sich damit, sie habe der Polizei einen „Lizard“-Hacker geliefert, und verwies auf die Festnahme eines 17-Jährigen im Dezember in Kanada.

          Den Angriff am ersten Weihnachtsfeiertag allerdings verhinderten sie so nicht. An Weihnachten sind die Spiele-Netzwerke sowieso unter Hochlast, weil die Konsolenbesitzer Zeit haben und viele neu geschenkte Konsolen und Spiele ausprobiert sein wollen. Doch es war offenbar eine weitere „DDOS“-Attacke, die zum Ausfall der Spielenetze führte. Die „Lizard Squad“ sagt, sie habe dazu dieses Mal die Schaltzentralen von Untersee-Internetkabeln gehackt.

          Kim Dotcom bei einer Anhörung im neuseeländischen Parlament.

          Vielleicht hat allerdings ein anderer etwas damit zu tun, dass die Spiele am zweiten Weihnachtsfeiertag wieder funktionierten: der umstrittene deutsche Internet-Unternehmer Kim Dotcom, der heute in Neuseeland wohnt und arbeitet. Kim Dotcom hat einst die Internet-Tauschbörse Megaupload gegründet. Jetzt hat er mit einer Reihe Urheberrechts-Prozessen zu kämpfen, die neuseeländische Polizei hat sein Landgut gestürmt, er steht unter einer Art Hausarrest und sagt von sich selbst, er sei „offiziell pleite“. Aber er hat ein Unternehmen namens „Mega“ gegründet, das extrem verschlüsselten Speicherplatz im Internet anbietet.

          Kim Dotcom brüstet sich nun damit, er habe die „Lizard Squad“ zum Abbruch des Angriffs bewegt – indem er ihnen 3000 kostenlose Konten für Mega angeboten habe. Dafür wiederum bedankte sich die „Lizard Squad“, und tatsächlich liefen die Spiele bald danach wieder.

          Er droht, alle kostenlosen Konten zu deaktivieren, wenn „Lizard Squad“ die Spielenetze noch einmal angreift. Was die Hacker jetzt tun, ist ungewiss. Auf Twitter haben sie sich mit einem „Goodbye for now“ fürs erste verabschiedet.

          Nach Nordkorea scheint dagegen bis jetzt tatsächlich keine Spur zu führen. Dass der Angriff kurz nach dem Streit um den Film „Interview“ kam, könnte ein einfacher Zufall sein.

          Lesen Sie auch: Gibt es einen Zusammenhang zwischen Videospielen, Horrorfilmen und realer Gewalt? Die Stetson-Universität in Florida sagt: nein.

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