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Künstliche Intelligenz : Aufstieg der Computer-Gehirne

Was möglich ist und auf welchen Feldern Computer Menschen mindestens ebenbürtig sein werden, zeigt sich gegenwärtig: Der IBM-Computer Watson hilft, Krebspatienten zu behandeln. Er hat in einem Experiment sogar teilweise bessere Therapien vorgeschlagen als Fachärzte – auch weil er teils offenbar neue Forschungspapiere „kannte“, die noch nicht alle Mediziner gelesen hatten. Google wiederum lässt seit kurzem seinen Übersetzungsdienst mit künstlicher Intelligenz arbeiten. Auch das ist bedeutender, als es klingt, denn: Wie leicht wir mit Computern kommunizieren können, entscheidet mit darüber, wie sehr wir sie in unseren Alltag lassen.

Die Antwort auf die Frage, ob Computer einmal schlauer als wir Menschen sein werden, lautet darum wohl: Ja, mindestens in begrenztem Umfang und natürlich je nachdem, was wir als intelligent verstehen. In vielen sehr speziellen Tätigkeiten, vor allem in jenen, die klar messbar und definierbar sind, werden Computer Menschen überholen oder haben dies schon getan. So ähnlich wie die industrielle Revolution menschliche Muskelkraft und Körperfertigkeit vielfach neutralisierte, wird der Aufstieg der Computer dies mit der Geisteskraft tun. Schon heute können Computer beispielsweise komplizierte Berechnungen schneller durchführen als Menschen, können in großen Datenmengen schneller Muster erkennen. Spannend ist, ob diese Entwicklung die Menschen ängstigen sollte. Niemand sorgt sich (hoffentlich) oder ist eifersüchtig auf Taschenrechner oder auf Autos, weil sie schneller fahren können als der schnellste Mensch rennen kann.

Fundamental bedeutend wird die Frage, wenn es darum geht, ob Computer wirklich einmal in nahezu allen Belangen gleichzeitig überlegen sein werden. Und besonders in Kombination  von Fortschritten in der Biologie, Biotechnologie, Neurowissenschaft und Genetik. Ray Kurzweil, ein amerikanischer Technologie-Vordenker und Unternehmensgründer, der mittlerweile in führender Position für Google arbeitet, hat schon viel darüber geschrieben, wie Menschen und Computer quasi miteinander „leben“ oder gar verschmelzen. „Computer waren zunächst eine Erweiterung unseres Verstandes, und am Ende werden sie unseren Verstand erweitern. Die Maschinen sind schon heute ein integraler Bestandteil unserer Kultur.“

Er hält auf mittlere bis lange Sicht durchaus Szenarien für möglich, in denen sich viele Menschen freiwillig für Neuro-Implantate entscheiden, die sie viel direkter mit Computern verbinden als das Smartphone in der Hosentasche. Der Physiker Stephen Hawking ging sogar noch weiter, als er einmal die Möglichkeit einer technologischen, von Computern betriebenen eigenen Evolution ins Gespräch gebracht hatte, die schneller sein werde als die biologische.

Das ist natürlich ungeheuer vage, die sehr ferne Zukunft, und ganz und gar nicht unbeeinflussbar von uns. Nur gedanklich komplett ausschließen sollte man wohl keine einigermaßen durchdachte Utopie wie Dystopie. Vielmehr dürfte gelten, was der Mathematiker John von Neumann schon im Jahr 1949 sagte: „Es scheint, dass wir die Grenzen dessen erreicht haben, was mit Computertechnologie möglich ist, allerdings sollte man mit solchen Aussagen vorsichtig sein, denn fünf Jahre später klingen sie oft ziemlich dumm.“

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