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Künstliche Intelligenz : Aufstieg der Computer-Gehirne

Herausforderung für die Menschheit

Faktisch ging es damals noch nicht um Fragen wie die, ob womöglich die Zukunft der gesamten Menschheit infrage steht infolge der Entwicklung schnellerer und besserer Computer. „Wenn McCarthy einen eher langweiligen Begriff verwendet hätte, der nicht eine Herausforderung der menschlichen Dominanz und Erkenntnisfähigkeit suggerieren würde, (…) würde Fortschritt auf diesem Gebiet wohl eher als das erscheinen, was es ist - das andauernde Fortschreiten der Automatisierung“, schreibt der amerikanische Unternehmer und IT-Experte Jerry Kaplan in seinem lesenswerten Einführungsbuch über „künstliche Intelligenz“.

Gleichwohl ist die Dartmouth-Konferenz so etwas wie die Geburtsstunde der künstlichen Intelligenz als eigener wissenschaftlicher Disziplin, auch wenn nicht jeder darunter exakt dasselbe versteht und eine genaue Definition des Begriffs ohnehin schwierig ist. McCarthy beschrieb die Aufgabe des Faches als „Erschaffen einer Maschine, die sich so verhält, dass man dies intelligent nennen würde, wenn ein Mensch sich so verhielte“. Jerry Kaplan erklärt ergänzend dazu: „Die Essenz von künstlicher Intelligenz - tatsächlich die Essenz von Intelligenz überhaupt - ist die Fähigkeit, zügig probate Verallgemeinerungen zu treffen auf Basis begrenzter Daten.“

Das Interesse an dem Gebiet wuchs rasch. Allen Newell und Herbert Simon, der später einmal den Wirtschaftsnobelpreis bekommen sollte, konstruierten ein Programm (Logic Theory Machine), das mathematische Theoreme beweisen konnte. In den sechziger Jahren dann trat die Defence Advanced Research Projects Agency (Darpa) des amerikanischen Verteidigungsministeriums als Geldgeber auf den Plan und finanzierte drei Forschungslabore für künstliche Intelligenz am MIT in Boston, an der Stanford-Universität und an der Carnegie-Mellon-Universität.

Schach, Go, Jeopardy

In der Folge hat es immer wieder Hochphasen und Zeiten der Ernüchterung auf dem Gebiet gegeben, sogenannte „AI-Winter“, in denen teils überoptimistische Ankündigungen von Forschern ein klägliches Rendezvous mit der Realität erlebten. Für großes öffentliches Interesse und Begeisterung wiederum sorgte in der jüngeren Vergangenheit beispielsweise, als der Computer Deep Blue im Jahr 1997 einen Zweikampf gegen den damaligen Schachweltmeister Gary Kasparow gewann. IBM hatte dafür drei Forscher von der Carnegie-Mellon-Universität angeheuert.

Auf den Sieg des Computers folgte eine Debatte über das Verhältnis von menschlicher und maschineller Intelligenz. „Schach wurde lange für eine unnachgiebige Bastion intellektuellen Vermögens gehalten, die voraussichtlich jedem Versuch von Automatisierung widersteht“, erinnert sich Kaplan. Jahre später gewann IBMs Supercomputer Watson ebenfalls öffentlichkeitswirksam das Quizformat „Jeopardy“.

Vor einem Jahr wiederum besiegte ein Programm, das Mitarbeiter von Googles Abteilung für künstliche Intelligenz „Deep Mind“ erschaffen hatten, den Weltmeister im traditionsreichen Brettspiel Go. Auch das ging durch die Medien – und vollkommen zu Recht. Go beinhaltet wesentlich mehr Zugmöglichkeiten als Schach;  durch den mathematisch-technischen Ansatz, mit dem Deep Blus Kasparow geschlagen hatte, wäre das nicht lösbar gewesen.

Computer therapiert Krebs

Weniger öffentlich, dafür für das Fach bedeutender, haben vor einigen Jahren der Computerexperte Andrew Ng von der Stanford-Universität und der Google-Mitarbeiter Jeff Dean beigetragen. Sie hatten 16.000 Prozessoren zusammengeschaltet und dann ein Programm zehn Millionen Youtube-Videos mehrere Tage anschauen lassen, also eine gewaltigen Datenmenge. Der Computer hatn dabei von selbst Unterscheidungen gelernt. „Wir haben ihm während des Trainings nie gesagt ,Das hier ist eine Katze'", sagte Dean danach. „Er erfand im Grunde das Konzept einer Katze.“ Das ist der Kern der neuen Forschung und die große Hoffnung: Computer sollen selbständig lernen, indem sie mit einer dem menschlichen Gehirn nachempfundenen Software ausgestattet werden.

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