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Korruption bei Infineon : Zitzewitz hat angeblich schon gestanden

  • Aktualisiert am

Kooperativ nach dem Rücktritt: Zitzewitz Bild: dpa/dpaweb

Die Ermittler scheinen nach der spektakulären Durchsuchungsaktion in Deutschland und der Schweiz zuversichtlich zu sein, bald weitere Details zur Korruption bei Infineon bekanntgeben zu können.

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          Im Fall Andreas von Zitzewitz kommen die Ermittler der Abteilung XII der Staatsanwaltschaft München I gut voran. Der Grund ist offenbar, daß der am Wochenende zurückgetretene Vorstand von Infineon schon im Verhör am Freitag nach einigen Stunden in Untersuchungshaft zugegeben hat, Zahlungen von der Schweizer Sportsponsoring-Agentur BF Consulting erhalten zu haben. Am Dienstag war von einem umfassenden Geständnis die Rede. Eine Stellungnahme der Staatsanwaltschaft war nicht zu erhalten.

          Die Ermittler scheinen nach der spektakulären Durchsuchungsaktion am vergangenen Freitag mit rund 100 Beamten an mehr als einem Dutzend Orten in Deutschland und der Schweiz zuversichtlich zu sein, bald weitere Ergebnisse bekanntgeben zu können. Hinweise darauf hat diese Zeitung am Dienstag erhalten. "Nach vorsichtiger Bewertung der bisherigen Ermittlungsergebnisse hat sich der Verdacht der Zahlungen bestätigt", hatte der Leitende Oberstaatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld am Montag berichtet (F.A.Z. vom 19. Juli).

          Kooperation für eine geringere Strafe

          Denkbar ist, daß sich Zitzewitz und sein Verteidiger kooperativ verhalten, um das Strafmaß zu begrenzen. Für Bestechlichkeit in einem besonders schweren Fall droht nach Paragraph 300 des Strafgesetzbuches eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren. So ehrlich soll Zitzewitz nicht gewesen sein, als ihn der Aufsichtsratsvorsitzende Max Dietrich Kley schon im vergangenen Jahr gefragt hatte, ob die Vorwürfe zutreffend seien. "Bei meinem Offiziers-Ehrenwort: Nein", hat der damalige Vorstand geschworen, wie in München erzählt wird. Dabei soll er nicht einmal bei der Bundeswehr gewesen sein.

          Die Mitarbeiter der Speicherchipsparte, für die Zitzewitz verantwortlich war, bedauern den Verlust ihres bisherigen Chefs. "Es herrscht Betroffenheit, weil wir nun mehr oder weniger führungslos sind", sagt einer der Beschäftigten in München. Es dauere einige Zeit, bis sich Vorstandsvorsitzender Wolfgang Ziebart als kommissarischer Leiter in das Geschäft eingearbeitet habe. Mit Kopfschütteln reagiert der Mitarbeiter darauf, daß sich Zitzewitz offenbar wegen 259000 Euro strafbar gemacht hat. "Wir fragen uns, warum ein gutverdienender Vorstand für relativ wenig zusätzliches Geld ein so großes Risiko eingeht", erzählt er.

          "Hat aber keiner"

          Ähnlich kommentiert die IG Metall auf ihrer Infineon-Seite im Internet den Verdacht der Untreue und Bestechlichkeit gegen Zitzewitz. Die Gewerkschaft weist darauf hin, daß der Autorennsport extrem teuer ist. "Rückblickend hätte man sich also schon 1999 fragen können und sollen, wie bedeutende Teile des Infineon-Vorstands sich ein derart aufwendiges Hobby leisten konnten und wie sie es finanziert haben", schreibt die IG Metall. "Hat aber keiner." Außer Zitzewitz und Schumacher ist auch der 2003 ausgeschiedene Vorstand Sönke Mehrgardt Rennen gefahren. In einer Stellungnahme hat Aufsichtsratschef Kley inzwischen bestätigt, der im März 2004 geschaßte Vorstandschef Ulrich Schumacher habe "unter anderem Behauptungen der BF Consulting vorgelegt, die sich gegen Dr. von Zitzewitz richteten". Intern als auch durch unabhängige Externe habe der Aufsichtsrat unverzüglich und gründlich die Vorwürfe untersuchen lassen. Im Unternehmen und bei BF Consulting sei eine Revision vorgenommen worden. Belege für die schweren Anschuldigungen hätten sich aber nicht gefunden.

          Den Spieß umgedreht

          Im Streit mit der Schweizer Agentur, die mit Ausnahme des einjährigen Engagements in der Formel 1 bei Jordan-Honda alle anderen Motorsport-Engagements von Infineon vermittelte, hat Infineon den Spieß inzwischen umgedreht. BF Consulting hatte dagegen geklagt, daß der Halbleiterkonzern den Vertrag im Frühjahr 2004 gekündigt hat. Im Januar dieses Jahres wies das Landgericht München die Klage ab, weil es sich für nicht zuständig hielt, und verwies an ein Schiedsgericht.

          Seit Februar jedoch macht Infineon mit einer Klage finanzielle Ansprüche gegen die Schweizer geltend. Die Untersuchungen aufgrund der Anschuldigungen gegen Zitzewitz hätten "gezeigt, daß Infineon durch BF Consulting systematisch Projekte und Leistungen zu hoch abgerechnet wurden und wahrscheinlich auch erhebliche Gelder vorenthalten wurden", heißt es in der Stellungnahme von Aufsichtsratschef Kley.

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