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Konkurrenz für Viva & Co : Internet-Musiksender Vevo startet in Deutschland

  • Aktualisiert am

Vevo gibt’s jetzt auch in Deutschland. Bild: dpa

Mit 75.000 Musikvideos startet der amerikanische Dienst Vevo nun auch in Deutschland. Er will unabhängiger von Youtube werden und hat sich längst mit der Gema geeinigt.

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          Internet-Nutzer in Deutschland können sich seit diesem Dienstag über einen weiteren Anbieter die neuesten Musikvideos online ansehen: Der amerikanische Dienst Vevo ist auch hierzulande gestartet. Anders als in anderen Ländern agiert Vevo in Deutschland auf eigene Faust ohne eine Partnerschaft mit Youtube. Denn die Google -Tochtergesellschaft steckt in einem lähmenden Streit mit der Verwertungsgesellschaft Gema fest.

          Vevo gelang es hingegen, sich in zwei Jahre langen Verhandlungen mit der Gema zu einigen, wie der für das internationale Geschäft zuständige Manager Nic Jones sagte: „Die Gespräche begannen zwar mit Forderungen, bei denen kein nachhaltiges Geschäft für uns möglich war, aber wir haben schließlich eine annehmbare Lösung gefunden.“ Vevo richtete ein eigenes Büro in Berlin ein - und das werde auch bleiben, wenn sich Youtube irgendwann mit der Gema einigen sollte, betonte Jones.

          Vevo gehört Sony und dem weltgrößten Musikkonzern Universal Music. Der Dienst ist kostenlos und finanziert sich über Werbung. Deshalb wird nach jeweils drei Musikvideos ein Werbeclip eingespielt. Vevo hat rund 75.000 Videos im Arsenal, darunter meist auch die neuesten Hits.

          Mit einem ähnlichen Konzept ist in Deutschland schon seit dem Jahr 2008 das Berliner Unternehmen Tape.tv unterwegs. Tape.tv bezeichnet sich selbst als Musiksender. Auf der Internetseite tummeln sich nach Unternehmensangaben derzeit 2,5 Millionen Nutzer, die sich nach Anmeldung ihr eigenes Programm zusammenstellen können. Auch der Musiksender Viva bietet auf seiner Internetseite eine Möglichkeit, mit der Nutzer Musikvideos werbefinanziert im Netz anschauen können.

          Vevo will unabhängiger von Youtube werden

          Die Nutzer des neuen Dienstes Vevo können in Deutschland über die Internetseite, die Apps für Smartphones und Tablets, die Settop-Box Apple TV sowie die Spielekonsole Xbox auf Vevo zugreifen. Partnerschaften mit weiteren Geräteherstellern - wie etwa Anbietern von Fernsehern mit Internet-Anschluss - seien in Arbeit, sagte Jones.

          Zugleich kommt für Vevo der Alleingang in Deutschland auch nicht ganz ungelegen: Der Musikdienst würde sich gern etwas unabhängiger vom großen Partner Youtube machen. Vevo ist noch in zwölf weiteren Ländern aktiv, und dort greifen viele auf die Videos über YouTube statt direkt über die Vevo-Website oder die Apps zu. In den Vereinigten Staaten zum Beispiel laufen nach Informationen des „Wall Street Journal“ mehr als zwei Drittel der Abrufe von Videos aus der Vevo-Plattform über Youtube. Das bringt zwar Nutzer, aber Vevo muss auch die Werbeeinnahmen entsprechend teilen.

          Kein Gangnam Style in Deutschland

          In Deutschland legt sich Vevo jetzt ins Zeug, um vom Start an Musikfreunde anzulocken. Ab heute ist dort exklusiv das Video zum neuen Song „Kannste kommen“ der Band Fettes Brot zu sehen, an diesem Mittwoch folgt Britney Spears „Work Bitch“. Außerdem sollen täglich von Vevo selbst produzierte Live-Mitschnitte von Auftritten verschiedener Bands gezeigt werden. Dabei sind unter anderem die Kings of Leon und Depeche Mode.

          Bei der weltgrößten Videoplattform Youtube sind seit Jahren viele Musikvideos in Deutschland nicht verfügbar, weil der Internet-Konzern und die Gema über Abgaben streiten. So konnte man zum Beispiel den meistgesehenen Youtube-Clip, das Video zum Song „Gangnam Style“ des südkoreanischen Rappers Psy, in Deutschland auf der Google-Plattform offiziell nicht sehen. Allerdings sind trotzdem verschiedene Versionen des Liedes auf Youtube auch hierzulande verfügbar, unter anderem eine mit spanischen Untertiteln. Zentraler Streitpunkt bei solchen gesperrten Inhalten ist dem Vernehmen nach, welche Abgaben Google bei Videos, zu denen keine Werbung angezeigt wird, an die Gema leisten muss.

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