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Angriff auf Sony : Kommen die Hacker doch nicht aus Nordkorea?

Bild: AFP

Es war große Politik: Nordkorea soll Sony gehackt haben, um die Veröffentlichung des kritischen Films „The Interview“ zu verhindern. Doch Sicherheits-Experten haben jetzt eine ganz andere These.

          Es war ein großer politischer Auftrieb, als Hacker auf den Film-Servern von Sony eingedrungen waren und fünf teils unveröffentlichte Filme ins Netz gestellt hatten. Bald machten die amerikanischen Ermittlungsbehörden Nordkorea für den Hack verantwortlich: Das Land soll Sony angegriffen haben, um die Veröffentlichung der nordkorea-kritischen Satire „The Interview“ zu verhindern.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Sony entschied sich, den Film nicht zu zeigen - und holte sich dafür prompt Kritik von Präsident Barack Obama ab. Der wurde daraufhin von Nordkorea als „Affe im Urwald“ beschimpft. Am Ende zeigte Sony den Film doch, und Amerika war stolz darauf, dass es sich nicht zensieren ließ.

          Die Software kam vom Hacker-Schwarzmarkt

          Aber vielleicht hat Nordkorea mit dem Angriff auf Sony überhaupt nichts zu tun. Das jedenfalls finden mehr und mehr Experten für IT-Sicherheit. Den Anfang machte der Sicherheitschef der großen Hacker-Konferenz Defcon, Marc Rogers, der schon vor einigen Tagen Zweifel an der These äußerte.

          Jetzt zweifelt auch das norwegische Sicherheitsunternehmen Norse daran. In einem Blogbeitrag stellt Norse eine ganz andere These auf: Für den Angriff könnten sich Raubkopierer mit ehemaligen Sony-Mitarbeitern, die im Mai entlassen wurden, zusammengeschlossen haben.

          Die schnelle Schuldzuweisung durch die amerikanischen Behörden habe die Sicherheits-Gemeinde sowieso stutzig gemacht, sagte Norse-Manager Kurt Stammberger der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Es ist schwierig, die Verantwortlichen so schnell zu finden - das hat noch selten jemand geschafft.“ Alle Spuren, die sein Unternehmen in Richtung Nordkorea verfolgt habe, hätten in Sackgassen geführt.

          Auch das Sicherheits-Unternehmen Trend Micro zweifelt an der Nordkorea-These. Die Software, die verwendet worden sei, könne man auf dem Hacker-Schwarzmarkt kaufen. Große technische Kenntnisse seien dafür nicht nötig.

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          Damit stünde Sonys Film-Hack in einer Reihe mit dem Angriff auf die Netzwerk-Funktionen von Sonys Playstation an den Weihnachtsfeiertagen. Sie könnten das Werk einer jungen Hackergruppe namens „Lizard Squad“ sein. Ein junger Mann hat sich nach Weihnachten zu dem Angriff bekannt.

          Eine Sprecherin der amerikanischen Kriminalbehörde FBI verteidigte allerdings die Nordkorea-These. Es gebe keine glaubhaften Informationen über andere Schuldige.

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