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Kasparow über KI : „Wir haben alle diese Ängste, aber ...“

Garri Kasparow war Schachweltmeister und hat gerade das Buch „Deep Thinking“ veröffentlicht, in dem er sich Gedankten über die Intelligenz von Maschinen macht. Bild: dpa

Elon Musk hat die Diskussion neu belebt, wie gefährlich Künstliche Intelligenz ist. Nun schaltet sich der frühere Schachweltmeister Garri Kasparow ein - mit Optimismus, aber auch mit einer Warnung.

          In die gerade vom schillernden Technologie-Unternehmer Elon Musk neu belebte Diskussion darüber, wie gefährlich das Voranschreiten Künstlicher Intelligenz ist, hat sich nun auch der frühere Schachweltmeister Garri Kasparow eingeschaltet - und dem Tesla-Gründer widersprochen. „Das Problem ist nicht, dass Maschinen menschliche Arbeitsplätze ersetzen und nun Menschen mit College-Abschlüssen und Twitter-Accounts angehen“, sagte er während der Hacker-Konferenz DefCon in Las Vegas nach einem Bericht der britischen BBC: „Technologie zerstört immer Jobs bevor sie neue erschafft, das hat sie immer getan.“

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Kasparow, der Künstliche Intelligenz ganz persönlich erlebte, als ihn der Computer Deep Blue in den neunziger Jahren in einem Schachwettstreit besiegte, hat für den vielfältigeren Einsatz Künstlicher Intelligenz ein Szenario vor Augen, in dem Menschen befähigt werden, selbst höhere Leistungen zu erbringen. Als Beispiel nannte er die Fähigkeit schlauer Computerprogramme, Krankheiten treffsicherer zu diagnostizieren und Therapien vorzuschlagen, die dann von menschlichen Ärzten und Pflegern umgesetzt werden.

          Künftige Generationen würden verwundert zurückblicken, wie „menschen-zentriert“ das 21. Jahrhundert war besonders auch in Bereichen wie dem Autofahren, in denen die „menschliche Fehlbarkeit“ mehr Leben aufs Spiel setze als nötig. Kasparow warb dafür, auf die großen Chancen zu setzen, die sich aus der Zusammenarbeit zwischen Menschen und klugen Maschinen ergäben. „Wir haben alle diese Ängste, dass Maschinen uns ersetzen wir ausgelöscht werden, aber ich glaube, dass es viel Raum für Kreativität gibt. Und viel Kreativität.“

          „Selbstlernende Softbots“

          Tesla-Gründer Musk, der selbst eine auf Künstliche Intelligenz spezialisierte Unternehmung namens Open AI auf den Weg brachte, hatte unlängst während eines Auftritts vor Gouverneuren amerikanischer Bundesstaaten seine Warnung bekräftigt, Künstliche Intelligenz sei die „größte Bedrohung, der wir als Zivilisation gegenüberstehen“. Er löste damit eine durchaus kontroverse Debatte aus, in der sich zahlreiche Fachleute zu Wort meldeten.

          Sogar Facebook-Gründer Mark Zuckerberg schaltete sich ein, als er - während einer Facebook-Live-Unterhaltung auf Musks Äußerungen angesprochen - sagte: „Wer gegen künstliche Intelligenz argumentiert, argumentiert gegen sicherere Autos und gegen bessere Diagnosen für Kranke. Ich sehe einfach nicht, wie jemand guten Gewissens das tun kann.“ Reaktionen folgten schnell. „Hut ab, Mark Zuckerberg, dafür dass du dich gegen Künstliche-Intelligenz-Panikmache ausgesprochen hast“, teilte daraufhin Andrew Ng über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. Er gehört zu den angesehensten Fachleuten für Künstliche Intelligenz auf der ganzen Welt. „Ich denke, dass Arbeitsplatzverluste ein großes Problem sind und wünschte mir, dass wir uns eher darauf fokussieren als abgelenkt zu sein von diesen dystopischen, science-fiction-ähnlichen Elementen“, sagte er  während eines Vortrags für die „Harvard Business Review“.

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