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Kartendienst startet : Google Street View bald in 20 deutschen Städten

  • -Aktualisiert am

Für Street View: Ein schwarzes Auto filmt im Auftrag Googles die Straßen Berlins Bild: ddp

Fotos aller Häuser und Straßen in Deutschland werden bald im Google-Dienst Street View zu sehen sein. Noch in diesem Jahr soll der Kartendienst freigeschaltet werden. Wer sein Haus dort nicht sehen möchte, kann den Ausschnitt schwärzen lassen.

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          Die Internet-Suchmaschine Google schaltet ihren umstrittenen Fotodienst Street View noch in diesem Jahr in den 20 größten Städten Deutschlands frei. Im kommenden Jahr sollen weitere Städte folgen, teilte Google in einer Telefonkonferenz mit. Im Internet werden dann Fotos aller Gebäude gezeigt, die an öffentlichen Straßen stehen. Der Google-Dienst ist in 23 Ländern der Welt freigeschaltet, darunter auch in den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien.

          Für Street View sind Google-Autos mit Kameras auf dem Dach seit dem Jahr 2008 durch Deutschland gefahren, um die Häuser und Straßen zu fotografieren. Die Fahrten sind weitgehend abgeschlossen; weitere Aufnahmen seien vorerst nicht geplant. „Das hängt vom Erfolg des Produkts ab. Denn diese Aufnahmen stellen eine erhebliche Investition dar“, sagte eine Sprecherin.

          „Die Technologie funktioniert nicht perfekt“

          Google hat Gesichter und Autokennzeichen auf den Fotos mit Hilfe einer Software unkenntlich machen lassen. „Die Technologie funktioniert allerdings nicht perfekt. Manchmal werden Kilometerangaben auf Straßenschildern mit verwischt, manchmal werden schwer erkennbare Gesichter nicht erfasst“, sagte Per Meyerdierks, Googles Datenschutzbeauftragter in Deutschland. Die Erfolgsquote der Software liege jedoch „hoch in den neunziger Prozentwerten“, sagte Meyerdierks.

          Dagegen: Verbotsschild des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holstein gegen Googles Street View

          Viele Einwohner sehen ihre Privatsphäre mit Street View verletzt. Kommunen haben aus Protest den Autos die Durchfahrt verweigert. Google hat sich daher mit den Datenschutzbehörden geeinigt, Teile der Fotos auf Wunsch zu schwärzen. Hausbesitzer oder Mieter, die nicht möchten, dass ihre Häuser in Street View zu sehen sind, haben schon in den vergangenen Monaten bei Google mit E-Mail, Brief oder Fax protestiert. Die Zahl der Proteste liege im fünfstelligen Bereich, sagte eine Google-Sprecherin, ohne präziser zu werden. In der kommenden Woche wird unter der Internetadresse www.google.de/streetview zusätzlich eine Funktion eingerichtet, mit der Hausbesitzer oder Mieter die Suchmaschine auffordern können, den Standort ihres Hauses unkenntlich zu machen. Auf dem Foto ist dann später nur eine schwarze Fläche zu sehen.

          Trotz Proteste verzichtet Google nicht auf Street View in Deutschland

          Google hatte den Zorn vieler Menschen auf sich gezogen, als das Unternehmen zugeben musste, während der Kamerafahrten auch Datenschnipsel aus lokalen Funknetzen (W-Lan) mit erfasst und gespeichert zu haben. Inzwischen hat sich das Unternehmen offziell für die Panne entschuldigt. Am Wochenende war sogar das Gerücht aufgekommen, Google wolle unbemannte Flugdrohnen losschicken, um bessere Aufnahmen der Häuser zu bekommen. Das hat Google jedoch dementiert. „Wir suchen immer nach Wegen, um unsere Karten-Dienste zu verbessern. Als Teil dieser Bemühungen erforschen wir viele verschiedene Technologien. Aber Drohnen testen oder nutzen wir nicht“, sagt die Sprecherin.

          Trotz der Proteste in den vergangenen Monaten hat Google auf die Einführung von Street View in Deutschland nicht verzichtet. „Unsere Zugriffszahlen zeigen, dass auch die deutschen Internetnutzer Street View haben wollen. Jeden Tag rufen Deutsche mehr als eine Million Street-View-Panoramen auf, meist in den Vereinigten Staaten, Italien oder Frankreich“, sagte Raphael Leiteritz, der für das Produkt in Europa verantwortlich ist.

          Mit Street View stieg die Nutzung um ein Fünftel

          Die Nutzung des Google-Landkartendienstes Maps habe nach dem Start von Street View um etwa 20 Prozent zugelegt. Viele Hotels, Immobilienunternehmen oder Gemeinden binden die Street-View-Fotos in ihre Internetseiten ein, damit sich die Nutzer einen Eindruck verschaffen können, wie es vor Ort aussieht. „Informationen wie Öffnungszeiten oder Routenplaner können über den Fotos eingeblendet werden. Google Street View ist die nächste Generation der Landkarten“, sagte Leiteritz.

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