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Japaner interessiert an Infineon-Tochter : Chiphersteller Elpida erwägt den Kauf von Qimonda

Infineon-Tochter Qimonda: Bald in japanischer Hand? Bild: ddp

Japans größter Produzent von Speicherbausteinen will Marktführer werden. Durch eine Übernahme von Qimonda könnte das schneller gelingen als erwartet.

          Der japanische Hersteller von elektronischen Speicherchips, Elpida Memory erwägt eine Beteiligung an oder den Kauf der Infineon-Tochtergesellschaft Qimonda. „Wir haben nie über einen Aktientausch oder den Kauf von Anteilen gesprochen“, sagte Yukio Sakamoto, der Vorstandsvorsitzende von Elpida, der F.A.Z. in Tokio. „Aber wird sind sehr offen für solche Gespräche.“

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Infineon hatte im Februar angedeutet, dass es über einen Verkauf der zuletzt verlustreichen Tochtergesellschaft Qimonda nachdenke, und das Unternehmen im April offiziell zum Verkauf gestellt. Elpida und Qimonda, die Nummern vier und drei der Speicherchipbranche, hatten am Mittwoch in Tokio die erst im März eingefädelte und im April angekündigte Kooperation in der Entwicklung neuer Speicherchips unterzeichnet. Zugleich erklärten die Unternehmen, dass sie nun über eine mögliche Zusammenarbeit auch in der Produktion berieten.

          2010 kommt die nächste Generation von Speicherchips

          „Ich hoffe, dass wir in wenigen Wochen mit etwas herauskommen werden“, sagte Loh Kin-wah, der Vorstandsvorsitzende von Qimonda. Er schloss wie Sakamoto nicht aus, dass Qimonda und Elpida für mögliche Gemeinschaftsunternehmen in der Produktion weitere Partner mit an Bord nähmen. Im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit sei dies indes nicht geplant. „In der Produktentwicklung kann man nur einen Partner haben“, sagte Sakamoto.

          Qimonda-Chef Loh Kin-wah und Elpida-Präsident Yukio Sakamoto vereinbarten im April eine Technologie-Kooperation

          Qimonda und Elpida versprechen sich durch die Kombination ihrer technischen Kompetenz, die durch gemeinsame Entwicklungsteams erreicht werden soll, einen Entwicklungsvorsprung von einem Jahr vor der Konkurrenz, der sich für beide Unternehmen auszahlen werde. Die Unternehmen wollen 2010 die nächste Generation von Speicherchips in die Produktion bringen und kündigten im Gespräch mit der F.A.Z. an, dass einzelne Produktlinien möglicherweise auch schon früher auf den Markt kämen.

          Hoffnung auf stabile Preise im eingebrochenen Chipmarkt

          Sakamoto sagte, Qimonda sei wie alle deutschen Unternehmen stark in der Technikentwicklung auf Sicht von fünf Jahren. Das japanische Unternehmen Elpida sei dagegen stark in der Umsetzung technischen Wissens in Produkte und ihrer Vermarktung auf Sicht von zwei bis drei Jahren. Diese Sichtweisen und Kompetenzen zu vereinen biete große Chancen. Elpida erhofft durch die Kooperation mit Qimonda freilich auch, dass die Marktpreise für Speicherchips sich stabilisieren. Im vergangen Jahr sei der Preis für Speicherchips um 85 Prozent gesunken. „So etwas will ich nie wieder erleben. Ich möchte einen stabileren Preis“, sagte Sakamoto.

          Beobachter machen für den Preisverfall nach einem großen Investitionsschub in neue Produktionsstätten auch die südkoreanischen Hersteller und dabei vor allem Samsung Electronics verantwortlich, das als Marktführer mit einem Marktanteil von etwa 24 Prozent seiner Preisführerschaft nicht gerecht geworden sei. Sakamoto bezeichnete einen jährlichen Preisrückgang von 30 bis 40 Prozent als normal; die Unternehmen würden damit ihrer Verantwortung gegenüber den Kunden gerecht. Qimonda und Elpida erreichen zusammen einen Marktanteil von etwa 27 Prozent und könnten so zusammen als Marktführer agieren. Gemeinsam überrunden sie die drei großen Konkurrenten Samsung und Hynix aus Korea sowie den amerikanischen Hersteller Micron, der seit kurzem mit dem taiwanischen Produzenten Nanya, einem Noch-Partner Qimondas, kooperiert.

          „Selbst wenn wir Gewinn erzielen, ist dieser Gewinn nicht gut genug“

          Loh und Sakamoto wollten keine Prognose über weitere Konsolidierungen in der Branche wagen. Zu der Auflösung der Kooperation von Qimonda mit Nanya sagte Loh: „Wir gehen durch eine glückliche Scheidung.“ Die Gespräche dauerten aber noch an. Über die Ertragsaussichten ihrer Unternehmen in diesem Jahr äußerten Sakamoto und Loh sich zurückhaltend.

          Beide Unternehmen hatten das vergangene Jahr mit großen Verlusten abgeschlossen. Loh sagte, die gesamte Branche habe im vergangenen Jahr 12 bis 13 Milliarden Dollar an Werten verloren. Qimonda gebe angesichts der Marktbedingungen, die völlig außerhalb der Kontrolle seien, keine Prognose ab. Sakamoto sagte: „Selbst wenn wir in diesem Jahr Gewinn erzielen, ist dieser Gewinn nicht gut genug.“ Elpida hatte bisher erklärt, im Zeitraum von Juli bis September wieder Gewinn erwirtschaften zu wollen. Sakamoto geht indes davon aus, dass der Preis für Speicherchips in diesem Jahr auf 3 bis 3,5 Dollar steigen werde. „Wir haben das Schlimmste hinter uns.“

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