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IT-Branche : Vom Gipfeltreffen in die Talfahrt

Kann die IT-Branche in der Krise noch Anschluss halten? Bild: AP

Erst Banken, dann Autos und schließlich die Hightech? Sind als nächstes die deutschen IT-Unternehmen von der Krise betroffen? An diesem Donnerstag trifft sich die Branche zum IT-Gipfel. Heitere Stimmung wird dabei nicht erwartet.

          Erst Banken, dann Autos und schließlich die Hightech? Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel am Donnerstag den dritten nationalen IT-Gipfel in Darmstadt eröffnet, dürfte sie in nicht allzu viele heitere Mienen blicken. Denn den Vorständen führender deutscher Unternehmen wie SAP und Infineon steht die Angst vor einer lang anhaltenden Rezession, einer Deflation und Branchenkrise im Gesicht geschrieben. Nachdem das Beben an den Börsen lange Zeit den Sektor verschonte und Kunden in aller Welt unverdrossen Laptopcomputer, Videokameras und Mobiltelefone kauften, lässt es nun auch viele Hardware- und Softwarehersteller schwer erzittern – in Deutschland und der Welt.

          Stephan Finsterbusch

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Es ist, als sei im Oktober irgendwo von irgendjemand ein Schalter umgelegt worden“, erklärte Robert Barbera, Analyst der Investment Technology Group. Aufträge werden storniert, Bestellungen abgesagt. Einige Konzernvorstände rechnen bereits mit Umsatzeinbrüchen, die tiefer gehen als in der Branchenkrise im Jahr 2001. „Ich bin jetzt 26 Jahre in dem Job“, erklärte Henning Kagermann, Vorstandschef der deutschen SAP AG, „doch so etwas habe ich noch nie erlebt.“ In der Geschichte sei das bislang einzigartig, ließ sich auch William Coleman, einst Gründer von BEA Systems und heute Chef des Start-up Cassatt, vernehmen. Denn die Nachfrage scheint schneller zurückzugehen, als noch vor wenigen Wochen zu erwarten war.

          Auch die Zulieferer wird es treffen

          Siemens steigt nach den bereits vollzogenen Rückzügen aus dem Chip- und Handygeschäft nun auch aus dem Bau von Computern aus, verkauft seine Anteile an FSC dem japanischen Partner Fujitsu und gibt als letzter bedeutender europäischer Hersteller das Computergeschäft auf, da der Vorstand in München meint, dem harten Preiskampf nicht mehr standhalten zu können. Die chinesische Lenovo-Gruppe verbuchte gerade einen Gewinnrückgang von knapp 80 Prozent. Für einige Modelle des Herstellers Dell werden Preisnachlässe von bis zu 30 Prozent angeboten. Vergangene Woche hatten der Chiphersteller Intel und der Handybauer Nokia vor drastischen Absatzrückgängen gewarnt. SAP und Oracle halten sich mit detaillierten Prognosen zurück. Die Halbleiterhersteller Infineon und Qimonda stehen seit Monaten mit dem Rücken zur Wand. Der japanische Elektronikriese Sony halbierte die Gewinnprognose. Sharp und Panasonic fahren im Vorweihnachtsgeschäft die Produktion von Flachbildschirmen zurück.

          Das wird Zulieferer wie die deutsche Merck KGaA treffen und Spuren auf den Arbeitsmärkten hinterlassen. Die ersten Auswirkungen sind bereits zu sehen: Die kanadische Nortel-Gruppe streicht 2500, British Telecom 10.000, der amerikanische Hersteller von Netzwerkrechnern Sun Microsystems 6000 Stellen. „Wir passen uns den wirtschaftlichen Realitäten an“, erklärte Vorstandschef Jonathan Schwartz lapidar. Die internationale Branche der Informations- und Kommunikationsanbieter setzt nach Angaben von Forrester Research im Jahr 1,5 Billionen Euro um. Das Analystenhaus Moody’s sieht die Hälfte aller Investitionsausgaben der global arbeitenden Unternehmen allein in neue Technologien fließen. Doch mehr als 40 Prozent der großen Firmen in Nordamerika und Westeuropa haben nach Erhebungen von Forrester ihre IT-Budgets für das laufende Jahr gekürzt.

          Die Branche beschäftigt in Deutschland 830.000 Menschen

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