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Interview mit Deutschlandchef Ralf Kleber : „Amazon ist nicht asozial“

  • Aktualisiert am

Hochsaison im Advent: Amazons Logistikzentrum in Graben bei Augsburg Bild: REUTERS

Der Onlinehändler Amazon kämpft um seinen Ruf. Dabei biete das Unternehmen gute Arbeitsplätze, beteuert Deutschlandchef Ralf Kleber im F.A.Z.-Interview. Nur mit Verdi bleibt er auf Konfrontationskurs.

          6 Min.

          Herr Kleber, zerstört Amazon den Einzelhandel und macht die Innenstädte kaputt?

          Man kann uns schwer vorwerfen, dass wir den Onlinehandel erfunden haben. Man kann aber die Frage stellen, warum wir beim Kunden so beliebt sind. Wir haben unsere ganzen Prozesse auf den Kunden ausgerichtet. Es ist eine Symphonie aus Technik und Mitarbeitern. Unsere Kunden schätzen das.

          Die Klagen der Mitarbeiter, die uns zu Ohren kommen, klingen aber weniger nach einer harmonischen Symphonie als nach ordentlichen Dissonanzen. Haben bei Ihnen der Drang nach Effizienz und die Technik die Bedürfnisse der Mitarbeiter an den Rand gedrängt?

          Zunächst mal: Der Großteil unserer Mitarbeiter ist mit seinem Arbeitsplatz sehr zufrieden. Natürlich können wir nicht für jedes Paket neu überlegen: Wo wird es abgestellt, wie wird es versandt? Dafür gibt es effiziente Prozesse, die in der Logistik teils seit 40, 50 Jahren gang und gäbe sind. Aber unsere Mitarbeiter bringen ständig Ideen ein, um eben diese Prozesse zu verändern – manches von dem, was heute weltweit Standard ist, haben Mitarbeiter in den Logistikzentren entwickelt.

          Ralf Kleber ist Amazons Deutschlandchef.

          Inwiefern?

          Zum Beispiel der Sicherheitsschuh für die Mitarbeiter in unseren Logistikzentren. Den haben Mitarbeiter für Mitarbeiter mitentworfen. Sie haben sich gefragt, welche Belastungen der Schuh aushalten muss, und dann einen Schuh entwickelt, der den Belastungen am ehesten gerecht wird.

          Wer über Amazon berichtet, wird bei zu negativen Schlagzeilen oft von vielen Lesern kritisiert. Woran liegt das?

          Vielleicht auch daran, dass über uns viel Falsches gesagt wurde? Der Onlinehandel befindet sich immer noch in einem ganz frühen Stadium. Und Amazon ist ein Unternehmen, das mit vielen Traditionen bricht. Andere Unternehmen sind zum Beispiel darauf ausgerichtet, die Marke zu entwickeln. Und wir sind eben auf den Kunden ausgerichtet. Das zeigt sich in der Preistransparenz oder auch in den Kundenrezensionen für die Produkte auf Amazon.de. Wenn man etwas ganz Neues ausprobiert, dann wird man eben auch in vielen Dingen missverstanden. Das sagt auch unser Gründer und Vorstandsvorsitzender Jeff Bezos immer: Wenn man ein Pionier sein will, muss man damit klar kommen, missverstanden zu werden.

          Die Kunden sind die eine Seite. Wie Sie mit Ihren Lieferanten umgehen und was Amazon für den Wettbewerb bedeutet, die andere.

          Disruptiv zu sein, heißt aber gerade nicht, zerstörerisch zu sein, sondern Neues zu entwickeln. Es bedeutet, nicht auf einem Punkt zu verharren. Es bedeutet aber auch, nicht zufrieden zu sein. Wenn wir stehen geblieben wären, dann hätten wir auch keine mobile Internetseite entwickelt, über die die Kunden heute mit Smartphones oder Tablets einkaufen. Und andere dürfen eben auch nicht stehen bleiben. Es ist doch klar, dass man die Digitalisierung ohne Innovation nicht überleben kann. Das ist auch der Grund, warum wir im Geschäft mit digitalen Gütern wie elektronischen Büchern, Filmen, Videospielen und Musik sehr offen sind und es dem Kunden ermöglichen, die von ihm geliebte Vielfalt auf allen Geräten zu nutzen. Diese digitalen Güter müssen also auf der Playstation, der Xbox und anderen Geräten funktionieren. Das ist eine riesige Investition, aber eine nötige.

          Transparent sind Sie nur in Ihrer Geschäftsstrategie und mit Blick auf die Produkte auf Ihrer Website, bisher aber nicht in der Kommunikation über Ihr Unternehmen. Das sorgt dafür, dass Sie sich permanent verteidigen müssen.

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