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Interview mit dem Google-Chefökonomen : Google macht uns Angst, Herr Varian

  • Aktualisiert am

2002 noch als Berater, seit 2007 als Chefökonom für den Internetkonzern Google tätig: Hal Varian Bild: Lüdecke, Matthias

Hal Varian, der mächtige Mann bei Google, beschwichtigt: Wir machen nichts Böses mit den Daten unserer Nutzer. Und unangreifbar sind wir schon gar nicht.

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          Wer das Google-Büro in Berlin betritt, trifft gleich auf das erste Klischee: Schon im Eingangsbereich erwartet den Besucher ein Kickertisch, nebenan steht eine Fotokabine für die schnellen Spaßbilder zwischendurch. An der Wand hängen grelle Bildschirme mit den „Google-Trends“, generiert aus den Milliarden von Suchanfragen, die täglich beim amerikanischen Suchmaschinenbetreiber eingehen. In der Google-Welt gehören Ronald Schill, der DFB-Pokal und „Ebola Berlin“ zu den Trends der Woche.

          Unerkannt kommt niemand hier herein, am Eingang müssen Besucher ihren Namen und den Grund ihres Besuchs mit Hilfe eines Touchscreens eingeben. Sollte Google neben all unseren Daten auch an Fingerabdrücken interessiert sein, ist das jedenfalls eine einigermaßen unauffällige Art, an sie heranzukommen. Lange, grell bemalte Flure führen zu einer Wohnküche, gläsernen Büros und einem gähnend leeren Sportbereich. Auch die Tischtennisplatte ist verwaist. Wuselig wird es hier nur selten, bisher beschäftigt Google in Berlin nur rund 40 Mitarbeiter auf etwa 1700 Quadratmetern.

          Auch der Google-Chefökonom Hal Varian ist zum ersten Mal in dem neuen Berliner Büro. Der 67 Jahre alte Wirtschaftswissenschaftler in dunkelblauem Hemd mit braunen Hosenträgern fühlt sich sichtlich wohl unter den aufreizend leger gekleideten Mitarbeitern, die alle so aussehen, als wären sie nicht einmal halb so alt wie er. An der kalifornischen Elite-Universität Berkeley sei es auch nicht anders zugegangen, berichtet Varian. So ist es vor allem seine Funktion, die Außenstehende stutzen lässt. Dass nationale Notenbanken und die Europäische Zentralbank Chefökonomen beschäftigen, leuchtet ein. Aber seit wann interessieren sich private Unternehmen für große wirtschaftliche Zusammenhänge? Deshalb ist auch die Frage nach seinem Aufgabengebiet die erste, die uns beschäftigt.

          Herr Varian, wozu braucht ein Internetunternehmen wie Google einen Chefökonomen?

          Ich habe 2002 bei Google angefangen, als dort gerade einmal 300 Leute arbeiteten. Damals hatte ich ein Buch geschrieben mit dem Titel „Information Rules: A Strategic Guide to the Network Economy“. Ein sehr bekanntes Buch. Ich hatte den Google-Vorstandsvorsitzenden Eric Schmidt persönlich kennengelernt, deshalb rief er eines Tages an und fragte: Könnten Sie zu uns kommen und sich bei uns einige Dinge angucken, zum Beispiel unsere Auktion von Werbeplätzen? Das könnte uns ein wenig Geld einbringen.

          Inzwischen verdient Google Milliarden an der Idee, die Werbeplätze neben den Suchergebnissen jedes Mal in Sekundenschnelle neu zu versteigern, statt feste Preise zu nehmen.

          Seither gucke ich mir diese Auktionen an. Bei Google wird ja inzwischen fast alles über Auktionen organisiert. Sogar unser Börsengang war eine Auktion. Ich kümmere mich viel um das Marktdesign, aber auch um Vorhersagen über Umsatzentwicklung und Werbeverhalten. Ich habe ein Team von Statistikern zusammengestellt für Analysen. Inzwischen haben wir ungefähr 1000 Mitarbeiter, die sich nur um Analysen kümmern.

          Und wie viel Einfluss haben Sie auf das Management und die strategischen Fragen von Google?

          Mein Job ist es, mir die Fragen zu stellen, die mir das Management im nächsten Monat stellt. Einige Aufgaben beziehen sich auf politische Fragen, Wettbewerbsthemen, Zeitungsökonomie, geistiges Eigentum, Fragen des Datenschutzes. Denn in vielen dieser Bereiche gibt es eine analytische Dimension. Für diese Analysen bin ich zuständig. Ich arbeite also im langweiligen Bereich von Google – dem Bereich, der das Geld bringt.

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