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Interview mit dem Google-Chefökonomen : Google macht uns Angst, Herr Varian

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Sind diese kleinen Micro-Multinationals nicht mitunter absolut überfordert mit ihrem eigenen schnellen Wachstum in vielen unterschiedlichen Ländern?

Natürlich braucht man Wissen über die Märkte vor Ort. Aber andererseits denke ich auch gerne daran, dass unser damaliger Google-Vorstandsvorsitzender Eric Schmidt die Vorgabe gemacht hat: Jedes neue Produkt muss in einem halben Jahr in 40 Sprachen übersetzt sein. Und das war für unser weltweites Wachstum enorm wichtig. Das würde ich auch jungen Firmen heute empfehlen.

Ihr großer Wettbewerbsvorteil sind immer noch die Massen an Daten, die Google angehäuft hat. Damit sind Sie doch faktisch uneinholbar geworden.

Das höre ich immer wieder, aber ich bin da skeptisch. Denn Daten allein sind ziemlich sinnlos. Daten sind für Informationen erst einmal genauso wertvoll wie Sand für Siliziumchips. Wenn ich Ihnen eine Handvoll Sand gebe, bringt Ihnen das wenig, erst eine Handvoll Computerchips ist nützlich. In der Informationstechnologie sprechen wir über eine Hierarchie der Daten: Informationen, Wissen, Aktion. Das Ziel ist, diese Daten zu nehmen und sie in intelligentes Handeln umzuwandeln. Dazu müssen Sie von der simplen Information zu organisiertem, nutzbarem Wissen kommen, das Sie dann für sinnvolle Aktionen nutzen können.

Das ist genau der Punkt, an dem die Menschen nervös werden.

Aber das macht Google doch nicht allein. Die Kosten dieser Informationsverarbeitung sind in den letzten Jahren dramatisch gesunken. Jedes Unternehmen hat inzwischen ein ganzes Datenlager, das Informationen über Transaktionen sammelt, um sie analysieren und ausschöpfen zu können.

Aber niemand hat doch so viele Daten wie Sie?

Das sehe ich anders. Schauen Sie sich zum Beispiel eine Forschungseinrichtung wie das Schweizer Cern an – und andere. Aber da kommen wir zu der Frage, wie man Daten überhaupt misst. Was Google hat, sind Aufzeichnungen über Suchanfragen. Wir haben ungefähr drei Milliarden Suchanfragen pro Tag. Wir haben Instrumente entwickelt, um das zu managen, und wir haben darüber Artikel veröffentlicht. Das haben einige Menschen genutzt, um diese Instrumente zu kopieren und zu verbreiten. Im Wesentlichen hat mittlerweile jeder Zugang zu den gleichen Instrumenten wie wir. Was anderen dagegen fehlt, ist die Expertise. Wir machen das schon seit 15 Jahren.

Da es Ihr Job ist, Trends vorauszusehen: Haben Sie auch den Aufschrei über den Datenschutz erwartet?

Ja, sicher. Bei Google haben wir eine ganze Reihe von Anwendungen, mit deren Hilfe Nutzer ihre Daten löschen können. Sie können sehen, welche Daten Google hat, Sie können sie korrigieren, herunterladen oder löschen. Die meisten Daten aus dem E-Mail-Dienst Gmail oder bei Google Maps können Sie herunterladen und kontrollieren. Unsere „Data Liberation Front“ hilft dabei, Daten zu extrahieren, wenn jemand unsere Dienste nicht mehr nutzen möchte. Mit Hilfe unseres Preference Managers kann ein Nutzer sehen, welche Vermutungen Google über ihn angestellt hat, zum Beispiel über sein Geschlecht oder seine Interessen. Das können Sie sehen, verändern, herunterladen, löschen oder was auch immer.

Warum gibt es keinen Standard, durch den Daten einfacher von einem Unternehmen zum anderen mitgenommen werden können?

Nun ja, nicht jeder Wettbewerber möchte gerne teilen. Aber es gibt ja schon einige Standards, etwa wenn es um Kontaktdaten geht, den Kalender oder um Cloud Computing.

Allerdings gibt es das nicht für Suchanfragen.

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