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Interview mit dem Google-Chefökonomen : Google macht uns Angst, Herr Varian

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Was wird Google denn in einem Monat beschäftigen?

Wir messen gerade, wie effektiv Werbung ist. Bringt sie Aufmerksamkeit und Umsatz? Dazu nutzen wir einige neue Instrumente.

Hätten Sie gedacht, dass sich die Internetwelt so rasant entwickelt, als Sie vor 15 Jahren Ihr Buch geschrieben haben?

In dem Buch haben wir im ersten Kapitel strategische Werbung behandelt und das als große Möglichkeit gesehen. Wir hatten sogar ein Kapitel über Auktionen geschrieben, aber das mussten wir aus Platzgründen wieder streichen. Aber viele Fragen stellen sich heute ganz anders. Damals ging es viel um Microsoft und Windows. Das Betriebssystem auszutauschen ist ein riesiger Aufwand, doch die Suchmaschine können Sie ganz einfach wechseln. Viele Menschen nutzen unterschiedliche Anwendungen für unterschiedliche Aufgaben.

Was bedeutet das für Google?

Der Wettbewerb ist härter geworden. Heutzutage ist es viel einfacher, ein Unternehmen zu gründen. Das liegt vor allem am Cloud Computing. Die meisten Start-ups nutzen die Cloud-Technologie ...

... durch die Daten im Internet gespeichert werden können, so dass man keine kostspieligen Server mehr kaufen muss.

Es ist faszinierend, dass diese kleinen Start-ups mit vielleicht einem Dutzend Leuten die gleiche Technologie nutzen können wie multinationale Konzerne. Das sind inzwischen richtige „Micro-Multinationals“. Selbst kleine Unternehmen könnten heute international arbeiten. Eine Freundin von mir hat ein kleines Unternehmen. Ein paar Leute sitzen in San Francisco, einige in Delhi, damit arbeiten sie faktisch rund um die Uhr – und praktisch mit der doppelten Geschwindigkeit. Sie können Videokonferenzen, Chats und all die ganzen kostenlosen Technologien des Internets nutzen. Die Konkurrenz ist heute wesentlich größer als damals. Und zwar genauso zwischen großen wie auch zwischen kleinen Unternehmen.

Aber Sie sind doch der Monopolist, den alle fürchten. Sie glauben doch nicht wirklich, dass Ihnen ein kleines Start-up das Wasser abgraben kann?

Aber doch, natürlich. Der Unternehmer Andy Grove hat mal gesagt: „Nur die Paranoiden überleben.“ Wenn Sie nicht paranoid sind, machen Sie etwas falsch.

Vor wem haben Sie denn Angst?

Na ja, wir wollen es nicht übertreiben. Sagen wir, uns interessieren Facebook, Microsoft, Amazon, Apple. Wenn Sie an all die Internetgiganten denken: Im einen oder anderen Bereich konkurrieren wir alle miteinander. Facebook ist auch sehr stark im Anzeigengeschäft. Mit Apple konkurrieren wir bei Smartphones. Sie haben alle eine Basis in einem speziellen Gebiet, aber alle expandieren auch in anderen Bereichen.

Aber auch das sind wieder die etablierten Namen. Sie rechnen also nicht damit, dass es da draußen ein kleines Start-up-Unternehmen gibt, das Ihnen mit einer genialen Idee das Leben schwermacht?

Natürlich. Denken Sie doch daran, wie oft das schon passiert ist. Google hat ja selbst mal so angefangen. Seinerzeit hat Yahoo den damals so bezeichneten Krieg der Suchmaschinen für sich entschieden. Alle anderen waren nahezu unbedeutend. Dann kam Google. Und wir schauen ja nicht nur nach Wettbewerbern, sondern auch nach kleinen Unternehmen. Wir haben gerade einen Venture-Capital-Fund in Höhe von 100 Millionen Dollar aufgesetzt, mit dem wir in europäische Unternehmen investieren wollen. Wir gucken uns an, was in Berlin geschieht oder in anderen europäischen Städten. Dabei kann es um alle möglichen großartigen Ideen oder Technologien gehen. Es muss nichts mit Google zu tun haben.

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