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Internetunternehmen : Die Japan-Version von Aufstieg und Fall

Takafumi Horie hat nicht mehr viel zu Lachen Bild: AP

Das Internetunternehmen Livedoor löste im Januar einen heftigen Kurssturz an der japanischen Börse aus. Die Staatsanwaltschaft hat den Chef Takafumi Horie jetzt wegen Verstößen gegen das Wertpapiergesetz angeklagt.

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          Der Sturz war heftig, und er kam schnell. Anfang des Jahres hatte Takafumi Horie seinen schnittigen Sportwagen noch durch Tokios schicke Luxusviertel gesteuert; er hatte sein Rennpferd striegeln und sein Vermögen auf 1 Milliarde Euro beziffern lassen.

          Stephan Finsterbusch
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Er hatte mit seinem Unternehmen Livedoor eine kühne und vielbeklatschte Attacke gegen das konservative unternehmerische Establishment Japans geritten, weitreichende Pläne von privaten Weltraumfahrten und vom Aufbau des größten Unternehmens der Welt gesponnen. Dann klopfte die Staatsanwaltschaft an seine Tür. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Dort hält Horie seit Montag die Anklageschrift der Staatsanwälte in Händen.

          Keine Ahnung von Buchführung

          Zusammen mit drei weiteren Managern wird dem verglühenden Jungstar von Japans heißgelaufener Internetszene vorgeworfen, Bilanzen und Aktienkurse manipuliert, sich Vorteile bei der Übernahme anderer Unternehmen verschafft sowie die Aktionäre systematisch hinters Licht geführt zu haben. Jene Methode, die Livedoor in den vergangenen Jahren so dramatisch schnell wachsen ließ, habe auch die Wertpapiergesetze aufs gröbste verletzt, erklärte Tetsuo Ito von der Staatsanwaltschaft.

          Dafür könnte Horie bis zu fünf Jahre hinter Gitter kommen. Der 33 Jahre alte Internetpionier weist die Vorwürfe zurück. Er will die anstehende Gerichtsverhandlung nutzen, seine Unschuld zu beweisen. Hat der einstige Literaturstudent eigenen Worten nach doch keine Ahnung von Buchführung, geschweige denn von Bilanzkosmetik.

          Livedoor-Aktien im freien Fall

          Die aber steht zur Debatte seit die Staatsanwaltschaft Mitte Januar sowohl die Zentrale des Unternehmens als auch die Privatwohnungen der Vorstandsmitglieder durchsucht hatte. In der nachtlangen Aktion beschlagnahmte sie zahlreiche Dokumente, Computer und Festplatten. Am darauffolgenden Tag stürzte der Aktienkurs von Livedoor in die Tiefe.

          An der Börse kam es zu Panikverkäufen. Die zogen auch Kurse gewinnreicher Unternehmen wie Toyota oder Canon in die Tiefe. Kleinanleger hatten binnen weniger Stunden Millionen von Verkaufsaufträgen geschaltet. Die brachten das vollcomputerisierte Handelssystem der Tokioter Börsengesellschaft TSE an die Grenzen der Leistungsfähigkeit. Die TSE mußte den Tageshandel abbrechen. Die Broker waren sprachlos, die Analysten geschockt. Das Chaos schien perfekt.

          Das Versagen einer der technisch fortgeschrittensten Börsen ließ auch die Märkte in Westeuropa und Nordamerika erzittern. Weltweit rutschten die großen Aktienindizes ab. Ein ehemaliger Angestellter und späterer Finanzberater von Livedoor wurde tot in einem Hotel in Südjapan aufgefunden. Die Polizei sprach von Selbstmord, Horie von Bedauern.

          Staatsanwaltschaft ermittelt

          Während die Kurse in Tokio, Frankfurt und New York sich schnell wieder fingen, befand sich die Aktie von Livedoor im freien Fall. Das Unternehmen verlor in wenigen Tagen 90 Prozent seines Marktwerts. Die TSE stellte das Papier unter Quarantäne. Nun erwägt sie, es ganz vom Handel auszuschließen. In der vergangenen Woche erhob die Tokioter Wertpapieraufsicht gegen das einstige Führungsquartett von Livedoor Strafanzeige.

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