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Internetriese : Alibaba kauft chinesischen Fußballmeister

  • -Aktualisiert am

Guangzhou Evergrande hat auch europäische Legionäre: Hier ist Alessandro Diamanti am Ball. Bild: AFP

Der Internetriese Alibaba kauft Chinas Bayern München: Er beteiligt sich mit 50 Prozent am Fußballverein Guangzhou Evergrande. Um Fußball geht es Alibaba gar nicht. Der Chef sagt: „Wir investieren in Unterhaltung.“

          3 Min.

          Ein altes deutsches Sprichwort besagt: Gleich und Gleich gesellt sich gern. Das gilt offensichtlich auch in China. Am Donnerstag hat der chinesische Internetriese Alibaba die Hälfte des südchinesischen Fußballvereins Guangzhou Evergrande gekauft. Für 1,2 Milliarden Yuan (umgerechnet knapp 141 Millionen Euro) erwarb die Alibaba-Gruppe 50 Prozent der Evergrande-Anteile vom bisherigen Alleineigentümer, dem Immobilien-Entwicklungsunternehmen Evergrande. Damit gehört die erfolgreichste Fußballmannschaft Chinas von nun an dem erfolgreichsten Online-Unternehmen des Landes.

          Die Alibaba-Gruppe hat rund 300 Millionen Kunden und ist eigenen Angaben zufolge die größte IT-Firmengruppe Chinas. Sie betreibt unter anderem die erfolgreiche Handelsplattform alibaba.com und das Online-Auktionshaus Taobao. Seine 25.000 Beschäftigten wickeln rund 80 Prozent aller privaten Interneteinkäufe in der Volksrepublik ab.

          Größeres Handelsvolumen als Ebay und Amazon

          Interessant ist vor allem der Vergleich mit den Konkurrenten Ebay und Amazon: 2013 erzielte Alibaba ein 2,5 Mal größeres Handelsvolumen als Amazon. Im Vergleich zu Ebay erreichen die Chinesen sogar ein mehr als drei Mal höheres Handelsvolumen. Auch der Gewinn von Alibaba liegt mit 3,5 Milliarden Dollar deutlich vor Ebay und Amazon. Lediglich beim Umsatz liegen die Chinesen noch weit zurück. Rund 8 Milliarden Dollar setzten sie 2013 um. Ebay erzielte im gleichen Zeitraum etwa 16 Milliarden Dollar, und Amazon kam mit fast 75 Milliarden Dollar sogar auf das Neunfache.

          Aber Alibaba ist nicht nur ein riesiger Marktplatz, sondern ist mit seinem eigenen Zahlungssystem AliPay auch eines der führenden Onlinezahlungsmittel. Ma gründete eine eigene Bank, AliPay, an die bei einem Kauf zunächst gezahlt wird. Erst wenn der Kunde die Ware erhalten hat und damit zufrieden ist, wird das Geld weiter an den Verkäufer transferiert. Alibaba gelang es dadurch nicht nur den Handel, sondern auch den Zahlungsvorgang unter einen Hut zu bekommen.

          Und Ma plant bereits das nächste Vorhaben: Noch in diesem Jahr will er mit Alibaba in Amerika an die Börse gehen. Nach den Schätzungen der Finanzagentur Bloomberg ist Alibaba 168 Milliarden Dollar wert, etwa 12 Prozent davon werden wohl an die Börse gebracht, was ein Emissionsvolumen von 15 bis 20 Milliarden Dollar bedeutet würde. Es wäre der größte Börsengang der Geschichte der Wall Street.

          Angesprochen auf die Evergrande-Kaufsumme von 1,2 Milliarden Yuan sagte Ma am Donnerstag in Guangzhou schlicht: „Das ist doch billig.“

          Guangzhou Evergrande hat sich in den vergangenen Jahren zur besten Fußballmannschaft in China entwickelt. Ausgangspunkt war 2010. Damals stand der Verein vor dem Aus. Als bekannt wurde, dass Guangzhou in Spielmanipulationen verwickelt war, musste die Mannschaft zwangsweise in die zweite Liga absteigen. Es war der Zeitpunkt, als der Unternehmer Xu Jiayin den angeschlagenen Verein mit seiner Firma Evergrande Real Estate aufkaufte und anschließend viel Geld in den Klub investierte. Laut aktuellem Hurun-Report besitzt Xu ein Vermögen von umgerechnet 7,7 Milliarden Dollar. Er ist erfolgreicher Unternehmer und Mitglied in der Politischen Konsultativkonferenz des chinesischen Volkes (CPPCC).

          Dem Team gelang der direkte Wiederaufstieg, im Jahr darauf wurde man sogar erstmals chinesischer Meister. Seit 2012 hat Marcello Lippi hat sportliche Sagen. Unter der Ägide des italienischen Star-Trainers wurden etlichen internationale Stars nach China geholt, unter anderem der ehemalige Dortmunder Stürmer Lucas Barrios. Im vergangenen Jahr gelang es Evergrande als erstem chinesischen Klub, die asiatische Champions-League zu gewinnen.

          Mit dem Einkauf bei Guangzhou Evergrande dehnt die Alibaba sein klassisches Portfolio des E-Commerce aus auf die Unterhaltungssparte. Chinas Internetnutzer greifen zunehmend über  Smartphones auf das Internet zu, was eine große Herausforderung für Alibaba darstellt, dass bislang vor allem auf seine PC-basierte Handelsseiten baute. Schon im Januar begann Alibaba deshalb, verstärkt mobile Videospiele anzubieten. Im April kaufte man sich bei Youku Tudou ein, einer chinesischen Version des Videokanals YouTube.

          Und so ist der Einstieg bei Guangzhou Evergrande lediglich der nächste Schritt hin zu einem umfassenderen Angebot. Denn um Fußball geht es Ma eigentlich gar nicht. „Wir investieren nicht in Fußball, wir investieren in Unterhaltung“, sagte Ma am Donnerstag. Angst, zu scheitern hat er nicht. „Ich denke nicht, dass man hierfür Ahnung von Fußball haben muss. Als ich anfing, hatte ich auch keine Ahnung von E-Commerce und Internet. Aber das hat mich schon damals nicht abgehalten.“

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