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Internet : "Wir erleben eine verspätete E-Commerce-Blase"

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Der elektronische Handel gehört zu den großen Wachstumsfeldern im Internet. Aber viele Händler arbeiten unprofessionell, sagt Jörg Malang, Chef der Preisvergleichsmaschine Kelkoo in Deutschland.

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          Der elektronische Handel gehört zu den großen Wachstumsfeldern im Internet: Dank zweistelliger Zuwächse wird der Umsatz im Internet in diesem Jahr rund 17 Milliarden Euro erreichen. Hinter diesen Umsätzen verbergen sich aber nicht nur die Branchengrößen wie Ebay, Otto oder Amazon. Nach einer Studie des Bundesverbandes Digitale Wirtschaft (BVDW) sind in Deutschland rund 235 000 Online-Shops tätig, die inzwischen rund 160 000 Arbeitsplätze geschaffen haben.

          „Eine Konsolidierung steht bevor“

          Für Jörg Malang, Deutschland-Geschäftsführer der Preisvergleichsmaschine Kelkoo, muß die große Zahl aber ins rechte Licht gerückt werden: "Wir erleben zur Zeit eine verspätete E-Commerce-Blase. Sehr viele Händler sind unprofessionell und kalkulieren ihre Preise nicht sauber. Daher steht eine Konsolidierung bevor", sagte Malang dieser Zeitung. Nach seiner Meinung erzielen nur rund 10 000 bis 15 000 Online-Händler in Deutschland regelmäßig Umsätze.

          Damit die Online-Käufer die Übersicht behalten, haben sich in den vergangenen Jahren rund 100 Preisvergleichsanbieter wie Kelkoo in Deutschland gegründet. In ihren Datenbanken sind die Produkte mehrerer tausend Online-Händler gespeichert. Auf Knopfdruck lassen sich dann Listen mit den günstigsten Angeboten erstellen. Der Markt ist attraktiv, denn immer mehr Internetnutzer nehmen diese Preisvergleichsmaschinen als Einstiegspunkt eines späteren Online-Kaufs.

          Kelkoo, Froogle und 100 andere

          In der vergangenen Woche ist auch die Suchmaschine Google unter dem Namen Froogle in das Geschäft mit dem Preisvergleich in Deutschland eingestiegen. "Froogle macht die Produktsuchmaschinen populär", sagt Malang. Kelkoo habe aber keine Angst vor Froogle. Kelkoo liegt in der Gunst der deutschen Internetnutzer klar vorn: Rund 2,9 Millionen Nutzer haben die Internetseite im Oktober besucht, hat Nielsen-Netratings gemessen. Danach folgen Anbieter wie Guenstiger.de (1,6 Millionen Nutzer), Geizkragen.de (1,5 Millionen) und Idealo (1,3 Millionen). Daneben mischen auch Verbraucherportale wie Ciao, Dooyoo und Yopi mit. Sie sammeln Verbrauchermeinungen zu Produkten, damit die Nutzer Anhaltspunkte für den Kauf haben. In diesem Segment führt Ciao mit 2,2 Millionen Nutzern vor Dooyoo (1 Million) und Yopi (0,9 Millionen) die Rangliste an. Für Malang sind die Dienste der Verbraucherportale interessant. "Im kommenden Jahr wollen wir ebenfalls Kaufberatung und Nutzermeinungen anbieten. Wir können uns auch eine Kooperation mit Diensten wie Ciao oder Dooyoo vorstellen", sagte Malang. Der Nutzer solle alle wichtigen Informationen für den Kauf aus einer Hand bekommen.

          5 bis 8 Prozent Preisvorteil im Internet

          Der Kauf im Internet ist aber nicht nur eine Modeerscheinung, sondern bringt den Käufern handfeste Vorteile. Nach einer Untersuchung des E-Commerce-Center Handel an der Universität Köln liegen die Preise für Unterhaltungselektronikprodukte im Internet im Durchschnitt 5 bis 8 Prozent unter den Preisen im stationären Handel. Der maximale Preisunterschied betrug sogar 20 Prozent, haben die Wissenschaftler festgestellt. Im Durchschnitt liegen die Preise der Multikanal-Anbieter, zu denen zum Beispiel die Versandhändler Otto und Quelle zu zählen sind, nahe an den Preisen im stationären Handel. Die großen Preisvorteile gewähren meist die kleinen Händler, die mit geringen Kosten arbeiten. Da diese Unternehmen im Internet in einem harten Wettbewerb stehen und ihre Preise sehr genau miteinander verglichen werden können, ist die Streuung der Preise sehr gering.

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